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Route des Grandes Alpes

Etappe 6:
Von Entrevaux nach Vallon Pont d'Arc

Verlauf dieses Routenabschnitts:

Entrevaux, Les Scafarets, Col de Toutes Aures, Vergons, Saint-Julien-du-Verdon, Lac de Castillon (Ostufer), Demandoix, Lac de Chaudanne (Ostufer), Castellane, Pont de Soleils, Trigance (wird südöstlich passiert), Jabron, Comps-sur-Artuby, Le Petit Saint-Maymes, Balcons de la Mescia, Panoramastraße »Corniche Sublime« am »Grand Cañon du Verdon«, Pont de l’Artuby, Cirque de Vaumale, Col d’Illoire, Aiguines, Lac-de-Sainte-Croix, Chauvin-Ferme, Moustiers-Sainte-Marie, Puimoisson, La Bégude Blanche, Brass-d’Asse, Saint-Julien-d'Asse, Les Buissonades, Oraison, Les Mées, Mallefougasse-Augès, Saint-Étienne-les-Orgues, Ongles (wird südlich passiert), Banon, Revest-du-Bion, Saint-Trinit, Sault, »Gorges de la Nesque«, Villes-sur-Auzon, Mormoiron, Caromb, Malaucène, Carpentras, Avignon, Sorgues, Orange, Pont-Saint-Esprit, Lapalud, Pierrelatte (wird südlich passiert), Bourg-Saint-Andéol, Saint-Martin-Ardèche, »Gorges de l'Ardèche«, Vallon Pont d'Arc, Salavas

Sonntag, 20. Juli 2014

Wie vom Wetterbericht vorausgesagt, ist das Wetter schlecht. In der Nacht hat es etwas geregnet, jetzt ist der Himmel nur grau überzogen, aber es regnet nicht, doch es weht ein unangenehmer, starker Wind. Ich werde mir beim Frühstücken Zeit lassen, vielleicht wird sich das Wetter zum Besseren wenden.

Wieder einmal habe ich wegen des viel zu kleinen Spiegels Probleme beim Einsetzen der Kontaktlinsen. Irgendwann ist die Linse dann drin und wegen eines verspürbaren, leicht unangenehmen Gefühls meine ich, sie falsch herum - die Innenseite nach außen - eingesetzt zu haben. Da ich schon so lange gebraucht habe, um sie einzusetzen, belasse ich sie, denn in die Ferne sehen kann ich ohnehin recht gut und die Landkarte werde ich wegen meines Navis hoffentlich nicht viel studieren zu müssen.

Keine Folgerouten mehr im Navi

Beim Einräumen der Motorradkoffer beginnt es leicht zu regnen, aber für die Regenkleidung ist es mir zu wenig nass. Ich verabschiede mich noch beim freundlichen Personal des »hôtel Vauban« in Entrevaux, nehme auf meiner Maschine Platz, starte den Motor und will den nächsten Routenabschnitt in meinem Navi aktivieren. Doch ich finde keine Folgeroute mehr, weder im Arbeitsspeicher noch auf der eingesteckten Speicherkarte. Die Wegpunkte sind aber noch vorhanden. Entweder habe ich zuhause beim Einspeichern der Routen in das Navi diese Routen vergessen oder ich habe sie irgendwann versehentlich gelöscht. Ich stoße gewaltige Flüche aus, doch das hilft auch nichts. Wenigstens sind die Wegpunkte aus den Routen noch im Navi gespeichert und so muss ich mich halt von Wegpunkt zu Wegpunkt vorwärtsarbeiten. Na, das wird lustig. Aber so schlimm wird es nicht, weil ich wegen der sehr genauen Ausarbeitung der Routen den Verlauf so ziemlich im Gedächtnis habe.

So fahre ich gegen 10:45 Uhr in Richtung des nächsten Passes, dem 1120 Meter hohen Col de Toutes Aures, los. Dieser Pass ist ein niedriger und flacher Übergang zwischen Var- und Verdontal und somit ein südlicher Parallelpass des Col de la Colle St. Michel. Er ist der höchste Punkt der Winterroute zwischen Gap und Nizza (Quelle: www.quaeldich.de). Der Weiler Les Scafarets wird bald passiert und knappe 10 Minuten nach meiner Abfahrt in Entrevaux passiere ich den Scheitelpunkt des Col de Toutes Aures und sogleich beginnt die Straße zum Lac de Castillon abzufallen. Inzwischen hat es auch aufgehört zu regnen.

Detailkarte: Von Entrevaux bis Saint-Julien-du-Verdon
Detailkarte: Von Entrevaux bis Saint-Julien-du-Verdon.

Der Lac de Castillon
Der»Lac de Castillon.
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Bild rechts (11:00 Uhr):
Kurz vor Saint-Julien-du-Verdon erblicke ich den Lac de Castillon und fahre auf der N202 links ran, um ein Foto zu machen. In wenigen Minuten werde ich auf der auf dem Bild zu sehenden Straße oberhalb des Steilufers an der Ostseite dieses Stausees unterwegs sein.

Auf der nächsten Detailkarte unten rechts ist die Strecke von Saint-Julien-du-Verdon bis Castellane eingezeichnet. Die Karte steht auch im Format 687x722 Pixel zur Verfügung (bitte auf den Link »BILD GROß...« klicken).
Detailkarte: Von Saint-Julien-du-Verdon bis Castellane«
Von Saint-Julien-du-Verdon bis Castellane.
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Von Entrevaux bis hierher konnte ich sehr zügig fahren, aber jetzt wird die N202 in Saint-Julien-du-Verdon verlassen und ich fahre auf der D955 in Richtung Demandoix zum Lac de Chaudanne. Zunächst geht es in einigen Serpentinen den Berg hinauf und ich bin nicht eben langsam unterwegs, als von hinten lautes Motorengeräusch ertönt und ich von einer Horde wild gewordener Finnen - größtenteils mit Sozia - überholt werde. Kurz vor Demandoix geht es unvermittelt zum Lac de Chaudanne hinunter und ich vernehme das Geräusch quietschender Gummis, weil wohl einer nach dem anderen die Abzweigung übersieht. Ein paar Sekunden später komme ich ebenfalls zu dieser Abzweigung und kann die frischen Bremsspuren auf dem Asphalt sehen. Wie viele Reifensätze haben die sehr flott fahrenden Finnen wohl bis hierher gebraucht?

Blick auf den Lac de Chaudanne
Blick auf den Lac de Chaudanne.
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Bild links (11:15 Uhr):
Hier ist der Lac de Chaudanne zu sehen. Von der D955 geht es auf einem engen, serpentinenreichen Sträßchen in wohltuender Natur hinunter zum Stausee. Da kann und möchte ich auch nicht rasen. Am südwestlichen Zipfel des Sees ist die »Barrage de Chaudanne« (Staudamm, Staumauer) auf dem Bild gerade noch so zu erkennen.
Abfahrt von Demandoix zum Lac de Chaudanne
Abfahrt zum Lac de Chaudanne.
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Bild rechts (11:22 Uhr):
Bei der Abfahrt von Demandoix zum Lac de Chaudanne genieße ich die wohltuende Natur. Die rasenden Finnen haben mich vor wenigen Minuten überholt und jetzt ist es nur noch ruhig.

An der »Barrage de Chaudanne«
An der »Barrage de Chaudanne«.




Bild links (11:29 Uhr):
Nicht gerade eine Naturschönheit, die »Barrage de Chaudanne«, aber in Südfrankreich muss für den hohen Bedarf im Sommer Wasser gespeichert werden, wo es nur geht.

Detailkarte: Von Castellane bis Puimoisson
Von Castellane bis Puimoisson.

Ein kleiner Verfahrer in Castellane

An der »Barrage de Chaudanne« wird schnell ein Foto gemacht und dann bin ich nach ein paar Kurven auf der N85 im touristisch-lebhaften Castellane. Wie des Öfteren an kleinen Kreisverkehren schon passiert, kommt mein Navi in der 3D-Anzeige nicht mit dem Drehen mit und ich erwische wieder einmal die falsche Ausfahrt aus dem Kreisverkehr oder ich habe einfach nur falsch gezählt. Auf jeden Fall bemerke ich, dass ich den Col de Cheiron ansteuere und nach diesem Pass befindet sich der Südwestzipfel des Lac de Castillon. Nachdem ich wenige Minuten nach 11 Uhr an dessen Ostufer entlang gefahren bin und ich nicht vorhabe, den See zu umrunden, wende ich bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit und nehme an besagtem Kreisverkehr in Castellane die richtige Ausfahrt auf die »Route de Draguignan« (D952) im Tal des Le Verdon. Auf dieser Straße herrscht sehr dichter Ausflugsverkehr und ich habe meinen Spaß beim Überholen, denn mit dem leistungs- und drehmomentstarken Motor meiner BMW muss ich meistens nicht herunterschalten, sondern nur etwas am Gasgriff drehen und schon ist der Überholvorgang beendet. Ich muss nur aufpassen, an der Pont de Soleils auf die Ostseite des Le Verdon zu wechseln, denn dort geht es auf der D955 in Richtung Trigance weiter. Das schaffe ich und es geht an Soleils vorbei nach Trigance. Ab Trigance wollte ich eigentlich eine Abkürzung über den La Colle de Breis nehmen und von dort nach Cournelle an der D71 fahren. Nachdem ich aber jetzt nicht nach einer in das Navi eingespeicherten Route unterwegs bin, sondern nur den Wegpunkt an der Pont de l’Artuby als nächstes Ziel eingegeben habe, weiß mein Navi nichts von der beabsichtigten Abkürzung und führt mich über Jabron nach Comps-sur-Artuby. Dort kann ich in einer extremen Spitzkehre nur mit Mühe und vollster Konzentration von der bisher befahrenen D955 auf die D71 abbiegen. Bei Gegenverkehr wäre ich auf der D955 ein Stück geradeaus gefahren und hätte gewendet, dann wäre das Abbiegen auf die D71 in einem stumpfen Winkel ein Leichtes gewesen.
Noch 5,4 km bis zur Pont de l’Artuby
Noch 5,4 km bis zur»Pont de l’Artuby.
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Bild rechts (12:23 Uhr):
Comps-sur-Artuby mit der berüchtigten Spitzkehre und die Streusiedlung La Cournelle liegen hinter mir und ich mache - an der D71 stehend - bei Le Petit Saint-Maymes dieses Foto. Ich kann micht nicht erinnern, dass außer mir hier noch jemand gefahren ist. All die anderen Touristen wählen wohl die rechtsseitige Panoramastraße am »Grand Cañon du Verdon«. Beinahe exakt an meinem Standpunkt verläuft die Grenze zwischen den »départements Var« und »Alpes de Haute-Provence«. Die Berge im Bildhintergrund befinden sich bereits jenseits des »Grand Cañon du Verdon«, also an der Westseite der Schlucht. Von hier aus sind es noch etwa 5½ km bis zum nächsten Wegpunkt an der Pont de l’Artuby. Der Wind weht hier heroben extrem stark und die düsteren Wolken am Himmel geben mir zu denken.

Nach den Balcons de la Mescia: Blick in den »Grand Cañon du Verdon«
Nach den Balcons de la Mescia: Blick in den »Grand Cañon du Verdon«.
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Bild links (12:33 Uhr):
An den Balcons de la Mescia beginnt die berühmte Panoramastraße »Corniche Sublime«. Leider gibt es dort keine Parkmöglichkeit, nicht einmal für ein Motorrad. Ein paar Meter danach kann ich stehenbleiben und einen ersten Blick in den »Grand Cañon du Verdon« werfen. Im weiteren Verlauf wird die Panoramastraße an Höhe gewinnen und die Schlucht deshalb immer tiefer erscheinen lassen.

Die Pont de l’Artuby
Die Pont de l’Artuby.
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Bild rechts (12:49 Uhr):
Mit einer Spannweite von 118 Metern führt die Pont de l’Artuby in einer Höhe von 180 Metern über den l'Artuby von einer Seite der Schlucht zur anderen. Ab jetzt gibt es sehenswerte Naturschönheiten in ununterbrochener Folge, aber, der Wind nimmt noch mehr zu und es scheint ein Gewitter aufzuziehen und ein solches ist hier oben auf dem Plateau nicht unbedingt wünschenswert.

»Grand Cañon du Verdon« in Höhe der »Étroit des Cavaliers«
»Cañon du Verdon« bei »Étroit des Cavaliers«.
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Bild links (12:53 Uhr):
Gleich nach der Pont d'Artuby biegt die D71 scharf nach rechts ab und es ist nicht weit bis zu den »tunnels de Fayet«. Bei der Fahrt ist fortwährend hohe Konzentration angesagt. Die Aussichtsstraße am »Grand Cañon du Verdon« verläuft eigentlich immer spektakulär, aber etwa in Höhe der »étroit des cavaliers« (von mir frei übersetzt etwa »Engstelle der Reiter«) ist sie hoch oben über dem Grund der Schlucht zumeist abenteuerlich in den Fels gehauen und man kommt aus dem Staunen über diese Meisterleistung der Straßenbauer nicht heraus.

Der Verdon hat sich tief in die Felsen eingegraben.
Der Verdon hat sich tief eingegraben.
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Bild rechts (12:58 Uhr):
Auf diesem Bild ist gut zu erkennen, wie tief sich der Verdon in die Felsen eingegraben hat. Gleich werde ich trotz des drohenden Unwetters eine kurze Rast einlegen. Die Raststelle ist auf dem großen Bild sichtbar (etwas links oberhalb der in der Bildmitte liegenden ockerfarbenen Felsen). Dort sehe ich die »rasenden Finnen« vom Lac de Chaudanne wieder, wie sie dem Rotwein zusprechen. Ganz schön mutig, bei dieser gefährlichen Straße, oder ist das Leichtsinn oder gar Irrsinn?

Am Col d’Illoire mit Blick auf den Lac de Sainte-Croix
Am Col d’Illoire.
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Bild links (13:20 Uhr):
Nach der kurzen Rast peile ich den Cirque de Vaumale an. Dort erreicht die »Corniche Sublime« mit 1201 Metern ihren höchsten Punkt. Dann geht es über den Col d’Illoire (1039m) hinunter nach Aiguines (823m). Der Ort liegt auf einem Hügel über dem auf dem Bild zu sehenden Lac de Sainte-Croix und hat seine Ursprünglichkeit behalten, da er von der Flutung des Stausees nicht betroffen war. Aber ich will nur weiter und mein Tagesziel erreichen. Eine Windböe wirft mich und das Motorrad beim Fotografieren beinahe um, zumal ich aus Unachtsamkeit vergessen habe, den Seitenständer auszuklappen, was ich sonst immer mache, wenn ich auf dem Sattel sitzend die Kamera bediene.

Am Col d’Illoire: Lavendelfelder und Blick auf den Mont Ventoux
Am Col d’Illoire: Lavendelfelder und Blick auf den Mont Ventoux.
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Bild rechts (13:20 Uhr):
Bei dem Fotostopp am Col d’Illoire meine ich, weit in der Ferne den Mont Ventoux (1909m) zu erkennen, über dessen karge Gipfelplattform der Col des Tempêtes (1829m) führt. Dieser Pass wäre heute eigentlich auf meinem Plan gewesen, aber bei diesem Wetter scheint das eher nichts zu werden. Trotz des miesen Wetters sind (besonders beim Klick auf »BILD GROß...«) nordwestlich des Lac de Sainte-Croix Lavendelfelder zu sehen.

Le Château de Aiguines«
Das Schloss von Aiguines.
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Bild links (13:26 Uhr):
Das Schloss von Aiguines. Aufgrund seiner exponierten Lage blieb Aiguines (823m) beim Aufstauen des Lac de Sainte-Croix verschont, im Gegensatz zu anderen Dörfern rings um den See sind die Gebäude hier »echt« und keine Nachbauten. Ein Schloss mit quadratischem Grundriss, vier Ecktürmen und bunten Dachziegeln ist quasi das Wahrzeichen des Ortes (Quelle: www.provence-info.de/doerfer/aiguines). Von Aigiunes führt die D71 in einigen Kehren hinunter an den Lac de Sainte-Croix und dort geht es auf der D957 weiter zur nordöstlichsten Bucht dieses Stausees. Hier mündet der Le Verdon und auf der von wahren Menschenmassen besuchten Brücke wird (wieder einmal) die Grenze zwischen den »départements Var« und »Alpes de Haute-Provence« überquert. Mangels Parkmöglichkeit setze ich die Fahrt ohne Anzuhalten in Richtung Moustiers-Sainte-Marie fort. Von diesem Ort aus hatte ich eigentlich vor, die großartige, 23 km lange Ring- und Panoramastraße »Route des Crêtes« zu befahren. Diese Route beginnt etwa 1 km östlich von La Palud-sur-Verdon. Sie ist wegen zahlreicher Engstellen nur im Uhrzeigersinn zu befahren. Auf der Anfahrt nach La Palud-sur-Verdon wären der Col de l’Olivier (711 m) und der Col d’Ayens (1032 m) zu überqueren gewesen. Dieser Abstecher mit einer Länge von knapp 62 Kilometern muss jedoch dem aufziehenden Schlechtwetter zum Opfer fallen.
Blick von Aiguines auf den Lac de Sainte-Croix
Der Lac de Sainte-Croix.
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Bild rechts (13:26 Uhr):
Blick von Aiguines auf das Südwestende des Lac de Sainte-Croix. Bei besserem Wetter wäre ich in Moustiers-Sainte-Marie von der D952 abgebogen und an der über dem Nordwestufer des Stausees verlaufenden Straße nach Sainte-Croix-de-Verdon und von dort auf der D11 nach Riez und von diesem Ort auf der D11 nach Puimoisson gefahren.

Detailkarte: Von Puimoisson bis Les Mées
Von Puimoisson bis Les Mées.
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Bei Puimoisson: Lavendelfeld
Bei Puimoisson: Lavendelfeld.
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Bild rechts (13:51 Uhr):
In der Gegend von Puimoisson fahre ich eine Weile einem mit frisch geerntetem Lavendel beladenen Traktorgespann hinterher und genieße dabei den betörenden Duft. Doch bei der Durchschnittsgeschwindigkeit des Traktors würde ich mein gesetztes Tagesziel nie erreichen und so wird kurz einmal am rechten Lenkergriff gedreht. Im Ort Puimoisson biege ich rechts auf die D953 ab, die ich in La Bégude Blanche wieder verlasse und auf der D907 in Richtung Oraison über Brass-d’Asse und Saint-Julien-d'Asse weiterfahre. Die D907 ist in einem beklagenswerten Zustand, aber es herrscht kaum Verkehr und ich kann den Schlaglöchern ohne Gefahr ausweichen. Vor Oraison, im Tal der Durance, biege ich auf die D4 ab und fahre nach Les Mées. Dort geht es über die Durance und die A51 und drüben auf der D101 weiter.

Detailkarte: >Von Les Mées bis Revest-du-Bion
Von Les Mées bis Revest-du-Bion.

Hinweisschild: Route wegen der Tour de France 2014 gesperrt
Sperrung wegen der Tour de France 2014.
Bild links:
Nach Les Mées nehme ich zunächst die D101 und fahre dann zur D951. Um 14:59 Uhr bleibe ich an diesem Hinweisschild stehen. Die Route ist wegen der heute hier vorbeiführenden 15. Etappe der Tour de France 2014 gesperrt. Das habe ich bei meinen Planungen der Reiseroute übersehen und bin nun etwas überrascht. Aber, welch ein Glück, dass ich gerade eine Minute vor dem Ende der Sperrung hier an diesem Teil der Etappe beim Ort Mallefougasse-Augès ankomme. Bis Banon werde ich jetzt auf der D951/D950 auf einem Teilstück der 15. Etappe südlich der »Montagne de Lure« fahren. Überall steht noch Polizei herum und die Verantwortlichen sind emsig mit dem Beiseiteräumen der Absperrungen beschäftigt. Wer mehr zur 15. Etappe der Tour de France 2014 lesen will, bitte schön: www.letour.fr/le-tour/2014/de/etappe-15.html

Das Ortsschild von Mallefougasse-Augès
Ortsschild von Mallefougasse-Augès.



Bild rechts:
Dieses Foto des Ortsschilds von Mallefougasse-Augès wurde exakt um 15:00 Uhr gemacht, also ist die Straße jetzt nicht mehr gesperrt und ich darf weiterfahren.

Lavendelfeld südlich der »Montagne de Lure«
Lavendelfeld südlich der »Montagne de Lure«.



Bild links :
Auch hier in der Gegend südlich der »Montagne de Lure« gibt es unzählige Lavendelfelder. Der provenzalische Ort Sault, den ich bald erreichen werde, gilt als die Hauptstadt des Lavendels (Quelle: www.ventoux-decouvertes.com/Die-Lavendel-strasse.html). Allerdings blüht der Lavendel hier nicht so kräftig wie drüben auf den Feldern des »Plateau de Valensole« (Bild etwas weiter oben).

Am Ortsaugang von Revest-du-Bion: dunkle Regenwolken
Bei Revest-du-Bion: dunkle Regenwolken.
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Bild rechts (15:45 Uhr):
Vier Minuten nach der Aufnahme des letzten Bildes mit dem Lavendelfeld stehe ich am Ortsaugang von Revest-du-Bion und steuere auf der D950 als nächste Orte Saint-Trinit und Sault an. Am Ortsausgangsschild von Revest-du-Bion bleibe ich noch einmal stehen, um ein Foto von den dunklen Wolken zu machen, hinter denen sich der Mont Ventoux verbirgt. Über diesen Berg wollte ich eigentlich fahren, doch aus sicher verständlichen Gründen wird aus meinem Vorhaben nichts. Stattdessen werde ich an einer geeigneten Stelle anhalten und mir die Regensachen überziehen.

Bei Saint-Trinit: Ich ziehe die Regensachen an.
Bei Saint-Trinit: Ich ziehe die Regensachen an.
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Bild links (15:55 Uhr):
Bei Saint-Trinit fahre ich rechts ran und ziehe mir im Schutz der Bäume meine Regensachen an, und das keine Minute zu früh, denn gleich wird es regnen und hageln.

Detailkarte: Von Revest-du-Bion bis Villes-sur-Auzon
Von Revest-du-Bion bis Villes-sur-Auzon.

Bei Saint-Trinit: Ich ziehe die Regensachen an.
Vor Saint-Trinit: Ich ziehe die Regensachen an.
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Bild rechts (15:55 Uhr):
Auf halbem Weg zwischen Revest-du-Bion und Saint-Trinit fahre ich rechts ran und ziehe mir meine Regensachen an. Gleich wird es gießen wie aus Kübeln und hageln, dass ich es durch die Handschuhe spüre. Mich plagt noch eine andere Sorge: Seit geraumer Zeit leuchtet die Tank-Warnanzeige auf, ich muss mich nach einer Tankstelle umsehen. Etwa 100 Meter nach dieser Umkleidestelle werde ich die Grenze zwischen den »départements Alpes de Haute-Provence« und »Vaucluse« überqueren.

Nach Saint-Trinit geht es dann los. Gewaltige Windböen werfen mich beinahe von der Straße. Schlagartig setzen extrem starker Regen und danach Hagel ein. Ich fahre nur sehr langsam mit dem ersten oder dem zweiten Gang und bin ständig mit dem Wischen des Visiers und dem Ausweichen von auf der Fahrbahn liegenden Zweigen und Ästen beschäftigt. Mit dem Aufsuchen einer Tankstelle in Sault will ich mich jetzt nicht aufhalten, sondern besseres Wetter abwarten, welches ich unten im Tal nach der »Gorges de la Nesque« anzutreffen erhoffe. Ich fahre weiter auf der D942 bis zur Gabelung an der D1 (Route de la Gabelle), halte mich dort links, bleibe also auf der D942 und fahre - noch immer sehr langsam wegen des starken Windes und des Regens - in den oberen Teil der »Gorges de la Nesque« ein.

Tunnel in der »Gorges de la Nesque«
Tunnel in der »Gorges de la Nesque«.
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Bild links (16:23 Uhr):
Der Starkregen lässt etwas nach und ich kann ein paar Fotos machen. Die sonst so wunderschöne »Gorges de la Nesque« zeigt mir heute ihr hässliches Gesicht. Die Wolken hängen tief in die Schlucht hinein und auf der Straße liegen größere und kleinere scharfkantige, vom starken Regen in großen Mengen von den Steilflanken der Schlucht heruntergespülte Steine.

Die »Gorges de la Nesque« ist bei diesem Wetter nicht besonders einladend.
In der »Gorges de la Nesque«.


Bild rechts:
Die »Gorges de la Nesque« ist bei diesem Wetter nicht besonders einladend.

»Gorges de la Nesque«: Tief hängende Wolken
»Gorges de la Nesque«: Tief hängende Wolken.
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Bild links:
Die Wolken hängen tief in die Schlucht hinein. Ich nehme an, unten in Villes-sur-Auzon ist das Wetter etwas besser und will nur noch runter. Vielleicht gibt es dort auch eine Tankstelle.
Detailkarte: Von Villes-sur-Auzon bis Sorgues
Von Villes-sur-Auzon bis Sorgues.
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Die Tankstellen-Odyssee

Jetzt wird es höchste Zeit für's Tanken. In Villes-sur-Auzon gibt es oder finde ich keine Tankstelle. Dasselbe gilt für Mormoiron und Malaucène am westlichen Fuß des Mont Ventoux. Ich überlege und entscheide, in den knapp 20 km entfernten größeren Ort Carpentras zu fahren und lasse mein Navi nach einer Tankstelle suchen. Aber dort gibt es nur noch Supermarkt-Tankstellen und die haben heute, am Sonntag, geschlossen. Einen letzten Versuch soll es hier in Carpentras noch geben und ich gerate wieder einmal bei der Ausfahrt aus einem Kreisverkehr auf die falsche Straße. Ich kehre nicht um und will bei der nächsten Straße rechts abbiegen und dann wieder rechts. Es kommt lange keine Möglichkeit zum Abbiegen und ich verfranse mich in den Vororten dieser Stadt gewaltig. Jetzt darf ich aber nicht mehr viel herumfahren, sonst droht das Schieben. Avignon ist 24 km von Carpentras entfernt und so weit muss ich es einfach noch schaffen. Da lotst mich mein Navi in einem Vorort von Avignon von der D225 bei der Ab- und Zufahrt Nr. 23 auf die Autobahn A7, die ich keinesfalls befahren will, um nicht auf der Autobahn mangels Benzin stehenbleiben zu müssen. Ich bemerke zu spät, dass es auf die Autobahn geht und muss rechts ranfahren und das Motorrad rückwärts aus der Zahlstellenzufahrt herausschieben. Ein nicht ungefährliches Unterfangen, denn die lieben Franzosen scheinen es sehr eilig zu haben und brausen mit hohem Tempo an mir vorbei, obwohl sie nach etwa 200 Metern an der Mautstelle ohnehin halten müssen. Beim Rückwärtsschieben spüre ich, wie meine Hose nach unten rutscht, aber das ist mir jetzt auch egal. Es ist ohnehin nur die Motorradhose, die rutscht, und darüber habe ich ja die Regenhose an. Ich schwitze wie eine Sau und fluche wie ein Bierkutscher. Mein nettes Navi meint, bei Sorgues, etwa 7½ km von hier, gibt es eine ESSO-Tankstelle. Dorthin schaffe ich es und notiere folgende Daten: »18:02 Uhr; 16,8 Liter (wobei ich den Tank nie voll befüllen kann, weil die Maschine dabei auf dem Seitenständer steht); EUR 26,46; Tages-km (Trip 1): 343,8; Gesamt-km (Trip 2): 1.877«. Allzu weit hätte ich wohl nicht mehr fahren können.

Nach dem Tanken bei Sorgues: Dunkle Wolken über dem Mont Ventoux
Bei Sorgues: Dunkle Wolken über dem Mont Ventoux.
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Bild rechts (18:10 Uhr):
Nachdem der Tank wieder voll ist, wird mir auch wieder wohler und ich habe sogar noch Lust, die Kamera herauszukramen und ein Bild von den über dem Gebiet des Mont Ventoux hängenden düsteren Wolken zu machen. Wie ich später gehört habe, hat dieses Wetter auch den Fahrern der Tour de France 2014 arg zu schaffen gemacht.

Das Stadtgründungstor in Orange
Das Stadtgründungstor in Orange.




Bild links (18:30 Uhr):
Von Sorgues geht es auf der N7 weiter über das wegen seiner vorzüglichen Weine berühmte Châteauneuf-du-Pape und nach Orange, wo die Stadtoberen für mich ein Siegestor errichtet haben oder ist es einfach nur ein Monument zum Gedenken an die Stadtgründung aus Anlaß irgendeines Sieges eines relativ unbekannten römischen Herrn, namens Cäsar.

Detailkarte: Von Sorgues bis Vallon Pont d'Arc
Von Sorgues bis Vallon Pont d'Arc.
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Hilfe, ich komme nicht an mein Tagesziel

Auf der N7 geht es an dem wegen seines historischen Zentrums und seiner Festungsbauten ebenfalls berühmten Mornas vorbei bis zur Abzweigung der nach Pont-Saint-Esprit führenden N86. Auf der Brücke über den Rhône gerät der Verkehrs ins Stocken und als ich endlich im Ort bin, hat die Polizei die Zufahrt zur D6086 bzw. D86, auf welcher ich nach Saint-Martin-d'Ardèche zu reisen gedenke, abgesperrt. Ich frage den netten Polizisten höflich, ob er nicht für mich eine Ausnahme machen würde, denn mit dem Motorrad käme ich um auf der Straße liegende Äste herum, doch er lehnt mein Ansinnen mit dem Hinweis auf einen Tornado ab. Tatsächlich liegt hier wieder allerhand Zeug auf der Straße, von Sorgues bis Orange war es nicht so arg schlimm. Ich muss also wieder zurück über den Rhône, dann über Lapalud hinauf bis kurz vor Pierrelatte und hier wieder auf die Westseite des Rhône nach Bourg-Saint-Andéol. Von dort geht es über Saint-Remèze nach Vallon Pont d'Arc, wo ich auf einem Campingplatz zwei Stellplätze für unseren Sommerurlaub mit unserem Wohnwagen reservieren lassen will.

Meinen ursprünglichen Plan, von Saint-Martin-d'Ardèche über die mir von zahlreichen Urlauben in dieser Gegend gut bekannte D290 Panoramastraße oberhalb der »Gorges de l'Ardèche« nach Vallon Pont d'Arc zu fahren, hat besagter Tornado verblasen. Auf meinem Stamm-Campingplatz gibt es für ein Zelt nurmehr für morgen einen freien Platz, dann müsste ich abreisen. Ich verabrede mich an der Rezeption des CP für morgen Vormittag zur Reservierung der Stellplätze und fahre auf der D579 nach Salavas, noch ein Stück weiter auf dieser Straße bis zur Abzweigung der nach Labastide-de-Virac führenden D217 und biege bei einem kleinen Sträßchen links ab zum CP »La Goul«. Diesen ruhig gelegenen, einfachen CP habe ich bei meinen während meiner Urlaube in dieser Gegend unternommenen Radtouren schon oft gesehen. Von Sorgues bis hierher waren es 96 ‍km und mein Tacho zeigt eine Gesamtstrecke von 1.973 km an. Ich baue mein Zelt auf, springe kurz unter die Dusche und fahre zurück zum CP in Vallon Pont d'Arc, wo ich Glück habe, 15 Minuten nach 21 Uhr noch eine Pizza und einen grünen Salat zu bekommen. Gesättigt und den Durst gelöscht fahre ich wieder über Salavas zum CP »La Goul« und schlafe in meinem Zelt den Schlaf des Gerechten. Gute Nacht!


Etappe 6: Distanzen, Benzinverbrauch, Zeiten
Distanzenkm
Entrevaux bis Sorgues (Tankstelle »ESSO Special«):~336 km
Sorgues bis zum Campingplatz »La Goul« bei Salavas:~96 km
Distanz (Etappen 1 mit 5):1.540,4 km
Distanz (Etappe 6):432,9 km
Distanz (alle bisherigen Etappen):1.972,9 km
TankenLiter
Fahrstrecke: Puget-Théniers bis Sorgues (Tankstelle »ESSO Special«): 343,8 km 
Tanken in Sorgues16,8 Liter
ZeitenZeit
Abfahrtszeit:10:45 Uhr
Ankunftszeit:~20:00 Uhr
Gesamtzeit (diese Etappe):9 Std. 15 Min.


Im nächsten Berichtsteil geht es weiter.

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