Südtirol - September 2017

Berichtsteil 2 - Bergwanderung zur Pralongià Hütte


Freitag, 22. September 2017

Heute soll es durch das Grödner Tal und über das Grödner Joch (ital. Passo Gardena)  in das von unserer Unterkunft in Latzfons knapp 58 km entfernte Corvara gehen. Wir lassen uns etwas zu viel Zeit beim Frühstücken und mit der Abfahrt, was wir am Nachmittag noch bedauern werden. Besonders die Fahrt durch das Grödner Tal zehrt wegen einiger Baustellen

mit Einbahnregelung und des starken Verkehrs an unseren Nerven. Und Eugen bittet mich auch ständig, am Straßenrand kurz stehenzubleiben, damit er den Langkofel zum x-ten Mal fotografieren kann, wie zum Beispiel das während der Fahrt hinauf zum Grödner Joch bei geöffnetem Seitenfenster geknipste Foto vom Langkofel. Wer jemals in einer Autoschlange einen Pass hinaufgefahren ist, der weiß, wie schwer es ist, eine geeignete Stelle zum Stehenbleiben zu finden und sich beim Anfahren wieder in den fließenden Verkehr einzuordnen. Aber für Eugen, der in meinem Pkw neben mir sitzt und seinen Führerschein in Turkmenistan gemacht hat, ist all das kein Problem, denn für ihn ist nur wichtig, dass er seine Fotos "im Kasten" hat. Kurz vor dem Erleiden des Erfrierungstodes bittet Lothar dann darum, Eugen möge doch das Seitenfenster schließen, was Eugen leise murrend tut.

Schlechte Beschilderung in Corvara

Schon bevor wir vom Grödner Joch kommend in Corvara einfahren, sehen wir auf der gegenüberliegenden Seite des Orts die gelben Gondeln eines Lifts, von dem wir denken, es könne der auf den Col Alt(o)  hinauf sein. Der Lift ward wohl von uns entdeckt, aber nicht die Zufahrt zu diesem. Kein Schild mit der Aufschrift Col Alt(o)  kann uns den Weg weisen. Nach mehrmaligem Hin- und Herfahren steuere ich einen an und für sich gebührenpflichtigen Parkplatz an. Der Geldeinwurfschlitz des Parkscheinautomaten ist blockiert und einen Hinweis im Schauglas des Automaten in italienischer (ladinischer?) Sprache interpretiere ich als "außer Betrieb". Ein Einheimischer meint auf unsere Frage, ob der Parkplatz vielleicht gesperrt sei, jetzt, gegen Ende der Saison sei die Gemeinde Corvara wohl so reich, dass sie auf die Parkplatzgebühren (EUR 5,00 für den Tag) nicht mehr angewiesen sei und wir sollen uns ruhig dorthin stellen. Des Einheimischen Wort in des Bürgermeisters Ohr, ich vertraue dem ladinischen Ehrenmann und parke als einziger auf dem Platz, nicht ohne vorher mit unserem sehr sparsamen Werner zu vereinbaren, dass eine etwaige Strafgebühr durch vier geteilt wird. Augenblicklich verfinstert sich seine bis dahin vergnügte Miene.

Bild rechts:
Mit der Sucherei nach der Talstation des Lifts und der nach einem Parkplatz haben wir viel Zeit vertan. Hier sitzen wir bereits in der Vierergondel und werden zum Col Alt(o) hochbefördert. Für die Bergfahrt sind pro Person EUR 7,40 fällig, nicht gerade wenig für die relativ kurze Strecke. Auch, wenn es auf dem Bild nicht so aussieht: Lothar hat keine miese Laune, sondern ist bester Stimmung. Eugen blickt aus dem Fenster und verschwendet seine Gedanken an die Tragfähigkeit der Drahtseile. Eher fragend meint er, ob wir einen Sturz aus dieser Höhe wohl überleben würden. Vielleicht blickt Lothar deshalb etwas nachdenklich drein.
 


Bild links:
15 Minuten vor 12 Uhr steigen wir an der Bergstation Col Alt(o)  aus. Die Rundumsicht ist durch die Liftanlagen sehr eingeschränkt und nur dieses Foto vom Sass da Ciampac  (2667m ü.d.M.) und dem östlich davon (zu sehen im rechten Bildteil) steil in die Höhe ragenden Sassongher  (2665m ü.d.M.) ist es wert, hier gezeigt zu werden. An der Bergstation vermissen wir einen Plan oder einen Wegweiser oder wir sehen einfach weder das eine noch das andere. Nach meinem in schwarz-weiß ausgedruckten Miniaturplan, den ich handschriftlich um ein paar Daten ergänzt habe, müssen wir dem Weg Nr. 23B folgen. Es gibt nur einen Weg und der führt zunächst hinunter in einen Sattel. Dort steht auch ein Wegweiser, auf welchem die Gehzeit bis zur Pralongià Hütte mit 1 Stunde 30 Minuten angegeben ist. Gleich nach dieser Weggabelung führt der Weg rechts hinein in einen lichten Lärchenwald.


Bild rechts:
Auf dem Weg von der Bergstation Col Alt(o)  hinunter zu dem beim letzten Bild beschriebenen Sattel halten wir kurz an und genießen den wunderbaren Blick in eine eher südliche Richtung zum Massiv der vergletscherten und vom frischen Schnee der letzten Tage bedeckten Marmolada  (höchster Punkt: Punta Penia  - 3343m ü.d.M.).



Bild links:
Von der Bergstation Col Alt(o)  kommend stehen wir um 12:00 Uhr am Sattel und studieren die Wegweiser. Für den Weg Nr. 23 zum Piz Arlara ist eine Zeit von 30 Minuten angegeben und zur Pralongià Hütte eine Stunde mehr. Von dem Weg durch die Wiesen beim Sattel geht es hineien in einen Lärchenwald und zunächst nur leicht, später über einige, mit runden Holzbalken abgesetzte Stufen (nächstes Bild) etwas steiler - aber nur kurzzeitig - bergauf. Der Weg verläuft schön abwechselnd einmal durch schattiges, dann wieder durch sonniges Gefilde. Hier geht Lothar voraus, gefolgt von Eugen und Werner.


Bild rechts:
Das ist jetzt ein Teilstück des mit Holzbalken ausgebauten Weges Nr. 23 vom vorher beschriebenen Sattel nach der Bergstation Col Alt(o)  hinauf zur Arlarahütte. Eugen ist auf dem Bild nicht zu sehen, ihm ist offenbar schon der Duft des in der nahen Arlarahütte ausgeschenkten Weißbiers in die Nase gestiegen und er ist in seinem Vorwärtsdrang nun nicht mehr zu halten.



Bild links:
Gegen 12:15 Uhr erreichen wir ein Gebiet, in dem sich der Lärchenwald schon deutlich gelichtet hat und der Blick auf die umliegenden Berge frei wird. Hier macht Eugen dieses schöne Foto von der Ostflanke der Sellagruppe. Lieber Eugen, zum Dank dafür, dass du beim abendlichen und bei dieser Kurzreise leider einzigen Schafkopf am Mittwochabend das von dir gespielte Solo mit meinem Contra und deinem Retour nicht als Sieger abgeschlossen hast, zeige ich hier in meinem Internetbericht dein schönes Foto. Das ist doch wahre Freundschaft, oder?



Bild oben:
Auch ich nutze die kurze Rast und richte das Objektiv meiner Kamera in Richtung der Sellagruppe. Leider gehe ich zwischen den Aufnahmen ein paar Meter weiter und habe somit für ein gutes Panoramabild nicht dieselben Standorte. Deshalb fertige ich diese Fotomontage von der Ost- und Südostflanke der Sellagruppe an. Darauf ist unter anderem deren höchste Erhebung, der schneebedeckte Piz Boé  (3152m ü.d.M. - auf dem Bild links im Hintergrund) zu sehen. Unterhalb des Piz Boé  erkennt man die dunkle Felswand des Le Ponte  (2779m ü.d.M.). Bei dem nur scheinbar höchsten Berg links der Bildmitte handelt es sich um den Boéseekofel  (2913m ü.d.M.). Das Panorambild besteht aus zwei Fotos, die wie gesagt von etwas verschiedenen Standpunkten auf dem Weg von der Bergstation Col Alt(o)  zur Arlarahütte auf einer Höhe von etwa 2000 Metern gemacht wurden und es besteht aus drei Bildteilen. Des Rätsels Lösung: Der links der Bildmitte am unteren Bildrand im Vordergrund zu sehende Baumwipfel musste horizontal gespiegelt werden (das ergab dann das dritte Bild), damit auf dem Gesamtbild nicht nur eine Hälfte der Baumkrone zu sehen ist.

Zu den folgenden drei Bildern wird jeweils im größeren Bild eine kurze Erläuterung gegeben:


Bild rechts:
Kurz vor 12:30 Uhr erreichen wir die auf einer Höhe von 2040m ü.d.M. erbaute Arlarahütte. Es gibt zwar viele freie Plätze auf der wunderschönen Terrasse, auf der wir die prächtige Aussicht genießen könnten, aber Eugen hat gestern auf der Terrasse der Klausnerhütte nicht aufgepasst und sich einen Sonnenbrand im Gesicht geholt. So müssen wir in einem nach vorne offenen, überdachten Anbau Platz nehmen. Hier ist es zwar ein wenig frisch, aber das hat den Vorteil, dass das bald nach dieser Aufnahme servierte Weihenstephaner Weißbier nicht so schnell warm wird. Lothar und ich sagen dem Bergsteigeressen zu, das sind schön kross gebratene Kartoffeln mit in dünne Scheiben geschnittenem Südtiroler Speck und einem im Dotter noch weichen Spiegelei obendrauf. Bei mir und Werner gab's vorher noch eine deftige Speckknödelsuppe. Sowohl die Preise für das Essen als auch die für die Getränke sind vernünftig und wir werden extrem freundlich bedient. Auf der Terrasse wird an einem festlich gedeckten Tisch mit Champagner auf einen Geburtstag angestoßen und dazu dreistimmig ein Lied in ladinischer Sprache gesungen. Es ist wirklich zum Zuhören und klingt wie sehr gut einstudiert, einmal nicht das übliche "häppi börsdei tu ju".
 

Bild links:
Leider müssen wir jetzt, kurz vor 13:30 Uhr, weiterwandern. Man könnte lange hier sitzen bleiben und die schöne Aussicht genießen. Noch einmal drücke ich auf den Auslöser meiner NIKON und mache ein Bild, auf dem nicht nur die Sellagruppe im Hintergrund, sondern auch ein Teil unseres freundlichen Servicepersonals zu sehen ist. Natürlich frage ich, ob ich das Foto ins Internet stellen darf und meine Frage wird bejaht.


Bild rechts:
Nachdem wir vier unseren Verzehr korrekt bezahlt haben, scheint uns dieser Bewacher der Arlarahütte gut gesonnen zu sein. Wir verabschieden uns von ihm auf Ladinisch mit "A SE UDËI", was so viel bedeutet wie "Auf Wiedersehen". Ich beherrsche zwar kein Wort dieser Sprache, aber beim Verlassen der Hüttenterrasse bemerke ich ein aus Holz gefertigtes Schild, in welches dieser Spruch eingeschnitzt ist. Unser nächstes Zwischenziel ist die zwischen der Fahnenstange und dem Kopf des Hüttenbewachers zu sehende Anhöhe.



Bild links:
Bevor wir jetzt in einem großen, nach Osten gerichteten Bogen auf der Hochfläche weiterwandern, mache ich noch schnell ein Foto von dem nördlich von Corvara aufragenden, in seiner Form besonders markanten, 2665 Meter hohen Sassongher.  Jetzt treffen die Sonnenstrahlen im Vergleich zu unserer Ankunft auf dem Col Alt(o)  zur Mittagszeit mehr seitlich ein. Bei diesen Lichtverhältnissen heben sich die Felsstrukturen deutlicher voneinander ab, was natürlich auch zu besseren Bildern führt.



Bild rechts:
Etwa 15 Gehminuten von der Arlarahütte entfernt hält Eugen die Westflanke des Heiligkreuzkofel (L'Ciaval  - 2907m ü.d.M.) auf dem Chip seiner NIKON E5700 (soweit ich mich erinnere, ist das eine »Coolpix«) fest. Das ist der steil abfallende Berg am linken Rand des Massivs. Am rechten Rand des Massivs ist - ein wenig durch das Gebüsch verdeckt - die Lavarella  (3055m ü.d.M.) zu sehen. Wer in der Literatur oder in den Wander- bzw. Landschaftskarten nach der Lavarella sucht, der wird sehr schnell feststellen, dass der Dolomitengipfel in den unterschiedlichsten Schreibweisen existiert. So kann man beispielsweise vom „Piz Lavarela“, „La Varella“ oder „Lavarela“ lesen. In älteren Dokumenten wird die Lavarella „Tamers Kofel“ bezeichnet. Bei dieser Bezeichnung handelt es sich um die älteste Bezeichnung des Gipfels und stammt von dem gleichnamigen Hof, welcher an der Westseite des Berges zu finden ist. „Tamers Kofel“ wurde die Lavarella im Atlas Tyrolensis von Peter Anich bezeichnet; diese Bezeichnung wird heute allerdings nicht mehr verwendet. Quelle für die Erläuterung zu den verschiedenen Schreibweisen: »suedtirol-trentino.de/suedtirol/berge/411-lavarella.html«



Bild oben:
Wenige Meter nach der Stelle, an welcher Eugen das Foto vom Heiligkreuzkofel und der Lavarella gemacht hat, verdeckt kein störendes Gebüsch mehr die Sicht nach Osten und Südosten und ich nutze noch einmal die Gelegenheit für ein Panoramafoto. Hier habe ich zwei Fotos vom gleichen Standort aus in Richtung der südlichen Fanesgruppe gemacht. Die dortige höchste Erhebung ist die Südliche Fanesspitze (Punta di mezzo di Fanes  - 2989m ü.d.M.). Vielleicht wird sich jetzt der eine oder andere Leser fragen, warum ich nicht die Panoramafunktion meiner Kamera nutze. Ganz einfach, meine NIKON verfügt nicht über eine solche Funktion. Ich könnte zwar Hilfslinien in das Sucherbild einblenden und mit Hilfe des Stativs minutenlang herumbasteln, aber so ein Fotoenthusiast bin ich nun auch wieder nicht. Für was gibt es denn Bildbearbeitungsprogramme? Für meine Zwecke reicht das Ergebnis allemal. Aber, wenn ich mir jetzt das größere Bild betrachte, muss ich zugeben, dass ich mir beim Zusammenfügen der beiden Bilder etwas mehr Mühe hätte geben können.



Bild links:
Gegen 14:00 Uhr erreichen wir die Bioch-Hütte (Ütia de Bioch  - 2079m ü.d.M.) mit ihrer wiederum sehr schönen Aussichtsterrasse. In diese Hütte kehren wir aber nicht ein, denn langsam wird die Zeit knapp und wir müssen unserem Trödeln von heute Früh Tribut zollen. Auf dem größeren Bild ist unser weiterer Wanderweg gut zu erkennen. Rechts der Bildmitte: die Cima Setsass  - 2571m ü.d.M.).


Bild rechts:
Im steten Wechsel von Auf und Ab wandern wir auf der grasigen, mit einzelnen Baumgruppen durchsetzten Hochfläche dahin. Im Osten erhebt sich das gewaltige Felsenmassiv der Lavarella  (3055m ü.d.M.) und der Conturines  (3064m ü.d.M.). Infolge der in diesem Gebiet üblichen verschiedenen Sprachen tragen diese Berge auch andere Bezeichnungen. Dieses Bild ließe sich an den linken Rand des oben gezeigten Panorambilds setzen.



Bild links:
Jetzt ist es 14:13 Uhr und unser Blick wandert nach Westen, zur Sellagruppe und dem Grödner Joch, über welches wir heute Mittag zu unserem Ausgangsort Corvara gefahren sind. Langsam werden Aufnahmen in Richtung Westen wegen des zunehmenden Gegenlichts problematisch.


Bild rechts:
Auf unserer heutigen Wanderung geht es nun das letzte Mal ein wenig steiler hinauf zur Pralongià Hütte. Schon bei den wenigen Stufen vor der Arlarahütte hat mich Werner, der zurzeit gesundheitliche Probleme mit seinem rechten Fuß hat, beschimpft, denn ich hätte ihm angeblich einen ebenen Weg versprochen. Jetzt erwarte ich wegen des wiederum etwas steileren Anstiegs eine erneute Schimpfkanonade von ihm. Um die zu erwartenden Schimpfworte nicht hören zu müssen, setze ich mich von Werner, Lothar und Eugen ab und sichere mir einen schönen sonnigen Platz auf der Terrasse der Hütte. Mein lieber Werner: nenne mir bitte ein ebenes Gebirge und wir gehen dann zusammen dorthin. Im Übrigen will ich dich an frühere Zeiten erinnern, in denen du unseren ganz und gar nicht bergfesten Leo(pold) teilweise über Eisenleitern durch den Rosengarten gejagt hast. Da war es umgekehrt und Leo hat dich beschimpft. Wenn er dort, wo er jetzt hoffentlich ist, diese meine Worte vernehmen kann, wird er mir sicher recht geben, dass nun du der Leidtragende bist. Es mag jetzt vielleicht der Eindruck entstehen, wir hätten während dieser Wanderung gestritten. Dem ist nicht so, im Gegenteil, denn obwohl wir manchmal einen sehr derben Umgangston pflegen , verstehen wir uns trotzdem blendend.
 


Bild links:
Zwar wurden diese Felsgiganten in diesem Berichtsteil schon ein paarmal gezeigt, jedoch ergibt sich immer wieder eine neue und oft bessere Perspektive wie hier kurz vor der Pralongià Hütte. Also, hier noch einmal der Sass da Ciampac  (2667m ü.d.M.) und der östlich davon steil in die Höhe ragende Sassongher  (2665m ü.d.M. - zu sehen rechts der Bildmitte). Die beiden Berge werden durch den auf einer Höhe von 2366m ü.d.M. liegenden Sattel, die Forcella de Ciampei , getrennt.



Bild rechts:
Das ist heute unser höchster Punkt: die Pralongià Hütte ist auf einer Höhe 2109m ü.d.M. errichtet und auf diesem Bild von Norden zu sehen. Es ist 14:35 Uhr und gleich werden wir vier auf der sonnigen Terrasse an der Südseite der Hütte das Getränkeangebot testen.



Bild links:
Werner (links) und Lothar testen auf der sonnigen Terrasse der Pralongià Hütte das Getränkeangebot. Eugen ist leicht verstimmt, weil ich einen Platz in der Sonne gewählt habe. Aber ich will mein vom Schwitzen etwas nass gewordenes T-Shirt trocknen lassen und schlage Eugen vor, doch im Innern der Hütte Platz zu nehmen, was er aber nicht macht. Eugen wollte ja auf der Arlarahütte unbedingt im Schatten sitzen. Dort habe ich gefroren und meine Speckknödelsuppe ist schnell kalt geworden, das ist jetzt der Ausgleich.



Bild rechts:
Ausblick von der Terrasse der Pralongià Hütte in Richtung Cima Setsass  - 2571m ü.d.M.). Diesen markanten Felsgipfel habe ich ja bereits von der Terrasse der Bioch-Hütte (Ütia de Bioch  - 2079m ü.d.M.) aus gesehen und fotografiert. Es ist jetzt ungefähr 15:10 Uhr und langsam müssen wir ans Weiterwandern denken.



Bild links:
Es ist jetzt 15:29 Uhr und wir waren von der Pralongià Hütte bis zu diesem Wegweiser hier knappe 10 Minuten unterwegs. Obwohl es gleich nach der Hütte einen kleinen Hügel hinaufging (man hätte diesen auch umwandern können, das habe ich aber in der Aufregung übersehen) und ich Werner vorher versichert hatte, dass es ab jetzt nur mehr bergab geht, hat er nicht gemurrt. Aber jetzt meldet er sich doch zu Wort und schlägt vor, dass wir 10 Minuten hinab zur Punta Trieste  gehen und dann mit dem Lift ins Tal fahren könnten. Werners Vorschlag halten wir drei Übrigen nur im Ansatz für gut. Wir stellen ihm die Frage, wie wir dann von der Talstation des Lifts nach Corvara kommen? Der Bus geht nur stündlich und wenn wir Pech haben und der Bus gerade abgefahren ist, müssen wir dann eine Stunde warten. Wir könnten in diesem Fall ein Taxi für die Fahrt nach Corvara rufen und machen Werner klar, dass er dann den Fahrpreis für das Taxi allein tragen müsste, denn wir anderen drei wollten ja eigentlich von hier aus zu Fuß nach Corvara gehen. "Ja, seid's den jetzt olle verruckt", ruft unser für seine extreme Sparsamkeit bekannter Werner, "liaba brich i mia den andern Zäha a no". Also nehmen wir alle vier den Weg Nr. 24 hinunter in Richtung des Passo Incisa  (1938m ü.d.M.) unter die Sohlen. Übrigens befindet sich auf der Südseite dieses Sattels, den wir in 20 Minuten erreichen werden, die gleichnamige Hütte.
 

Bild rechts:
¼ Stunde vor dem Erreichen des Passo Incisa  sehe ich im Südosten das in Luftlinie etwa 30 km entfernte, gewaltige Massiv der Civetta.  Die mit 3220 Metern höchste Erhebung, die Civetta,  bildet gemeinsam mit einigen kleineren Gipfeln die Civetta-Moiazza-Gruppe. Diese 6 km lange Gruppe fällt stellenweise gegen Westen über 1000 Meter ab. Die Civetta-Nordwestwand stand in den 1920er Jahren im Mittelpunkt des alpinistischen Interesses. Emil Solleder und Gustl Lettenbauer konnten dann die über 1000 Meter hohe Wand am 7. August 1925 erstmals durchsteigen. Sie gilt als eine der schwersten Klettereien ihrer Zeit und wurde mit dem damaligen 6. Grad eingestuft. Das war der Gradmesser für die Bewertung der schwierigsten Kletterei auf der von 1 bis 6 reichenden Skala (Quelle: »de.wikipedia.org«).


Bild links:
Nachdem wir auf dem relativ steilen Weg herab von der Pralongià Hütte zum Passo Incisa  auf einige von oben kommende, schnell heranbrausende Mountainbike-Fahrer achtgeben mussten, stehen wir um 15:49 Uhr an diesem Sattel. Wir sind noch gut gestärkt von unserem Aufenthalt auf der letzten Hütte und ziehen weiter, ohne dem Riugio Incisa  einen Besuch abstatten zu wollen. Übrigens besteht auch auf der Nordseite dieses Sattels eine Möglichkeit zur Einkehr in das "alpenländisch idyllische" Refugio Marmotta.  Auf dem nahe der zuletzt genannten Hütte stehenden Wegweiser ist die Gehzeit auf dem Weg Nr. 24 nach Corvara mit 1h 10' angegeben. Also, packen wir's an!



Bild rechts:
Eugen fotografiert einen in die Knie gegangenen Fotografen, also meine Wenigkeit, und natürlich wieder einmal den Sass da Ciampac  und den Sassongher  in meinem Rücken. Es ist fast genau 16:00 Uhr und ich revanchiere mich mit einem Foto von drei lustigen Gesellen, die da heißen Werner, Eugen und Lothar (nächstes Bild).



Bild links:
Zum Dank dafür, dass Eugen mich soeben als Vordergrund für den Hintergrund (damit meine ich den Sass da Ciampac  und den Sassongher)  gebraucht hat, muss ich natürlich ein Foto von den drei Bergwanderern machen. Wer die Namen der drei jetzt noch nicht kennt, muss meinen Bericht zur Strafe noch einmal von Anfang an lesen.



Bild rechts:
Seit unserer kurzen Rast am Passo Incisa  sind jetzt knapp 15 Minuten vergangen. Der Weg Nr. 24 hinunter nach Corvara verläuft hier durch ein schön anzusehendes Almgebiet. Im Bildhintergrund wieder einmal die schon mehrfach genannten Berge.
 


Bild links:
Menschen, welche den Ausdruck Neger  als diskriminierend oder beleidigend empfinden, lesen bitte ab dem nächsten Bild in meinem Bericht weiter. Da ich weder zu dieser Gruppe von Menschen gehöre noch eine solche Bezeichnung der dunkelhäutgen Menschenrasse im Sinn einer Herabwürdigung gebrauche, will ich hier dieses Bild von der offensichtlich nicht mehr im Betrieb stehenden »Negerhütte« (Capanna - Nera)  zeigen, an der wir um 16:27 Uhr vorbeigehen. Der im Hintergrund zu sehende Berg ist der... (ist doch klar, oder?).


Bild rechts:
Knapp 10 Minuten nach der Negerhütte kommen wir an einen Golfplatz. Der bisher von uns begangene Fahrweg verläuft geradeaus entweder durch den Golfplatz oder an diesem vorbei. Es ist nicht sofort erkennbar, in welche Richtung wir weitermarschieren müssen. Erst nach ein wenig Suchen bemerkt Lothar einen abseits von unserem Fahrweg, an einem ehemaligen Fußweg stehenden Wegweiser. Auf diesem ist ein nach rechts gerichtetes Schild mit der Aufschrift »CAI CORVARA 40' 24" angebracht. Offenbar hat man beim Bau des Fahrweges durch besagten Golfplatz den Wegweiser an der alten Stelle belassen und vertraut darauf, dass der Wanderer die Schilder nach etwas Suchen bemerkt. Hier biegen wir also oberhalb des Golplatzes nach rechts ab und kommen nach ein paar Metern an ein Bächlein. In einer gewissen Großzügigkeit lassen wir Lothar als Ersten die Stabilität dieses Bauwerks testen.


Bild links:
Gegen 17:00 Uhr stehen wir am »Hotel Arlara«, das sich etwas außerhalb des Ortszentrums von Corvara befindet und warten auf Werner, der hier gerade den Fahrweg herunterkommt. Eigentlich wollten wir im »Hotel Arlara«, das wir schon von weiter oben ins Visier genommen hatten, etwas trinken, aber es hat geschlossen. Aber schon haben wir einen anderen Ort ausgemacht, an dem wir unseren Durst stillen können. Auf einem hier stehenden Wegweiser ist die Gehzeit zur Pralongià Hütte mit 2 Stunden 10 Minuten angegeben. Wir haben uns die Zeit nicht notiert, dürften aber gegen 15:15 Uhr von der Pralongià Hütte losmarschiert sein, waren also mit einer Zeit von 1 Stunde 45 Minuten trotz Werners erheblichen Beschwerden am rechten Fuß gar nicht einmal so langsam unterwegs.


Bild rechts:
Die paar Meter bis zum Sporthotel »Panorama« sind gleich geschafft. Auf der halbschattigen Terrasse sitzen Gäste aus Rheinland Pfalz und Sachsen. Werner, den wir die letzte Stunde wegen seiner Fußbeschwerden immer wieder zum Weitergehen aufgemuntert haben und mir versichert hat, mit mir nie mehr wieder eine Bergtour zu machen, läuft beim Betreten der Terrasse zu Hochform auf. Seine Beschwerden scheinen wie weggeblasen zu sein. Er erzählt lautstark von seinen Freunden Luis Trenker (*1892 †1990), dem ehemaligen Landeshauptmann Südtirols, Luis Durnwalder , den Werner natürlich niemals persönlich getroffen hat und gibt seinen Lieblingswitz von der Lehrerin, die eine Rose zwischen ihren Busen geklemmt hat und Maxl fragt, wovon sich denn die Rose ernähre, zum Besten. Obwohl dieser Witz schon ein wenig derb ist, hat er doch die lachenden Damen schnell auf seiner Seite.
 


Bild links:
Nachdem Werner bei der heutigen Wanderung den relativ weiten Weg so tapfer gegangen ist, will ich ihn erlösen und schlage ihm vor, dass ich zum Parkplatz in Corvara gehe und dann mit dem Auto hierher zum Sporthotel »Panorama« fahre. Werner hat natürlich nichts dagegen und bestellt sich noch ein Franziskaner Weißbier. Soweit ich mich erinnere, hat Eugen Wein getrunken. Er will Werner hier nicht allein sitzen lassen und wir sich wohl auch noch ein Gläschen bestellt haben. Lothars Durst ist ebenso gestillt wie meiner und er will sich mir beim Fußmarsch zum Parkplatz in Corvara anschließen.


Zu den drei Bildern oben:
Weil die auf den drei Bildern gezeigten Gesichtszüge so ganz und gar nicht zur heutigen guten Stimmungslage passen, zeige ich diese Fotos von den lustigen Gesellen und zwar in der Reihenfolge, wie ich sie auf den Chip meiner NIKON gebannt habe. Vielen Dank, Lothar, Werner und Eugen für eure freundlichen Mienen! Die Tour war doch nicht etwa zu anstrengend, oder?

Fazit

Die Bergwanderung vom Col Alt(o)  über die Ütia Piz d'Arlara, vorbei an der Ütia de Bioch, weiter zur Ütia Pralongià,  von dort hinunter zum Passo Incisa  und schließlich von diesem Sattel zurück nach Corvara ist eine relativ einfache Bergwanderung, zumal die Auffahrt zum Col Alt(o)  mit dem Lift erfolgen kann. Eine gewisse Grundkondition sollte beim Bergwandern natürlich immer vorhanden sein. Die Aussicht beim Wandern auf dem Hochplateau ist in alle Himmelsrichtungen atemberaubend, nur darf man sich an den zahlreichen Liftanlagen nicht stören. Besonders angenehm sind natürlich die vielen Möglichkeiten für eine Einkehr und die in großer Zahl vorhandenen Sitzbänke, auf denen man sich ausruhen und die Aussicht genießen kann. Anmerken möchte ich noch, dass der Lift zum Col Alt(o)  zum letzten Mal im Jahr 2017 am Sonntag, dem 24. September, betrieben wurde. Wir waren also gerade noch rechtzeitig dran.


Die Karte links zeigt den Verlauf unserer heutigen Wanderung:
1 = Bergstation Col Alt(o)
2 = Arlara Hütte
3 = Bioch Hütte
4 = Pralongià Hütte
5 = Negerhütte
6 = Golf Club Alta Badia
7 = Parkplatz in Corvara in Badia
 

Rückfahrt nach Latzfons

Wegen des extrem starken Verkehrs und der kurvenreichen Straße bei der Herfahrt nach Corvara (klar, es ging über das Grödner Joch) wollen wir über das Gadertal (Val Badia)  und Bruneck im Pustertal heimfahren. Das tun wir dann auch, sparen aber im Endeffekt nicht viel Zeit ein, lediglich das Fahren gestaltet sich etwas angenehmer.


Bild rechts:
Die Heimfahrt nach Latzfons wird in Feldthurns unterbrochen, denn wir wollen Resi und Toni Schatzer, zu denen besonders Werner ein gutes Verhältnis hat, einen Besuch abstatten. Toni, der ohne Hilfsmittel nicht mehr allein stehen und gehen kann und seine Schwester Resi freuen sich sehr über unseren Besuch. Lothar und ich kennen die beiden von früheren Aufenthalten in Feldthurns auch sehr gut. Es wird viel über alte Zeiten erzählt. Bei Eugens Kamera versagt das Blitzlicht und ich bin zu faul, meine NIKON aus dem vor dem Haus parkenden Auto zu holen. So wird es eben ein unscharfes Foto ohne Blitzlicht, das ich aber trotzdem hier einstellen will.

Gerade noch rechtzeitig zum Ende der von der Küche des Hotel-Gasthof »Weißes Kreuz« in Latzfons gesetzten Zeitspanne für die Einnahme des Abendessen nehmen wir um 20:29 Uhr im Speisesaal Platz und dürfen bald darauf unsere hungrigen Mägen füllen. Leider wird es auch an diesem Abend keinen Schafkopf geben, denn Werner weigert sich strikt. So müssen sich Lothar, Eugen und meine Wenigkeit mit einer anderen Nachspeise begnügen.

Am Samstag, dem 23. September 2017, treten wir nach dem Frühstück die Heimreise nach München an. Wir wählen die Strecke über den Achenpass, um einem etwaigen Stau wegen der Grenzkontrollen an der Autobahn bei Kufstein zu entgehen. So gerate ich dann bei einer "Abkürzung" vor eine wegen eines Almabtriebs gesperrte Straße und muss umkehren. Kurz vor Achenwald halten wir beim »Gasthaus Marie« an der Achenseestraße an und nehmen ein Mittagessen ein. In München setze ich Werner und Eugen in der Nähe ihrer Wohnungen ab und fahre mit Lothar zu mir nach Hause, wo er sich ans Steuer seines Pkw setzt und den Rest selbst erledigt.

Liebe Freunde: Bitte mit der Wiederholung eines solch schönen Kurzausflugs nicht wieder ein ganzes Jahr warten!