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Route des Grandes Alpes

Etappe 5:
Von Entrevaux nach Menton und über Nizza zurück nach Entrevaux

Verlauf dieses Routenabschnitts:

Entrevaux, Puget-Théniers, Touët-sur-Var, Le Plan-du-Var, Route de la Vésubie, Lantosque, La Bollène-Vésubie, Col de Turini, Circuit de Découverte de l'Authion, Col de Turini, Moulinet, Sospel, Col de Castillon, Menton (hier endet die »Route des Grandes Alpes«), Monaco, Èze, Nizza (Nice), Tourette-Levens, Levens, Saint-Martin-du-Var, Le Plan-du-Var, Touët-sur-Var, Puget-Théniers, Entrevaux

Samstag, 19. Juli 2014

Heute geht es zum Endpunkt der »Route des Grandes Alpes« in Menton und über Nizza zurück nach Entrevaux. Eigentlich wäre die im letzten Berichtsteil beschriebene Befahrung des Col d’Allos, daran anschließend die Weiterfahrt nach Barçelonnette und von dort bis Jausiers, ab dort die Befahrung des Col de Restefond samt Schleife um die Cime de la Bonette, die Abfahrt ins Tal der Tinée und zum Schluss die Durchfahrung der »Gorges du Cians« und die Rückkehr zu meinem Hotel in Entrevaux auf meinem Plan gewesen. Aber der gestern Abend im Fernsehen gezeigten Wetterprognose von »France-Meteo« zufolge wird es eine deutliche Wetterverschlechterung geben und deshalb möchte ich die »Route des Grandes Alpes« vorher zu Ende gebracht haben.
An der D6202 von Entrevaux nach Puget-Théniers
An der D6202 von Entrevaux nach Puget-Théniers.

Bild rechts:
Also breche ich gegen 09:50 Uhr auf und steuere den vorletzten Pass auf dieser Tour, den Col de Turini, an. Zunächst will ich aber im nächsten Ort Puget-Théniers den Tank meiner BMW auffüllen.

Obwohl ich nicht besonders schnell unterwegs bin, vernehme ich das Schlagen des Helmriemens auf den Sturzhelm, weil ich vergessen habe, den Helmriemen zu spannen und ihn in das Gurtschloss einzuhängen. Also fahre ich um 10:06 Uhr an der D6202 rechts ran und erledige das. Es ist zwar nicht weit von Entrevaux bis zur Tankstelle in Puget-Théniers, aber Sicherheit geht vor.

Detailkarte: Von Entrevaux bis ins Tal der Vésubie
Detailkarte: Von Entrevaux bis ins Tal der Vésubie.

Auf der obigen Karte ist die heutige Hinfahrtstrecke, also die Route bis Menton am Mittelmeer, mit roter Farbe markiert. Die Rückfahrtsstrecke ist blau eingezeichnet. An der Tanke in Puget-Théniers mache ich die folgenden Notizen: »10:12 ‍Uhr; 10,17‍ Liter; EUR‍ 16,98; Trip‍ 1: 222,3 km; Trip‍ 2: 1.308,2 km«. Hier im Tal des Var gibt es keinen nennenswerten Verkehr und ich komme flott voran, doch das ändert sich im wilden Vésubie-Tal. Ganz Nizza samt Umgebung scheint bei angenehmen 24,5° C einen Ausflug in diese Gegend zu machen und die Bewohner des Hinterlands drängt es wohl ans Meer, so dass wegen des ständigen Verkehrs aus der Gegenrichtung nur selten ein Überholen möglich ist.
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Im Vésubie-Tal: Wegweiser zum Col de Turini
Im Vésubie-Tal: Wegweiser zum Col de Turini.
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Bild links:
Doch schließlich stehe ich um 11:14 Uhr im Vésubie-Tal vor dem Wegweiser zum Col de Turini. Zunächst geht es aber hinauf nach La Bollène-Vésubie und das wie! Die Kehren sind eng, steil und äußerst schwierig zu fahren. Gott sei Dank habe ich in den Kehren keinen Gegenverkehr von oben. Im Ort geht es wegen eines Marktes nur zäh voran. Die weitere Strecke hinauf zum Col de Turini ist nichts für Leute mit Höhenangst. Neben der kaum abgesicherten Straße geht es steil und tief hinunter. Und hier wurde bei der Rallye Monte Carlo, berüchtigt wegen der »Nacht der langen Messer«, gefahren wie der Teufel hinter der armen Seele her ist. Ich habe die Fernsehbilder von dieser Rallye noch gut in Erinnerung und kann es kaum glauben, dass man hier so rasen kann.

Detailkarte: Vom Vésubie-Tal über den Col de Turini bis Dragoniéres
Detailkarte: Vom Vésubie-Tal über den Col de Turini bis Dragoniéres.

Serpentine an der Westrampe des Col de Turini
Serpentine an der Westrampe des Col de Turini.
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Bild rechts (11:34 Uhr):
Endlich komme ich bei der Auffahrt über die Westrampe des Col de Turini, welche mit Hilfe zahlreicher Stützmauern und Brücken in Viaduktform auf relativ kurzer Distanz einen Höhenunterschied von 1100 Metern überwindet, zu einem Parkplatz und kann dieses Foto von einer Serpentine mit einem weiten Kurvenradius machen. Wer genau hinsieht, kann auch mein geparktes Motorrad erkennen (das geht natürlich nur auf dem großen Bild). Soweit ich mich erinnern kann, bin ich bei der Auffahrt zu diesem Pass außer dem auf dem Foto zu sehenden Fahrzeug keinem weiteren begegnet.

Bei der Auffahrt über die Westrampe des Col de Turini
Auffahrt über die Westrampe des Col de Turini.
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Bild links (11:34 Uhr):
Bei der Auffahrt über die Westrampe des Col de Turini finde ich mit Mühe eine geeignete Stelle zum Stehenbleiben und kann ein ein Foto von der steil und kehrenreich heraufführenden D70 machen. Leider ist die Aufnahme etwas verwackelt und wegen des verwendeten starken Zooms wird der Dunsteffekt verstärkt, was zu einer weiteren Verminderung der Bildqualität führt.

Serpentine an der Westrampe des Col de Turini
Am Scheitelpunkt des Col de Turini.


Bild rechts (11:53 Uhr):
Der Col de Turini (1607m) ist geschafft. Jetzt geht es links hinauf zu dem etwa 2 km entfernten Camp d'Argent (1737m) und von dort weiter zum einer sehr interessanten einspurigen Rundstrecke, welche an zahlreichen ehemaligen Forts, Bunkern, Kasernen und Stallungen sowie an der 2026 Meter hohen Pointe des Trois Communes - von mir frei übersetzt also zu einem Punkt, an dem sich drei Gemeindegrenzen treffen - vorbeiführt. Den etwa 50 Meter höheren und angeblich sehr aussichtsreichen Gipfel gleichen Namens erwandere ich leider nicht, denn ich finde wieder einmal keinen geeigneten Parkplatz und zudem ziehen bereits seit einiger Zeit Gewitterwolken auf.

Detailkarte: Circuit de Découverte de l'Authion
Detailkarte: Circuit de Découverte de l'Authion.

Der »Circuit de Découverte de l'Authion« - nur für Geübte

An der südlichen Umfahrungshälfte des »Circuit de Découverte de l'Authion« steht an einer sehr exponierten Stelle plötzlich ein Kleinwagen vor mir. Es geht nicht voran und ich muss meine Maschine abstellen und absteigen, um nach dem Grund für das Stehenbleiben fragen zu können. Eine junge Frau sitzt am Steuer mit einem ungesicherten Kind auf dem Rücksitz des Fahrzeugs. Sie starrt vor sich hin und das Kind weint. Die Dame stottert in magerem Englisch, sie werde keinen Meter mehr weiterfahren, sie habe Angst. Ich komme mit meiner Maschine nicht an ihrem Auto vorbei, denn links geht es den Berghang hinauf und rechts tief hinunter. Was um aller Welt müssen diese Leute eine solche Strecke fahren? Am Beginn des »Circuit de Découverte de l'Authion« gibt es eine Schranke und dort ist eine nicht zu übersehende Tafel mit Warnhinweisen zu der Strecke aufgestellt. Dort könnte man noch umkehren. Auf jeden Fall erkennt die Dame die ausweglose Situation und fährt langsam bis zur nächsten breiteren Stelle, wo ich mühsam neben ihr stehen bleiben und sie dabei fragen kann, ob ich Hilfe holen soll. Sie scheint den ersten Schock überwunden zu haben und lehnt mein Angebot dankend ab. Im Rückspiegel kann ich dann sehen, wie sie weiterfährt.

»Circuit de Découverte de l'Authion«: Am Beginn der Südschleife
»Circuit de Découverte de l'Authion«: Am Beginn der Südschleife.
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Bild links (12:04 Uhr):
»Circuit de Découverte de l'Authion«: Unmittelbar nach dem Beginn der Südschleife ist das Sträßchen noch in einem guten Zustand und auch relativ breit. Doch das wird sich bald ändern.



»Circuit de Découverte de l'Authion«: Blick ins Tal
»Circuit de Découverte de l'Authion«: Blick ins Tal.
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Bild rechts (12:04 Uhr):
Bei diesem Halt während der Befahrung des »Circuit de Découverte de l'Authion« blicke ich nach Süden und versuche verzweifelt, das Mittelmeer zu sehen. Das gelingt mir natürlich nicht, denn - wie es sich später herausstellen wird - liegt zwischen diesem Standpunkt und dem Mittelmeer noch ein nicht unbeachtlicher, nördlich von Nizza gelegener Höhenzug. Bei diesem Tal dürfte es sich um den westlich von und parallel zum Tal der La Bévéra verlaufenden Einschnitt handeln. Auf jeden Fall ist die Landschaft von einzigartiger Schönheit.

»Circuit de Découverte de l'Authion«: Vor der Pointe des Trois Communes
»Circuit de Découverte de l'Authion«: Vor der Pointe des Trois Communes.
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Bild links (12:14 Uhr):
»Circuit de Découverte de l'Authion«: Hier stehe in unweit der Pointe des Trois Communes (links oberhalb der Straßengeraden). Das Sträßchen ist zwar durchgehend asphaltiert, wie DENZEL schreibt (Tour Nr. 528, Seite 577, zweiter Absatz), doch wird sich die Natur die ihr abgerungenen Flächen bald zurückerobert haben.

Auf geht's zur Südrampe des Col de Turini

Gewitterwolken ziehen auf und die Zeit drängt, also fahre ich weiter und hinunter zum Col de Turini. Von dort geht es in 25 nicht zu verachtenden Kehren hinab ins Tal der La Bévéra und auf der D2566 über Moulinet nach Sospel. Die Straße führt eigentlich in gerader, südlicher Richtung bis nach Menton am Mittelmeer und deshalb habe ich die Landkarte auch kleiner als bisher gemacht. Bei Bedarf kann das größere Bild angeklickt werden.

Detailkarte: Vom Col de Turini bis Sospel
Detailkarte: Vom Col de Turini bis Sospel.
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Detailkarte: Von Sospel bis Menton am Mittelmeer
Detailkarte: Von Sospel bis Menton am Mittelmeer.

Wegweiser kurz vor Menton: »Sospel 15«
Wegweiser kurz vor Menton: »Sospel 15«.


Bild rechts (13:28 Uhr):
Jetzt stehe ich kurz vor Menton beinahe unterhalb der Autobahnbrücke der A8/E80. Kurz zuvor bin ich über den letzten Pass auf der »Route des Grandes Alpes« gefahren, den 628 Meter hohen Col de Castillon. Von Sospel, dem letzten größeren Ort auf meiner heutigen Etappe, bis hierher waren es 15 km und Castillon liegt 10 km zurück. Es ist nicht mehr weit bis zum Endpunkt der »Route des Grandes Alpes« in Menton und ich suche nach einem Schild, welches auf das Ende der Route hinweist, doch mein Suchen bleibt vergeblich.

Kurz vor Menton: Autobahnbrücke (A8/E80)
Kurz vor Menton: Autobahnbrücke (A8/E80).
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Bild links (13:29 Uhr):
Stattdessen kann ich diese tolle Baustelle bewundern. Welch ein schreckliches Ende nach den heute und in den Tagen zuvor im Überfluss erlebten Naturschönheiten. Wenigstens kann ich den Lauten der Singzikaden lauschen, das gehört ja irgendwie zu den Mittelmeerländern.

Kurz vor Menton: Meine zuverlässige BMW R 1200 GS
Kurz vor Menton: Meine zuverlässige BMW.
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Bild rechts (13:29 Uhr):
Meine absolut zuverlässige BMW R 1200 GS hat mich sicher und ohne jegliches Murren hierher gebracht. Sie verdient es, auf einem großen Bild gezeigt zu werden. Hoffentlich hält die Zuverlässigkeit bis zuhause an. Da es von hier aus nicht mehr weit ist bis zum Endpunkt der Route notiere ich mir die folgenden Kilometerstände: »Trip‍ 1: 123,0 km (seit dem letzten Tanken in Puget-Théniers); Trip‍ 2: 1.431,2 km (seit der Abfahrt in München, wobei schon 2 bis 3 km auf dem Tacho waren)

Am Endpunkt der Route: Das »Casino Barrière de Menton«
Am Endpunkt der Route: Das »Casino Barrière de Menton«.
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Bild links (13:47 Uhr):
Die D2566 führt »schnurstracks«, wie wir in Bayern sagen, zum »Casino Barrière de Menton«. Weiter geht's nicht und die »Route des Grandes Alpes« ist hier defintiv zu Ende, wenn man nicht Nizza als Endpunkt der Route betrachtet.

In Menton: Kein Platz zum Halten an der Avenue Carnot
In Menton: Kein Parkplatz an der Avenue Carnot.

Bild rechts:
Jetzt erst wird mir langsam bewusst, dass die Tour nun zu Ende ist und ich fahre aus diesem Grund mit etwas wehmütigen Gefühlen der parallel zum Meeresstrand verlaufenden Avenue Carnot gegen Südwesten entlang und suche einen Platz zum Stehenbleiben, um ein paar Fotos zu machen. Nicht die kleinste Lücke zeigt sich und ich stelle mich, eng an die geparkten Autos gepresst, in zweiter Reihe hin, um meinen Fotoapparat aus dem Tankrucksack zu kramen. Schon wird hinter mir gehupt. Diese blöden Hupengeräusche habe ich ein paar Tage nicht gehört und es verdirbt mir etwas die Laune. So schnell wie möglich drücke ich auf den Auslöser meiner Kamera und schieße dieses Bild von der vollgeparkten Avenue Carnot.

In Menton: Promenade an der Avenue Carnot
In Menton: Promenade an der Avenue Carnot.
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Bild links:
Und noch ein Bild muss her und zwar von den Touristen (oder sind es gar Einheimische?), wie sie an den am breiten, längs der Avenue Carnot verlaufenden Promenadenweg platzierten Tischen sitzen und den herrlichen Ausblick aufs Meer genießen können. Bei der schon beinahe sommerlichen Hitze bin ich froh, heute in der Früh nicht meine Motorradhose angezogen zu haben und nur mit einer Jeans bekleidet unterwegs zu sein.

Auf der »Moyenne Corniche« von Menton nach Nizza

DENZEL empfiehlt (Tour Nr. 534, Seite 582) die auf mittlerer Höhe verlaufende, von Menton nach Nizza führende Straße, die »Moyenne Corniche«. Die »Basse Corniche«, also die untere Küstenstraße, verläuft etwa in Meereshöhe und dort hat man keine Aussicht, während die »Grande Corniche«, die oberste der drei Straßen, häufig durch Wolken verschleierte Zonen führt. Gut, dass ich mir bereits zuhause die »Moyenne Corniche« mit »BaseCamp« als Route ausgearbeitet und in mein Navi übertragen habe, denn hier verzweigen in einem wahren Gewirr von Kreisverkehren Straßen in alle Richtungen und man hat bei dem dichten Verkehr keinen Raum, beiseite zu fahren, um Landkarte und Wegweiser zu studieren.

Detailkarte: Von Menton über Nizza bis Tourette-Levens
Detailkarte: Von Menton über Nizza bis Tourette-Levens.

Im Mittagsdunst: Buchten östlich von Monaco
Im Mittagsdunst: Buchten östlich von Monaco.
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Bild rechts (14:01 Uhr):
Vor mir zeigen sich im Mittagsdunst die Monaco östlich vorgelagerten Buchten mit unzähligen darin ankernden Yachten. Ab jetzt sehe ich um mich herum nur Reichtum.

Vor Monaco: Dichter, lauter und schneller Verkehr
Vor Monaco: Dichter, lauter und schneller Verkehr.
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Bild links:
Wer hier vorwärts kommen oder parken will, ist mit Motorrollern und Kleinautos gut beraten. Sie fahren wie die Verrückten, allen voran die jungen Damen!

Vor Monaco: Zwei Motoryachten liegen vor Anker
Vor Monaco: Zwei Motoryachten vor Anker.
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Bild rechts:
Hier liegen die Motoryachten meines Gärtners und meines Privatsekretärs vor Anker...

Vor Monaco: Kreuzfahrtschiff vor Anker
Vor Monaco: Kreuzfahrtschiff vor Anker.





Bild links:
...und hier ankert mein Bötchen für's Wochenende.

Die Halbinsel Monaco mit dem Palast der Grimaldis
Die Halbinsel Monaco mit dem Palast der Grimaldis.
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Bild rechts:
Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich mal schnell runterfahren zum Fürsten und ihn fragen, ob irgendwo dazwischen noch ein kleines Grundstückchen für mich übrig ist, natürlich nur zu einem Schnäppchenpreis. Aber, die Zeit drängt sehr und ich kann die Grimaldis leider nicht besuchen.

Die Halbinsel Monaco mit dem Palast der Grimaldis
Hier beginnt das Fürstentum Monaco.

Bild links (14:15 Uhr):
So begnüge ich mich mit dem Fotografieren dieses Hinweisschilds über den Beginn des Hoheitsgebiets des Fürstentums Monaco, damit ich - wenn ich einmal mehr Zeit zum Grundstückserwerb habe - nicht vergesse, wie der Name dieses schönen Fleckchens Erde lautet. Übrigens: Man beachte das Verkehrszeichen »Wohnwagenverbot«. Nicht ausprobieren, man kommt tatsächlich nicht rein. Das habe ich vor Jahren einmal versucht, um nur eine einzige Runde auf dem Formel 1-Kurs mit einem Wohnwagengespann zu drehen. Die Polizisten waren damals gnadenlos und haben mich höflich, aber bestimmt zum Umkehren »überredet«.

Weiterfahrt auf der »Moyenne Corniche« über Èze nach Nizza (Nice)

Die Fahrt von Menton auf der »Moyenne Corniche« nach Nizza ist eigentlich eine Reise für sich. Ununterbrochen gibt es lohnenswerte Ausblicke auf das Meer und die Landschaft und auch - wenn man sich dafür interessiert - auf die einzigartigen Privatbauten. Aber, wie schon so oft auf dieser Reise, rausche ich immer zu schnell an einem Motiv vorbei und daher gibt es leider keine Fotos. Vor allem ist mir Èze in bester Erinnerung, eigentlich kann es so etwas Schönes nur im Traum geben.

Nie mehr samstags nach Nizza

Warum ich ausgerechnet nach Nizza fahre, hat seinen Grund in der gespaltenen Meinung über den tatsächlichen Endpunkt der »Route des Grandes Alpes«. Damit ich behaupten kann, an beiden in Frage kommenden Endpunkten gewesen zu sein, steuere ich nicht nur den Stadtrand von Nizza an, sondern auch den Hafen Port Lympia in dieser Stadt, was zum Chaos ausartet.

In Nizza am Port Lympia: Quai Papacino
In Nizza am Quai Papacino.

Bild rechts (14:43 Uhr):
Bei einer Reise in den Süden Europas - und Südfrankreich zähle ich dazu - muss man auf ein eigenartiges Verhalten der dortigen Verkehrsteilnehmer gefasst sein und ich meinte bisher, das zu sein. Aber, trotz der mittlerweile sehr hohen Strafen bei einer Missachtung der geltenden Verkehrsregeln wird hier bei Rot über die Kreuzung gefahren, kein Tempolimit eingehalten, rechts und links überholt wo es nur gerade geht, das Vorfahrtsrecht des anderen ignoriert und dergleichen mehr. Ich bin heilfroh, am Hafen wohlbehalten angekommen zu sein, schieße - auf dem Motorrad sitzend - ein paar Fotos und sehe zu, dass ich aus diesem wilden Trubel heil herauskomme.

Nizza - Port Lympia: Blick zum Quai des Deux Emmanuels
Nizza - Port Lympia: Blick zum Quai des Deux Emmanuels.
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Bild links:
Nizza - Port Lympia: Blick auf die Häuserzeile am Quai des Deux Emmanuels an der Ostseite des Hafens.

Nizza - Port Lympia: Weiß-blaues Fährschiff
Nizza - Port Lympia: Weiß-blaues Fährschiff.



Bild rechts:
Nizza - Port Lympia: Dieses weiß-blaue Fährschiff setzt vermutlich nach Korsika über.

Nizza - Port Lympia: Weiß-gelbes Fährschiff
Nizza - Port Lympia: Weiß-gelbes Fährschiff.



Bild links:
Nizza - Port Lympia: Dieses weiß-gelbe Fährschiff mit dem Namen »MEGA EXPRESS FIVE« und dem Heimathafen »GENOVA« dürfte im Hinblick auf das am hinteren Schiffskamin aufgemalte korsische Wappen (Mohrenkopf mit krausem Haar und weißem Stirnband) mit Sicherheit die Fährverbindung vom französischen Festland zur Insel Korsika bedienen (bitte jetzt nicht sagen, das Stirnband des auf dem Bild gezeigten Mohren sei gelb, da hat man dem Maler wohl seine gestalterische Freiheit gelassen oder er hat sich wegen der Erlangung zukünftiger Aufträge an die Farben der Reederei »weiß, gelb und blau« gehalten).

Nur noch raus aus Nizza

Es ist heiß hier, verkehrsreich, laut und eng, deshalb will ich so schnell wie möglich auf der Schnellstraße N202 im Tal des Var in mein Hotel »Vauban« in Entrevaux zurückfahren. Unbedacht aktiviere ich in meinem Navi die Route nach Entrevaux und denke dabei nicht daran, dass die zuhause in München vorprogrammierte Route über das bergige Hinterland von Nizza führt. Äußerst zäh geht es voran und nur mit viel Aufmerksamkeit finde ich trotz Navi die Ausfahrt aus Nizza, denn es sind jeweils vor der nächsten Abbiegung ständige Fahrspurwechsel notwendig. Das kann man in Frankreich - ohne sich selbst in Gefahr zu bringen - nur tun, wenn man etwas schneller unterwegs ist, als die anderen Verkehrsteilnehmer. Da ich bis heute keinen Strafzettel in meinem Briefkasten vorgefunden habe, hat die französische Polizei wohl gerade Pause gemacht oder aber bei einem »unschuldigen« Ausländer - wie ich es einer bin - beide Augen zugedrückt. Meinen Irrtum mit der eigentlich nicht beabsichtigten Route bemerke ich erst, als es auf der D19 den Berg hinauf geht und ich in den Ort Saint-André-de-la-Roche einfahre. Auf der Rückfahrt nach Entrevaux im Tal des Var dürfte es logischerweise keinen Berg geben. Also bleibe ich stehen, studiere die Karte und fahre trotzdem in Richtung Tourrette-Levens weiter, da ich nun schon einmal aus Nizza heraus bin und es mir bei dem kühlenden Fahrtwind nun auch egal ist, den etwas längeren Weg zu nehmen. Landschaftlich ist es hier ohnehin schöner, als in dem arg verbauten Var-Tal, das ich von früheren Reisen her schon kenne.

Detailkarte: Von Tourette-Levens bis Plan-du-Var
Detailkarte: Von Tourette-Levens bis Plan-du-Var.
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Abenteuerliche Abfahrt nach Saint-Martin-du-Var

In Tourrette-Levens ginge es über Aspremont hinunter ins Tal des Var, aber die Straße ist wegen Bauarbeiten gesperrt. Kurz vor Levens sehe ich dann ein Schild mit der Aufschrift »St-Martin-du-Var« und ich wähle diese Straße, was wiederum ein Fehler ist, denn es geht zunächst südwestwärts, also zurück. An ein Wendemanöver ist auf der steilen, engen Straße nicht zu denken. Nachträglich betrachtet wäre es kürzer gewesen, über Levens ins Vésubie-Tal zu fahren, wo ich heute in der Früh meine Anfahrt zum Col de Turini gemacht habe. Auf jeden Fall meistere ich die mit unzähligen engen Serpentinen gespickte Abfahrt auf der »Route de Levens« und komme wohlbehalten in Saint-Martin-du-Var an. Ab dort geht es auf der N202 zügig voran in Richtung Entrevaux.

Aber vorher fülle ich noch um 16:50 Uhr an der gleichen Tankstelle wie heute Morgen in Puget-Théniers den Tank meiner BMW auf und notiere: »Trip 1: 224,8 km; Trip 2: 1.533,0 km; Liter: 11,89; EUR: 21,46«. Den Verlockungen
der Gefriertruhe kann ich ebensowenig widerstehen wie denjenigen des Getränkeschranks, weswegen die Tankstelle in ihrem Bestand ein Mangum-Eis und einen Eistee weniger hat.

Das Wetter wird schlecht

Die gut sieben Kilometer bis Entrevaux sind schnell zurückgelegt. Es folgt das Übliche: Tankrucksack abnehmen, Koffer ausräumen, alles auf's Zimmer tragen, duschen, frische Kleidung anziehen, die getragene Wäsche waschen und in der Duschkabine zum Trocknen aufhängen. Danach geht es hinunter ins Restaurant des Hotels »Vauban«, wo ich höflich gefragt werde, ob ich gegen Meeresgetier etwas einzuwenden hätte, denn das sei Bestandteil des heutigen Menüs. »Nein, das habe ich nicht«, sage ich und der wundervolle Tag findet in kulinarischer Hinsicht einen ebensolchen Ausklang. Der im TV gezeigte Wetterbericht bestätigt leider die gestrige Prognose. Morgen wird eine Front durch Südfrankreich ziehen. Damit ist der Col de Restefond, wie weiter oben schon geschrieben, auf dieser Tour endgültig gestorben. Nach dem Abendessen sitze ich auf der Terrasse der zum Hotel gehörenden Bar und mache beim Genuss eines guten Getränks meine Reisenotizen. Starker Wind kommt auf und trotz der Dunkelheit sind am Himmel aufziehende, düstere Wolken zu sehen. Ich bin müde und gehe zu Bett. Gute Nacht!

Für die zwei Übernachtungen im »Hôtel Le Vauban« bezahle ich ~173 EUR (einschließlich Frühstück und Halbpension).
Internet: »www.hotel-le-vauban-04.com/«.

Etappe 5: Distanzen, Benzinverbrauch, Zeiten
Distanzenkm
Entrevaux bis Menton (Casino Barrière):~138 km
Menton (Casino) über Nizza bis Entrevaux:~104 km
Distanz (Etappen 1 mit 4):1.297,8 km
Distanz (Etappe 5):242,6 km
Distanz (alle bisherigen Etappen):1.540,4 km
TankenLiter
Fahrstrecke: Forville bis Puget-Théniers: 222,3 km 
Tanken in Puget-Théniers (19.07.2014, morgens)10,2 Liter
Fahrstrecke: Puget-Théniers bis Puget-Théniers: 224,8, km 
Tanken in Puget-Théniers (19.07.2014, abends)11,9 Liter
ZeitenZeit
Abfahrtszeit:09:50 Uhr
Ankunftszeit:17:10 Uhr
Gesamtzeit (diese Etappe):7 Std. 20 Min.


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