Bergtour auf den Brünnstein im Oktober 2008

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Auf geht’s zum Brünnstein (1609 m)

Dienstag, 21. Oktober 2008

Schon lange war eine Bergtour geplant, doch aus den verschiedensten Gründen musste sie immer wieder ver–
schoben werden. Aber für heute haben alle Bedingungen gepaßt. Besonders das Wetter hat sich mächtig ins Zeug gelegt. Von nun an geht’s bergauf.

Andreas, Eberhard, Lothar und ich (Stefan) fahren im Auto von München nach Oberaudorf. Dort stärken wir uns in einem Cafe zuerst einmal. Das Angebot an Kuchen ist überwältigend und die Mehrheit von uns kann nicht widerstehen. Dann geht es mit dem Auto noch ein gutes Stück bis zum Parkplatz kurz vor Buchau. Wir studieren die an einer Hauswand angebrachten Wegbeschreibungen und stimmen demokratisch über die Wegwahl ab. Die Entscheidung fällt auf den kürzeren, aber auch steileren Weg Nr. 652, der in dem Taleinschnitt nördlich des Großen Brünnberg zum Brünnsteinhaus hinauf führt.

Anfangs ist der Weg noch nicht allzu steil, doch dann wird er das und noch dazu auch schmierig, weil es in den Tagen zuvor viel geregnet hat. Aber ich mag es ohnehin nicht, wenn es sich ewig lang hinzieht, ein steiler Anstieg ist mir schon lieber. Da mir das Tempo etwas zu langsam ist, setze ich mich ab und beachte einmal nicht das Abknicken des Wegs. Als ich es dann bemerke, will ich nicht mehr nach unten zurück, sondern ich quere unter Felsabstürzen auf Grasbändern hinüber, wo ich gedenke, wieder auf den Weg Nr. 652 zu treffen.

Nach einer Weile des Hinüberquerens höre ich tatsächlich von unten Stimmen und ich gebe Gas, dass sie meinen «Versteiger» nicht bemerken. Wieder auf dem Weg, vernehme ich das Stapfen von Bergschuhen weiter unten. Dieses Geräusch wird immer deutlicher hörbar und dann bemerke ich auch ein näher kommendes Husten und Keuchen. Ich erhöhe das Tempo soweit ich kann, aber es hilft nichts. Das kann doch nicht sein, denke ich, wie kann denn Andreas in voller Blüte seiner 77 Jahre mich mit Geburtsjahrgang 1950 einholen? Ich drehe mich um und will Andreas fragen, was er denn mache, dass er in seinem Alter gar so gut drauf sei und bemerke, dass ein Wildfremder mich verfolgt hat. Der Verfolger sagt zu mir, dass er im Brünnsteinhaus arbeite und die anderen noch ein ziemlich gutes Stück weiter unten wären. Na, da ist mein Ego wieder beruhigt und ich gehe wieder langsamer bergauf.

Natürlich bin ich als erster am Brünnsteinhaus, kaufe mir eine Radlerhalbe, bestelle ein Mittagessen, suche mir einen schönen Tisch in der Sonne aus und nehme dann – als mein bestelltes Mittagessen aufgerufen wird – dieses ein, denn ich will noch weiter auf den Gipfel des Brünnstein und bin mir sicher, dass von den anderen keiner mehr weiter nach oben will. Brünnsteinhaus – Terrasse
Brünnsteinhaus – Seitenanbau




Der Eingang zum Brünnsteinhaus befindet sich im Seitenanbau.

Von der Terrasse des Brünnsteinhauses: Im Dunst sind die Bergketten im Süden zu sehen. im Dunst: Bergketten im Süden
Wegweiser am Brünnsteinhaus





Von dort kommen wir her: Brünntal – Hocheck (Weg Nr. 652).

Schild «Alpenverein – Wegenetz» am Brünnsteinhaus: Schild: Alpenverein – Wegenetz
Als nächster kommt schon Andreas und sagt, auf die anderen müssten wir noch eine Weile warten.
im Dunst: Bergketten im Süden
Kaum zu glauben, dass Andreas vor ein paar Tagen 77 Jahre geworden ist. Er wolle zwar nicht weiter auf den Gipfel, aber es mache ihm nichts aus, wenn ich jetzt schon losziehen würde. Andreas geht ins Haus und bringt sich eine Halbe mit. Nach den ersten Zügen meint er, es sich doch überlegt zu haben. Wenn ich noch etwas war–
ten würde, bis er ausgetrunken und sich ein wenig erholt hat, würde er mit mir auf den Gipfel gehen. Allerdings müsse ich auf ihn besonders aufpassen, weil er nicht mehr so in Übung sei. Schön, Andreas, ich warte gern noch ein wenig.
Andreas in voller Blüte seiner 77 Jahre
Jetzt kommen Lothar und Eberhard, wobei Lothar nur aus Rücksichtnahme bei ihm geblieben ist. Wenn man Eberhard auf dem nächsten Bild so betrachtet und mit Andreas vergleicht, kann man kaum glauben, dass er 13 Jahre jünger ist. Als erstes schimpft er mich, weil ich den steilen Weg Nr. 652 gewählt habe. Aber Eberhard, das war doch eine demokratische Entscheidung. Was kann denn ich dafür, wenn du die auf dem Schild unten in Buchau gezeigte Geländegrafik nicht richtig interpretiert hast? Eberhard hat sich zum Brünnsteinhaus heraufgequält
Lothar bei der Ankunft am Brünnsteinhaus. Er ist halt trainiert, weil er in seinem Haus im Bayrischen Wald immer viel Treppen steigen muss. Lothar am Brünnsteinhaus
Die Aufregung legt sich jedoch schnell wieder und Andreas und ich machen uns auf den Weg zum Gipfel. Es ist ja bekannt, dass diesen gut versicherten, aber manchmal auch ausgesetzten Weg nur Geübte gehen sollen und mehrere beim Brünnsteinhaus angebrachte Schilder weisen auch darauf hin. Ich bleibe immer hinter Andreas, nur an weniger gefährlichen Stellen, an denen ich fotografieren will, gehe ich voraus. Diese Eisentreppe war für Andreas kein Problem. Andreas auf der Eisentreppe
Beim Aufstieg zum Gipfel haben wir einen wunderbaren Blick zum Zahmen und Wilden Kaiser. Blick zum Zahmen und Wilden Kaiser
So schnell kann’s gehen: Jetzt sind wir schon oben auf dem Brünnstein mit seinen 1609 Metern. Andreas kurz vor dem Gipfel
Wir gehen zur Kapelle auf dem Gipfelgrat, rasten ein wenig und genießen dabei den wundervollen Ausblick auf die Bergwelt ringsum. Dann frage ich Andreas, ob er lieber auf dem von der Westseite auf den Brünnstein herauf führenden Weg hinunter gehen will, aber er verneint und fragt mich dabei, ob er sich im Fall des Fallens an mir festklammern könne. Sicher doch, Andreas, zu zweit ist alles schöner und vielleicht auch das Stürzen in einen Abgrund. Spaß beiseite, ich sage ihm nur, dass er beim Hinuntergehen ja ständig einen Blick in die Tiefe hat und deshalb die Anforderungen an die Schwindelfreiheit größer sind als beim Heraufgehen. Aber mit besonderer Vorsicht werden wir auch das unbeschadet hinter uns kriegen.

Beim Abstieg blicken wir in das auf österreichischer Seite nach Kössen führende Tal (Bildmitte) und sehen wieder den Zahmen (halbrechts) und den Wilden Kaiser mit seinen schroffen Bergspitzen (rechts).
Tal nach Kössen – Zahmer und Wilder Kaiser
Wir zwängen uns wieder durch den bekannten Felsspalt... wir zwängen uns durch den Felsspalt
... und bewegen uns an den gut versicherten Stellen mit äußerster Vorsicht abwärts. Andreas beim vorsichten Abwärtsklettern
Wieder am Brünnsteinhaus angelangt, dürfen jetzt wir unseren Durst stillen. Lothar und Eberhard haben Bier und Wein probiert und sehen schon etwas angeschlagen aus. Das macht die für einen Oktobertag ungewohnte Hitze. Sie hätten sich aber auch in den Schatten setzen können, dann wäre der Durst nicht so groß gewesen.

Beim Hinuntergehen wählen wir jetzt den zwischen dem Kleinen und dem Großen Brünnberg verlaufenden Weg Nr. 651 und folgen dieser Forststraße bis zur Rechenau. Dort biegen wir links nach Norden auf den Weg Nr. 655 und müssen weit zurück bis nach Buchau und dann von dort zum Parkplatz laufen.

Vom Weg Nr. 651 blicken wir hinauf auf den schönen Brünnstein: der Brünnstein vom Weg Nr. 651 aus
Auf dem Weg Nr. 651. Lothar macht ein Foto von Eberhard: Lothar fotografiert Eberhard
Auf dem Weg Nr. 651. Eberhard ist gut drauf. Er will sich auf den hölzernen Thron setzen, aber der Rucksack stört: auf dem Weg 651: Eberhard ist gut drauf
Es war ein wunderschöner Tag. Bitte so etwas oft wiederholen!

Stefan



 

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