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Südtirol - Oktober 2015

Berichtsteil 1 - Anreise und Törggelen beim Glanger

Vorbemerkung

Bei den in den Berichtsteilen 2 und 3 beschriebenen Wanderungen handelt es sich eigentlich nur um einfache Allerweltstouren und man kann sich fragen, warum ich sie hier im Internet beschreibe. Wie ich bereits an verschiedenen Stellen meines Internetauftritts erwähnt habe, fertige ich diese Berichte auch für meine Freunde und Bekannten, die mich bei den einzelnen Unternehmungen oft begleiten. Diesem Kreis soll das Zurückdenken an das gemeinsam Erlebte mit dem Lesen meiner bebilderten Internetseiten erleichtert werden und damit wird hoffentlich auch die Erinnerung an die schönen Erlebnisse gefestigt. Deshalb halte ich vor den Berichten über die Wandertouren zur Stöffl Hütte und zur Halslhütte das Törggelen beim Glangerhof in Feldthurns hier im Internet fest, damit sich Andreas, Lothar und Werner bei passender Gelegenheit in späteren Zeiten nochmals daran erfreuen können.

Meine Berichte sollen aber auch für alle anderen Informationssuchenden eine kleine Hilfe sein. Besonders im Hinblick auf die bis wenige Tage vor den Touren andauernden Schneefälle kann man beim Lesen der Berichte und beim Betrachten der Bilder möglicherweise leichter entscheiden, ob man diese Bergwanderungen bei ähnlicher Wetterlage angehen will. Ins Detail gehende Informationen müssen natürlich den zahlreichen, professionell betriebenen Internetauftritten entnommen werden.

Dienstag, 20. Oktober 2015

Zuhause in München verfolge ich schon seit zwei Wochen die Wetterberichte über Südtirol. Das schlechte Wetter dort will sich einfach nicht bessern. Mein älterer Spross verbringt gerade seinen Urlaub im Pustertal und reist einen Tag früher als geplant ab, denn der bis in die Täler fallende Schnee macht alle seine Tourenpläne zunichte. Aber jetzt lösen sich die gewaltigen Tiefdruckgebiete im Mittelmeerraum auf und Lothar kann die Zimmerreservierung für die Zeit vom 20. bis 23. Oktober 2015 angehen. Wir wollen uns wieder einmal im Gasthof »Zum weißen Kreuz« (Albergo Croce Bianca) in Latzfons einquartieren, denn unsere bisherigen Aufenthalte dort verliefen stets zu unserer vollsten Zufriedenheit. Latzfons (Lazfons) liegt mit einer durchschnittlichen Höhe von 1.160 Metern ü.d.M. südwestlich von Brixen (Bressanone) und westlich oberhalb von Klausen (Chiusa) am Südhang der Königsangerspitze in Südtirol. Wer mehr über unsere Unterkunft erfahren möchte, dem sei hier die Seite »www.gasthaus-weisses-kreuz.it« genannt. Bei der Anreise über die A22/E45 nehmen wir die Ausfahrt Klausen-Gröden (Chiusa-Val Gardena), man kann die Autobahn aber bereits bei der Ausfahrt Brixen-Pustertal (Bressanone-Val Pusteria)) verlassen und gelangt dann über Vahrn (Varna), Brixen, Pairdorf (Perara), Tschiffnon (Giovignano) und Feldthurns (Velturno) nach Latzfons. Ab jetzt werde ich in diesem Bericht die italienischen Bezeichnungen nur dann verwenden, wenn mir dies notwendig erscheint.
 
Andreas und Lothar beim Schafkopfen auf der Terrasse des Gasthofs »Weißes Kreuz« in Latzfons
Andreas (re.) und Lothar beim Schafkopfen
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Vorbereitung auf's Törggelen

Werner und Andreas sind schon etwas früher aus dem Südosten Münchens gestartet. Lothar holt mich von meinem Zuhause im Nordwesten der Stadt ab und wir spulen die uns von den zahlreichen Südtirolreisen bestens bekannte Strecke über die AB München-Salzburg und Kufstein-Innsbruck ab. An der Einhebestelle Schönberg im Stubaital lösen wir das Ticket für die Benutzung der Brennerautobahn und sind dann bald in Südtirol. In Latzfons angekommen parken wir die Pkw in der Garage des Gasthofs »Zum weißen Kreuz« und bringen unsere Sachen auf die Zimmer. Heute Abend steht Törggelen beim Glangerhof in Feldthurns auf dem Programm. Da wir bis dorthin noch etwas Zeit haben und die Sonne so schön scheint, macht irgendjemand von uns den blödsinnigen Vorschlag, auf der Terrasse des Gasthofs einen gepflegten Schafkopf zu machen. Kaum sind die Karten gemischt und verteilt, reiht sich bei mir ein verlorenes Spiel an das andere, so, wie ich es eben gewohnt bin.

Marterl (Steinpfeiler) an der Abzweigung des Sträßchens zum Glangerhof in Feldthurns
Marterl am Glangerhofweg in Feldthurns
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Als die Sonne hinter den Häusern verschwindet, wird es sofort empfindlich kalt. Es naht der gemütliche Teil des Tages, das Törggelen beim Glangerhof in Feldthurns. Gleich unterhalb unserer Unterkunft hält der nach Brixen fahrende Bus. Für EUR 1,50 á Person befördert er uns die zwei Haltestellen bis zur Abzweigung des zum Glangerhof führenden schmalen Sträßchens (siehe Bild rechts). Von der Haltestelle sind es zu Fuß etwa noch gemütliche 15 Minuten bis zum Glangerhof.
Am Glangerhofweg: Rote Äpfel zum Reinbeißen!




Bild links:
Entlang des Glangerhofwegs sind die Streuobstbäume behangen mit purpurroten Äpfeln, in die man nur allzu gerne reinbeißen würde. Da es sich vermutlich um eine Winterapfelsorte (Cousinot?) handelt, die ihre Genussreife erst später im Jahr erreicht und ich den Ertrag der armen Südtiroler Bauern nicht schmälern will, unterlasse ich das.

Glangers Vorrat für seine delikate Wildsalami
Glangers Wildsalami-Vorrat
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Bild rechts:
Unser Bergführer  Werner, der seit mehr als 40 Jahren seine Urlaube in Feldthurns verbringt, hat uns natürlich schon vor langer Zeit den Glangerhof als Törggelenstube empfohlen. Werner ist mit dem Wirt, Girgl Glanger, freundschaftlich verbunden und Girgl kennt auch uns mittlerweile beinahe so gut, wie unseren Bergführer.  So empfinden wir es auch bei dieser Reise nicht gerade als lästig, ein paar Törggelenstunden auf diesem sehenswerten, alten südtiroler Bauernhof zu verbringen.

Eingang zur Törggelenstube Glangerhof

Bild links:
Eingangsbereich der Törggelenstube Glangerhof in Feldthurns

Es ist oft schwierig, ohne Reservierung für mehrere Personen einen Platz zu erhalten. Aber Werner hat die Sache bereits vor mehreren Tagen geregelt und vier Plätze für uns reservieren lassen. Da wir nicht zu den Leuten gehören, die Versprochenes nicht halten (jedenfalls bemühen wir uns sehr darum), finden wir uns pünktlich in der im Jahr 2014 als beste Törggelenstube Südtirols ausgezeichneten Lokalität ein. Hunger haben wir ohnehin und der Durst wird sich sicherlich auch bald einstellen.
 
Glangers Törggelenstube innen
Glangers Törggelenstube innen
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Bild rechts:
Und so sieht das Etablissement  innen aus, allerdings sind die jetzt noch unbesetzten Plätze kurz nach der Aufnahme dieses Bildes vollständig belegt. Die nette Bedienung zählt uns die mögliche Speisenfolge auf, doch die Liste der Marende ist uns etwas zu lang. Deshalb lassen wir die Gerstelsuppe weg und bestellen nur: Von der Glangerküche selbst zubereitete Mischungen aus Weichkäse und Grünzeug, teils mit Knoblauch, dazu werden verschiedene Brotsorten gereicht; 4 x Hausmacherbratwurst mit Meerrettich, Senf und Sauerkraut, dazu gibt es im Glanger-Backofen selbst gebackenes Brot; eine Brotzeitplatte für vier Personen mit Speck, Käse, Kaminwurzen, Wildsalami, zwei rohen Zwiebelhälften, einer Knoblauchzehe, in der Schale gegarten, in dicke Scheiben geschnittenen Kartoffeln einer Gurke und sonstigem grünen Zierrat. Die Speisenliste wird beim nächsten Bild fortgesetzt!

In Glangers Törggelenstube: Lothar (li.) und Andreas beim Genießen

Bild links:
Lothar und Andreas (unscharf) bei einer Verzehrpause.
Weitere Speisenfolge: 4 Portionen gekochtes, gesurtes Schweinefleisch mit Sauerkraut und als Beigabe wieder Meerrettich und Senf; etwa zehn Stück frisch fritierte Kartoffelteigpolster, die mit Sauerkraut belegt oder mit Käse bestrichen und dann in zusammengerollter Form verzehrt werden können; 8 Schlutzkrapfen (in Fett gebratene, mit Glangers Marmelade gefüllte, längliche Teigtaschen ) und zum Abschluss gibt es ... (siehe nächstes Bild)

Glangers Käschten- Einschneid- und Bratmaschinen
Glangers Käschten-Braterei
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Bild rechts:
... lecker schmeckende südtiroler Maronen, vor- und zubereitet mit Glangers Käschten-Einschneid- und Bratmaschinen. Ja, Girgl ist ein wahres Multitalent, er hat diese Maschinen selbst erfunden und zusammengebaut. So nebenbei legt er in seiner Landwirtschaft Hand an, ist Wildzüchter und Halter von Federvieh, Brotbäcker in seiner eigenen Backstube auf dem Glangerhof, Wurst- und Käsemacher, Jäger und - was besonders hervorzuheben ist - Musiker, der seine Gäste beim Törggelen mit dem Faltenradio, seiner Steirischen Harmonika, stimmungsvoll unterhält.

Werner beim Törggelen


Bild links:
Werner, unser Bergführer, ist von Glangers Speisen, Wein und Musik sichtlich angetan. Warum ich Bergführer  immer kursiv schreibe hat seinen Grund. Werner, der in seinem Leben einerseits schon unzählige Hütten in Südtirol bezwungen hat, vor allem die mit dem Auto gut erreichbaren, andererseits von der Besteigung nennenswerter Gipfel aber kaum berichten kann, wird von uns deswegen immer gern auf den Arm genommen. Wir betiteln ihn oftmals als den einzigen Bergführer, der hinterher geht. Vielleicht haben wir das gerade wieder einmal zu ihm gesagt und sein Blick verzieht sich in leicht trauriger Manier oder aber Glangers Wein hat ihm bereits etwas zugesetzt. Werner, wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr! Für eine großzügig spendierte Runde Wein nehmen wir diese Behauptung zurück, jedenfalls wäre das eine Überlegung wert.

Nachdem wir unsere Mägen mit Wasser, Speisen und Wein (man beachte die Reihenfolge der Aufzählung!) gut gefüllt haben, machen wir uns auf den Heimweg. Glangers Sohn Martin bringt uns gegen eine kleine Aufwandsentschädigung mit seinem VW-Bus zum Gasthof »Weißes Kreuz« in Latzfons. Vor dem Zu-Bett-Gehen wollten wir noch ein wenig schafkopfen und einen Schlummertrunk zu uns nehmen, aber der Wirt hatte schon vorher die Zeichen der Zeit erkannt und die Gaststätte geschlossen. Auch bei einer in der Nähe unseres Gasthofs befindlichen kleinen Bar sehen wir keine Lichter mehr und etwas enttäuscht suchen wir unsere Zimmer auf. Nachträglich frage ich mich, ob ein Schlummertrunk noch unbedingt erforderlich gewesen wäre.
 
Gute Nacht!

Im nächsten Berichtsteil geht's weiter.

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