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Südtirol - Oktober 2015

Berichtsteil 3
Bergwanderung zur Halslhütte


Donnerstag, 22. Oktober 2015

Werner hat gestern beim Zurückgehen von der Stöffl Hütte zur »Käserei Jochalm« Probleme an den Füßen bekommen und kann deshalb wegen arger Schmerzen bei unserer heutigen Wanderung nicht mitmachen. Er will uns aber mit seinem Auto zum Parkplatz »Skihütte« am Südostabhang der nicht nur bei Skifahrern weithin bekannten »Plose« fahren, uns dort unserem Wandererschicksal überlassen und bei der Halslhütte auf uns warten. Die in der Wartzeit von ihm verzehrten Speisen und Getränke dürfen allerdings nicht zu unseren Lasten gehen, zumal Lothar ihm bei seiner letzten Steuererklärung geholfen hat und diese Ausgaben leicht von der hoffentlich spürbaren Steuerrückzahlung bestritten werden können. Werner, wenn ich das mit der Steuerrückzahlung falsch verstanden habe und du an das Finanzamt leisten musst und nicht umgekehrt, tut mir diese Bemerkung natürlich sehr leid. Aber vielleicht ergibt sich dann im nächsten Steuerjahr eine positive Bilanz für dich. An dieser Stelle gebe ich für Werner wieder den tröstenden Hinweis: Wer solche Freunde hat, braucht sich um Feinde nicht zu sorgen (oder so ähnlich)!

Fahrstrecke zum Parkplatz »Skihütte«

Von Latzfons führt unser Weg über Feldthurns nach Brixen. Dort geht es weiter über den Ortsteil Milland (Millan), die Orte Mellaun (Melluno), Sankt Andrä (Sant'Andrea in Monte) - wird nur am Ortsrand passiert -, Sankt Jakob in Afers (St. Giacomo di Eores), Sankt Georgen in Afers (St. Giorgio di Eores) und Oberafers (Eores di Sopra). Bei Palmschoss (Plancios) muss Werner seine rasante Bergauffahrt wegen einer unpassierbaren Baustelle beenden. Wir rechnen aus, dass es bis zum Parkplatz »Skihütte« (1.910 m) von hier zu Fuß noch etwa 50 Minuten sind und verabschieden uns von Werner mit einer leicht drohenden Bemerkung, was wir mit ihm anstellen würden, wenn er bei der Halslhütte nicht auf uns warten würde. Auf der von seiner Asphaltschicht befreiten Straße geht es nun leicht bergan. Der Baustellenabschnitt ist jedoch nicht allzu lang und wir haben wieder Teer (natürlich weiß ich, dass es kein »Teer« ist, aber man sagt halt einfach »Teerstraße«) unter unseren Schuhsohlen. Ungestört spazieren wir in der warmen Morgensonne dahin und reden davon, wie schön es ist, auf dieser Straße - ohne vom Autoverkehr gestört zu werden - wandern zu können, als uns ein bergab rasender Lkw aus unseren Wandererträumen reißt. Aber das ist zunächst die einzige Störung. Am Parkplatz »Skihütte« muss ich mich wegen starker Schmerzen im Hüftgelenk ein paar Minuten hinsetzen. Dann sind die Schmerzen so weit abgeklungen, dass wir auf dem Gampenwieserweg in Richtung des Schnatzbachgrabens weitergehen können.


Karte links:
Auf der links zu sehenden Karte habe ich unseren Wanderweg etwa von der Bushaltestelle »Skihütte« bis zur Halslhütte mit roten Punkten markiert. Natürlich ist das keine große Tour, aber, wenn Werner gesund wäre, müssten wir den gleich Weg ja zurück gehen und dann könnte man vielleicht schon von einer Bergwanderung reden.
 
Baggerarbeiten am Schnatzbachgraben
Baggerarbeiten am Schnatzbachgraben
Bild groß (1.468 KB): Hier klicken



Bild rechts (11:44 Uhr):
Wir sind nach dem Parkplatz »Skihütte« am Schnatzbachgraben noch nicht allzu lang unterwegs, als uns dieser Bagger das Weiterkommen erheblich erschwert. Nicht unsere Geländegängigkeit bereitet uns Sorgen, sondern der tief unten im Loch der Baustelle stehende Arbeiter und das gefährlich über ihm schwebende, zentnerschwere Betonteil. Wir wollen abwarten, bis der in der Flanke eines steilen Grabens manövrierende, extrem nach vorn geneigte Bagger seine Last abgesetzt hat und erst dann die Baustelle passieren, aber Baggerfahrer und Arbeiter geben uns mittels winkender Armbewegungen zu verstehen, dass wir die Stelle jetzt passieren sollen. Gut, dass wir gestern relativ wenig gespeist - und vor allem getrunken - haben, denn jetzt können wir alles andere gebrauchen als einen dicken Bauch. Nur mit Mühe können wir uns zwischen der hinteren Motorverkleidung des Baggers und dem abgegrabenen Berghang vorbeiquetschen. Ich frage den Baggerführer, ob ich dieses Bild ins Internet stellen darf und er bejaht.



Bild links:
Unmittelbar nach der Stelle mit den Baggerarbeiten am Schnatzbachgraben scheint es so, als ob Lothar (links) Andreas etwas Schnupftabak zum Ausgleich der soeben vollbrachten körperlichen Leistungen anbieten würde.


Blick hinüber zum Rittner Horn und zum Villanderer Berg
Bild oben:
Jenseits des Eisacktals ragen das Rittner Horn und der markante, an seinem weitläufigen, gleichmäßig geneigten Gipfelplateau leicht zu erkennende Villanderer Berg auf. Nördlich und unterhalb dieses Gipfels (auf dem Bild ist das rechts) liegt die Stöffl Hütte, unser gestriges Wanderziel.
 


Bild rechts:
Ein paar Wegbiegungen weiter und wenige Minuten vor Mittag bekommen wir zum ersten Mal einen der schönsten Aussichtsberge Südtirols, den 2.875 m hohen Peitlerkofel, zu sehen.




Bild links:
Westlich daneben schließt sich, getrennt durch die 2.357 m hohe Peitlerscharte, die Aferer-Kette mit ihrer höchsten Erhebung, dem 2.653 m hohen Tullen, an.

Blick zurück zur Schatzerhütte





Bild rechts:
Kurz nach der letzten Fotostelle erkennen wir beim Blick zurück etwas unterhalb unseres Weges die zu dieser Jahreszeit bereits geschlossene Schatzerhütte (1.985 m). Um 12:14 gabelt sich der Weg. Links geht es zur Plosehütte und zur Rossalm und rechts zur Peitlerscharte und zur Halslhütte, unserem heutigen Ziel. Sieben Minuten später dann noch einmal eine Ansammlung von Wegweisern. Hier wird der Weg zur Halslhütte mit einer Gehzeit von 20 Minuten angezeigt.



Bild links (12:32 Uhr):
Der bisherige breite Fahrweg ist seit der letzten Abzweigung nurmehr ein schmaler, in den schattigen Waldbereichen von dem in den letzten Tagen reichlich gefallenen Schnee bedeckter Steig. Aber weder Andreas noch Lothar haben mit etwas Vorsicht beim Gehen im Hinblick auf die vereinzelt vorkommenden glatten Stellen Schwierigkeiten, zumal unsere Trittsicherheit bei dem jetzt schon spürbaren gewaltigen Durst und der nicht mehr weit entfernten Hütte irgendwie erhöht ist.



Bild rechts (12:35 Uhr):
Andreas und Lothar sprinten  förmlich auf schneebedecktem Pfad unserem Tagesziel entgegen.




Bild links (12:39 Uhr):
Noch einmal: Der Peitlerkofel in seiner vollen Pracht.
 


Bild rechts (12:51 Uhr):
Geschafft, die Halslhütte (1.866 m) liegt vor uns.








Bild links:
Werner, unser Bergführer, hat unsere Drohungen ernst genommen und wartet an der Halslhütte brav auf uns. Er schnauzt uns nur kurz an, warum wir so lang gebraucht haben, weil ihm die Wartezeit wegen der von ihm verzehrten Speisen so teuer zu stehen gekommen ist.




Bild rechts:
Bei der Rückfahrt zu unserem Hotel in Latzfons halten wir kurz an, damit ich ein Foto von der imposanten Geislergruppe machen kann. Östlich der 2.597 Meter hohen Mittagsscharte (das ist der im rechten Bilddrittel zu sehende tiefe Einschnitt) ragen der Sas Rigais und die Furchetta (jeweils 3.025 m) auf.

Blick hinüber zum Rittner Horn und zum Villanderer Berg
Bild oben: Der östliche Teil der Geislergruppe mit den höchsten Erhebungen Sas Rigais (links der Bildmitte) und Furchetta (rechts)
 
Am Abend machen wir es uns in unserem Hotel »Weißes Kreuz« noch einmal so richtig gemütlich. Genauer gesagt besteht die Gemütlichkeit aus der Verpflichtung zum Schafkopf und das bedeutet für mich, wieder einmal zu verlieren. Und auch das läßt sich noch etwas genauer beschreiben, es ist kein rechnerisches, sondern ein eher gefühltes Verlieren. Noch genauer: Mein beim Schafkopfspiel erzielter Gewinn ist ein relativ bescheidener und hätte auch ein erwähnenswertes Ausmaß erreichen können. Wenigstens muss ich das Gewicht der gewonnenen Münzen nicht in mein Zimmer hinaufschleppen, denn das Hotel verfügt über einen Lift.

Der Gummererhof in Pinzagen: Kein Aushängeschild für Südtirol

Es war ein rundum gelungener Kurzausflug ins schöne Südtirol. Wohlbehalten kommen wir alle am nächsten Tag zuhause an. Zwei Wochen später verbringen meine Frau und ich einen Kurzurlaub in Südtirol. Bei einer Wanderung von unserem sehr zu empfehlenden Hotel-Gasthof »Terzer« in Kurtatsch ist unser Tagesziel der Gummererhof in Pinzagen oberhalb von Tramin, der auf seiner Internetseite »www.gummererhof.it« mit dem Slogan »Bei uns wird familiäre Gastfreundschaft gelebt« Werbung macht. Statt schöner Bilder und Selbstlob sollte die Internetseite vielmehr Hinweise über die Ruhetage (Montag und Dienstag) und die Tatsache enthalten, dass der Berggasthof ab Anfang November geschlossen ist. Bei unserer Wanderung am Mittwoch, dem 4. November 2015, waren zwar der Gastraum und das WC zugänglich, die Besitzer oder Pächter waren aber erkennbar mit den Aufräumungsarbeiten für eine bevorstehende Winterruhe beschäftigt. Die Wanderung von Kurtatsch über Graun bis zum Gummererhof hatte uns durstig gemacht und ich bin der festen Überzeugung, im menschenleeren Gastraum einige mit Gerstensaft befüllte Flaschen gesehen zu haben. Also klingelte ich an der über dem Gastraum befindlichen Wohnung und fragte dort nach, ob meine Frau und ich etwas zu trinken bekommen könnten. Meine Frage wurde mit der Antwort, der Berggasthof sei bereits geschlossen, unhöflich verneint. Der nächste bewirtschaftete Berggasthof bzw. der Ort Tramin ist vom Gummererhof etwa 50 Gehminuten entfernt. Der oben erwähnte Slogan sollte daher umgehend berichtigt oder gelöscht werden! Aber, ich erkenne meine Mitschuld, denn wer im November eine Bergwanderung macht, der sollte davon ausgehen, dass nicht mehr alle Hütten bewirtschaftet sind und deshalb einen Vorrat an Speisen und Getränken auf der Wanderung immer mit dabei haben.

Danke für's Lesen wünscht

Stefan

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