Wandertour zur Bayreuther Hütte im August 2012

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Geburtstagstour zur Bayreuther Hütte (1600 m) – Berichtsteil 1

Vorabbemerkung zu den Gehzeiten
Falls jemand die Tour nachwandern möchte, bitte nicht an unseren Gehzeiten orientieren! Zum einen habe ich versucht, die Zeiten anhand der Fotodaten zu rekonstruieren und zum anderen resultieren die langen Zeiten aus den im Bericht angedeuteten persönlichen Umständen einzelner Teilnehmer.

Dienstag, 28. August 2012

Nachdem ich von meiner mit dem Motorrad unternommenen Reise zum Nordkap zurück bin (wen es interessiert, der möge bitte einen Blick in meine Seiten «Motorradtouren» werfen), will ich das meinen Freunden vor meiner Abreise gegebene Versprechen, möglichst bald nach meiner Rückkehr aus dem hohen Norden Europas mit ihnen zusammen eine Bergtour zu machen, einlösen. Die Zeit drängt, weil meine Frau und ich noch im September unseren Jahresurlaub verbringen wollen. Man merkt, seit die Freistellungsphase meiner Altersteilzeitvereinbarung begonnen hat, bin ich ständig unter Zeitdruck.

Bei einem Treffen vereinbaren wir, am Donnerstag, dem 30. August, im Rofangebirge eine kleine Wanderung zu machen. Weil derzeit nicht alle von uns in gesundheitlicher und konditioneller Hinsicht auf der Höhe sind, soll uns der Roßkogel–Sessellift auf die selbige bringen. Wenn sich für den Donnerstag eine Verschlechterung des Wetters abzeichnen sollte, wollen wir die Sache schon früher angehen. Da der Wetterbericht bereits am Montag für den darauf folgenden Donnerstag eine hohe Gewitterwahrscheinlichkeit voraussagt, «managen» wir in einer Art Telefonkonferenz eine Vorverlegung auf Dienstag, den 28. August. Peinlich ist nur, dass jemand von unserer Gruppe an diesem Tag Geburtstag hat.

Werner stellt seinen Opel–Zafira zur Verfügung und meint, wir, das sind ausser ihm noch Andreas, Lothar, Eberhard und ich (Stefan), hätten in seinem Auto mehr als genügend Platz. Um 08:00 Uhr wollen wir uns bei ihm in München – Giesing treffen und das klappt dann auch. Da ich Werners Worten zufolge den Weg kenne (das stimmt zwar, allerdings trifft das nur für die letzten 500 m in Kramsach zu, denn Werner ist in seinem Leben bestimmt schon einige hundertmal über die Inntalautobahn in sein geliebtes Südtirol gefahren und kennt daher praktisch jeden Meter dieser Strecke), soll ich vorne rechts sitzen und ihm den Weg einsagen. Na gut, ich sträube mich nicht. Eberhard muss sich mit dem Katzensitz ganz hinten bescheiden. Werner sagt zwar, das sei ein vollwertiger Sitz, aber Eberhard tun schon nach wenigen Kilometern dermaßen die Knochen weh, dass wir am ersten Rastplatz an der Autobahn München – Salzburg stehenbleiben und ihn auf der Sitzbank in die Mitte nehmen müssen.

Damit ich nicht immer nur von Werner schreibe, stelle ich gleich einmal ein auf dieser Wandertour bei der Bayreuther Hütte aufgenommenes Bild von ihm auf meine Internetseite. Kann dieser gar so vertrauenswürdig dreinblickende, von unserem Herrgott mit dem Antlitz eines Lamms gesegnete Mensch aus einem Katzensitz einen vollwertigen Sitz herbeischwindeln? Meine hochverehrten Leser sollen sich beim Betrachten dieses eindrucksvollen Porträts selbst ihre Gedanken zu dieser Frage machen:
Werner mit Mütze an der Bayreuther Hütte
Ohne Störungen fahren wir auf der Autobahn München–Salzburg bis zur Inntalautobahn. Dort geht es rechts ab, über die Grenze nach Österreich, vorbei an Kufstein und die wenigen Kilometer bis zur Ausfahrt Kramsach. Obwohl ich Werner rechtzeitig darauf hinweise, dass er am Kreisverkehr in Kramsach die erste Straße rechts ausfahren und dann links abbiegen muss, ignoriert er am Kreisverkehr meine Worte und wir müssen ungewollt eine Runde drehen. Doch nach ein paar Minuten stehen wir auf dem großen Parkplatz vor dem Roßkogel–Sessellift.

Die Bergfahrt für die Teilsektionen 1 und 2 (in der Teilsektion 2 geht es halt noch einmal weiter hinauf, dazu muss man in der Mittelstation umsteigen) kostet für einen Normalbürger, wie ich es einer bin, EUR 12,00. Unser lieber Andreas reicht das Geld in das Kassenhäuschen und fragt, ob der Preis für Rentner ermäßigt sei. Der nette Tiroler, der gerade im Begriff ist, unter telefonischer Anleitung eine Störung des Kassencomputers zu beheben, fragt nur kurz: «Jahrgang»? Andreas antwortet wahrheitsgemäß: «1931» und erhält sein gesamtes Geld zurück. Also, alle über 80–Jährige: Auf zum Roßkogel–Sessellift.

Auch von Andreas füge ich hier ein bei der Bayreuther Hütte aufgenommenes Bild ein, denn sonst pappen alle Bilder am Schluss des Berichts:
Andreas an der Bayreuther Hütte
Eberhard hat ein bißchen Bammel vor dem Liftfahren, denn er ist nicht schwindelfrei und hat wenig Erfahrung mit einem Sessellift. Auf meine als psychologische Hilfe gedachte Zusicherung, der Sessel schwebe nie mehr als 200 Meter über dem Erdboden, scheint er sich beruhigt zu haben oder er ist ruhig gestellt, so genau kann ich die Wirkung meiner Worte nicht einschätzen. Wir lassen ihn als Vorletzten einsteigen, damit er sich von den anderen abschauen kann, wie alles funktioniert. Sein Einstieg erfolgt dann auch reibungslos. Wir kennen Eberhard ja: Er macht immer mehr Aufhebens, als es die Sache eigentlich wert ist.

Eberhard hat sich wieder beruhigt und genießt die Bergfahrt mit dem Roßkogel–Sessellift:
Roß:kogellift: Eberhard sitzt vor mir
An der Mittelstation steigen wir aus und fahren dann mit dem Lift die Teilsektion 2 weiter hinauf. Oben angekommen, müssen wir über die Terrasse des bei der Bergstation befindlichen Restaurants gehen. Dort hat es sich eine ausschließlich aus Männern bestehende Gruppe durstiger Bergfreunde gemütlich gemacht. In bereits deutlich angeheiterter Stimmung genießt m(M)an(n) in der warmen Morgensonne einen Frühtrunk, vor allem Weißbier. Da ich den Durst meiner Kameraden kenne, bitte ich sie, beim Überschreiten der Terrasse nicht nach rechts zu blicken, denn ich hege die Befürchtung, die Bergtour könne schon hier an ihrem Anfang enden. Meine Bitte bewirkt leider gerade das Gegenteil, denn jeder dreht seinen Hals nach rechts und ich vernehme auch Bemerkungen wie etwa: «So a Weißbier kannt i jetzt a vadrong». Da ich


ignoriere ich diese leichten Unmutsäußerungen und gehe unbeirrt weiter.

Wenige Meter nach besagter Terrasse gabelt sich der Weg zum Ziereinersee. Da ich diese Tour in einer etwas anderen Variante vor ungefähr 15 Jahren schon einmal gegangen bin und ich gestern die (selbstverständlich über 15 Jahre alte) Wanderkarte studiert habe, weiß ich zwar, dass beide Wege zum Ziereinersee führen, aber nicht, welcher Weg der für uns bessere ist und wähle aus dem Bauchgefühl heraus den linken. Nach nicht ganz fünf Minuten sehe ich, dass der Weg nach unten über einen schattigen Grashang führt und ich schlage vor, umzukehren, was wir auch tun. Keiner von uns hat Lust, in dem nassen Gras auszurutschen. Ausserdem müssten wir auf der anderen Seite des grabenartigen Einschnitts die verlorene Höhe wieder gutmachen, also hinauf steigen. Hinter mir vernehme ich die ersten Bemerkungen hinsichtlich meiner ungenügenden Eignung als Bergführer.

An der Umkehrstelle mache ich noch schnell ein Foto. Etwas links der Bildmitte ist ganz schwach die Bayreuther Hütte zu erkennen. Hinter der Hütte geht es hinunter nach Münster im Inntal. Von dessen Südseite steigen die Tuxer Alpen auf. Links hinter den Tuxer Alpen sind im Dunst die Zillertaler Alpen und nochmals dahinter, also am Bildhorizont, der Zillertaler Hauptkamm zu sehen:
der Weg wird nass, wir kehren um
Bei der vorher beschriebenen Weggabelung nehmen wir nun den rechts abgehenden Weg. Dieser zieht sich nicht
allzu steil in Serpentinen hinauf zu der Scharte südlich unterhalb des Roßkogels. Beim Bergangehen bleibe ich immer wieder stehen und genieße den wunderbaren Ausblick: Zahmer Kaiser, Wilder Kaiser, Loferer Steinberge, ganz weit im Osten das Steinerne Meer, die Wildschönau und die Kitzbühler Alpen, das Zillertal und ganz im Süden die Kette der Zillertaler Alpen, einfach schön ist das. Andreas scheint heute nicht seinen besten Tag zu haben, denn er kämpft sich mit seinen beinahe 81 Jahren die Serpentinen hinauf. An der Roßkogelscharte angekommen warte ich und richte meinen Fotoapparat her. Da kommen sie auch schon «heraufgestürmt». Leider habe ich mir die Gehzeit von der Bergstation des Roßkogel–Sessellifts (auch: Sonnwendjochbahn) bis hierher nicht notiert, es dürften – die Zeit für den «Versteiger» gleich am Anfang der Tour weggerechnet – etwas über 30 Minuten gewesen sein.

Lothar und dahinter Eberhard mit gesenktem Haupt (sehe ich da am Anfang unserer Tour bei Eberhard schon eine Erschöpfung?):
Lothar und dahinter Eberhard mit gesenktem Haupt
Eberhard stellt mir um 10:34 Uhr zum ersten Mal die Frage, ob es noch weit ist bis zum Ziereinersee. Ich antworte: «Ungefähr noch fünf Minuten». Damit meine ich aber nicht die Gehzeit bis zum Ziereinersee, geschweige denn die bis zur Bayreuther Hütte, sondern nur die für das Wegstück bis zur Scharte unterhalb des Roßkogelgipfels, denn von da an geht es – jedenfalls vorläufig – wieder bergab:
Eberhard mit Augustiner–Mütze; ist er erschöpft?
Werner, unser Südtiroler Bergführer, blickt auch so komisch drein. Ist er vielleicht auf mich sauer, weil ich die Terrasse des Bergstationsrestaurants durchschritten habe ohne anzuhalten? Werner, vergib mir, wenn ich’s gewußt hätte, dass du jetzt schon mit deinen Kräften am Ende bist, wäre ich bestimmt oder wahrscheinlich oder vielleicht oder auch garnicht dort sitzen geblieben:
Werner, unser Südtiroler Bergführer
Unser Andreas kämpft sich tapfer zur Roßkogelscharte hinauf:
Andreas kämpft sich tapfer zur Roßkogelscharte hinauf
Stark herangezoomt: Ein schnee– und eisbedeckter Gipfel der Zillertaler Alpen. Ich muss noch herausfinden,
um welchen Berg es sich hierbei handelt. Wenn es jemand von meinen Lesern weiß, möchte er es mir bitte in mein Gästbebuch schreiben. Wenn mich jemand schlau macht, bedanke ich mich schon einmal recht herzlich dafür:
ein schneebedeckter Gipfel der Zillertaler
An der Roßkogelscharte angekommen, beschließen wir, den mit Antennen «geschmückten» Gipfel des Roßkogel (1940 m) auszulassen und statt dessen den direkten Weg zur Bayreuther Hütte zu nehmen. Es geht hinab zum Schauertal–Sattel (1803 m). Von dort hat man einen herrlichen Blick auf den Ziereinersee (manchmal auch als «Ziereinsee» bezeichnet).

Kurz vor dem Schauertal–Sattel sehen wir zum ersten Mal den Ziereinersee. Werner (links) und Eberhard sind bereits auf dem Weg nach unten:
erster Blick auf den Ziereinersee
Bei den Wegweisern am Schauertal–Sattel führt unser Weg hinunter zum Ziereinersee. Es ist jetzt drei Minuten vor elf Uhr, also haben wir von der Bergstation des Sessellifts bis hierher etwa eine Stunde gebraucht (einschließlich der Zeit für den zuvor beschriebenen «Versteiger»:
Wegweiser am Schauertal–Sattel
Damit ich auch einmal auf einem Foto zu sehen bin, zeige ich mal dieses Bild. Im Hintergrund der Ziereinersee und davor stehen (von links nach rechts) Eberhard, Andreas, Werner und ich (Stefan):
Eberhard, Andreas, Werner und Stefan
Das selbe noch einmal ohne mich. Jetzt steht Lothar ganz rechts:
Eberhard, Andreas, Werner und Lothar
Lothar macht die Bergwanderung überhaupt nichts aus, er ist nicht nur konditionell gut drauf und scheint sich heute von dem Blitzeinschlag, der vor wenigen Tagen sein Haus arg beschädigt hat, gut zu erholen. Im Bildhintergrund die Nordabstürze der Rofan–Spitze:
Lothar ist heute gut drauf
Die nordseitigen Abbrüche der Rofan–Spitze. Hier habe ich in meiner Jugend das Klettern gelernt. Auf diesem Weg grüße ich unseren damaligen Tourenführer Werner B. und alle anderen, die dabei waren. Leider können nicht mehr alle der damaligen Teilnehmer meine Grüße entgegennehmen. Unterhalb des Steilabbruchs der Rofanspitze beginnt der Schafsteigsattel, über den man zur Rofan–Spitze, zum Sagzahn und zum Vorderen Sonnwendjoch (2224 m) gelangt. Diese Tour ist allerdings nur etwas für Geübte:
Ostabbrüche des Rofan
Bei dieser kurzen Rast, so gegen 10:50 Uhr, werde ich von Eberhard gefragt, ob wir tatsächlich so weit hinunter zum Ziereinersee gehen müßten und ob es denn nicht oben herum einen anderen Weg zur Bayreuther Hütte gäbe. «Nein», sage ich, «es gibt nur diesen einen Weg». Eberhard befürchtet, dass wir die gesamte Höhe, die wir von der Roßkogelscharte herunter bis hierher zur Fotostelle verloren haben und noch bis zum See hinunter verlieren werden, auf der anderen Seite des Sees wieder erarbeiten müssen. Ich erkläre ihm, dass wir nur bis zu dem unteren Rand der Felsabbrüche zu gehen haben und der Weg dann nach links schwenkt. Erst viel später fällt mir beim Kartenstudium auf, dass es tatsächlich einen kürzeren Weg gegeben hätte, vor allem, wenn wir nur bis zur Mittelstation des Roßkogellifts gefahren und von dieser direkt zur Bayreuther Hütte hinüber gewandert wären. Aber die Bewältigung einer solch kurzen Strecke hätte dann die Bezeichnung «Bergwanderung» nicht verdient gehabt und wir wollten ja wandern. Eberhard scheint allerdings bei meiner Einladung zu der heutigen Tour die ganze Sache missverstanden zu haben, denn er ging davon aus, dass wir sofort nach der Ankunft an der Bergstation des Sessellifts mit dem Schafkopfen beginnen würden. Es tut mir leid, Eberhard, aber das war wieder einmal ein Missverständnis und wie schon so oft, hast du mir dabei vollkommen zu Unrecht Absicht unterstellt.

Bevor es weiter zum Ziereeinersee hinunter geht, hole ich mit dem Tele noch einmal das mächtige Felsmassiv des Guffert (2194 m) her. Vor Jahrzehnten habe ich diesen Berg mehrmals bestiegen:
das Felsmassiv des Guffert
Werner zeigt uns, wo’s weitergeht und keiner traut sich, unserem Südtiroler Bergführer zu widersprechen:
Werner zeigt uns, wo’s langgeht
Beim Blick zurück zum Ziereinersee kann man den vom Schauertal–Sattel schräg nach unten durch die Latschen verlaufenden Weg bis zum Seeufer gut erkennen:
Blick zurück zum Ziereinersee
Nach einer kurzen Rast am Ziereinersee geht es leicht bergan zum Mark–Gatterl, das wir um 11:30 Uhr erreichen. Eberhard ist nun der Erste, dahinter folgen Lothar, Werner und Andreas:
im Gänsemarsch

Im Berichtsteil 2 geht es weiter.


 

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