Segeltörn im April 2007 – kroatische Adria

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Berichtsteil 1

Anreise und Teilstrecke von der Marina Kastela bis Sucuraj auf HVAR

Vorbemerkung
Da ich noch nicht über einen HTML–Zeichensatz für die speziellen kroatischen Schriftzeichen verfüge, sind viele Orts– und Inselnamen nicht korrekt geschrieben. Die Namen der Inseln schreibe ich immer in Großbuchstaben.
Nachtrag vom 27.08.2014:
Nachdem die speziellen Zeichen der kroatischen Schrift vom Internet Explorer früherer Versionen (vor IE 11) nicht korrekt angezeigt wurden, habe ich Ursachenforschung betrieben und dabei herausgefunden, dass ich diese Sonderzeichen nach dem Unicode–Standard in hexadezimaler Schreibweise notieren muss. Das bedeutet eine Menge Arbeit für mich und ich bin mir nicht sicher, ob ich alle älteren Berichte entsprechend abändern werde. Zunächst mache ich mich an die Abänderung des Berichts über den Segeltörn vom April / Mai 2014.

Das war der mit meiner Familie zuletzt gefahrene Segeltörn. Wir hatten zwar nur eine Woche Zeit, konnten aber dennoch eine ganze Menge an Seemeilen hinter uns bringen. Leider mussten wir oft unsere «eiserne Genua» anwerfen, denn – bis auf wenige und immer nur kurzzeitige Ausnahmen – war der Wind schwach oder er blies aus der falschen Richtung. Dafür war es für einen Apriltörn außergewöhnlich warm. Viele Kroaten, mit denen wir ins Gespräch kamen, sagten, sich nicht an einen derart warmen April erinnern zu können.


Freitag, 6. April 2007

Anreise
Von München geht es um cirka 1230 (das ist die bei der Navigation übliche und von mir in meinen Berichten gebrauchte Schreibweise für die Uhrzeit) los. Die Fahrt verläuft zumeist auf der Autobahn über Österreich nach Slowenien. In Slowenien verlassen wir bei der Ausfahrt «Postojna» die Autobahn und bezahlen Maut für die Strecke von Lubljana bis hierher in Höhe von €‍ ‍2,10. Nun folgt eine kurvenreiche, etwa 43 km lange Strecke auf der Straße Nr. 6 bis zur Grenze zwischen Slowenien und Kroatien, wo wir Euro gegen Kroatische Kuna (HRK) eintauschen. Ab der kroatischen Grenzstation beginnt die nach Rijeka führende Autobahn, von der wir aber schon nach etwa 1 km abfahren und den Grenzort «Rupa» ansteuern. Dort haben wir – wie schon so häufig –
in der Pension «Surina» Zimmer für die Übernachtung reserviert, denn wir wollen bequem anreisen und fit sein für die morgige Schiffsübernahme.

Wir bringen das für die Übernachtung Notwendige auf unsere Zimmer und gehen zum Abendessen in das von unserer Pension etwa 200 m entfernte Restaurant «Euro Grill», wo es uns bisher immer gemundet hat und man vor allen Dingen nicht so eingepfercht sitzen muss, wie in manch anderer Lokalität. Damit meiner Leserschaft das Wasser im Mund zusammenläuft, schreibe ich mal, was wir so alles verdrückt und getrunken haben (nein, das ist natürlich nicht der wahre Grund, denn man schreibt ja auch zur Festigung seiner eigenen Erinnerung):
1 Liter Rotwein, 1 Liter Mineralwasser, 1 Tomatensuppe, 1 Salat mit Schinken, 1 Salat mit Thunfisch, 1 Grillplatte für zwei Personen, 2 mal Tagliatelle, 2 mal Pfannkuchen. Bezahlt haben wir (einschließlich cirka 10% Trinkgeld) HRK‍ ‍370, das sind bei dem damaligen Kurs (€ 100 = HRK 731) etwas mehr als € 50.

Ein paar Daten von diesem Tag
km von München bis Rupa: 528
tanken (bei Tageskilometer–Zählerstand 536,7): 46,05 Liter, € 42,50
Autobahnvignette für Österreich (10 Tage): € 7,60
Tauern– und Katschbergtunnel: € 9,50
Karawankentunnel (um 1645): € 6,50
Maut vor Lubljana (um 1730): € 1,60
Maut nach Lubljana (bei Postojna): € 1,60
Kosten für die Übernachtung (4 Personen, mit Frühstück): € 68


Samstag, 7. April 2007

Um 0812 fahren wir weiter in Richtung Rijeka und bezahlen für das Autobahnteilstück von Rupa bis Rijeka HRK‍ ‍5. Nach Rijeka benutzen wir die nach Zagreb führende Autobahn und verlassen diese bei Vrbovsko. Die Maut bis dorthin beträgt HRK‍ ‍23. Von Vrbovsko geht es auf der kurvenreichen und nicht übermäßig gut ausgebauten Straße Nr. 42 cirka 25 km bis nach Otok Ostarijski, Kreis Ogulin, wo wir auf die A1 / E71 auffahren. Diese «Abkürzung» hat außer der harten Inanspruchnahme der Stoßdämpfer unseres Autos nichts gebracht, vor allem keinen Zeitvorteil. Immer der Ostseite des kroatischen Küstengebirges entlang geht es jetzt auf der Autobahn nach Süden.

schneebedeckte Berge in Kroatien



Bei der Anreise zeigten sich die Berge des kroatischen Küstengebirges noch mit Schnee bedeckt. Doch, je mehr wir uns dem Meer näherten, wurde es wärmer und wärmer.
die Alten sitzen im Fond



Anreise auf der kroatischen Autobahn:
Wenn die «Brut» am Steuer sitzt, haben die «Alten» ihren Platz im Fond zu nehmen.

Um 1208 wird die Autobahn an der Ein– / Ausfahrt Nr. 24 «Prgomet» verlassen (Stand des Tages–km–Zählers: 386) und es sind HRK‍ ‍109 zu zahlen. Die Weiterfahrt erfolgt zunächst auf einer nicht nummerierten Straße und dann auf der Straße Nr. 58 bis zur Küstenstraße (Jadranska Magistrala) bei Trogir. Von dort geht es – vorbei am Flughafen von Split – die wenigen Kilometer bis zu unserer Marina in Kastel Gomilica kurz vor Split.

Wir melden uns in der Rezeption der Marina und im Charterbüro an und gehen zunächst zum Mittagessen ins Marinarestaurant. Wer es nicht wissen will, was wir gegessen haben, soll weiter unter mit dem Lesen fortfahren! 1 Tomatensuppe, 1 Pizza, 3 Pleskavica, 2 halbe Liter Bier, 1 CocaCola und 1 Orangade. Das alles kostete uns (mit Trinkgeld) HRK 270 (€ 37).

Nach dem Mittagesssen fahren wir in den nahe gelegenen Supermarkt «GETRO» und kaufen für den Segeltörn ein (Wein, Wasser, Brot, Lebensmittel, Süßigkeiten) und sind erstaunt über das vielfältige Angebot. Der Rech–
nungsbetrag beläuft sich auf HRK 732,30, also geringfügig mehr als € 100. Wir wundern uns schon ein wenig,
wie sich die Kroaten bei den beinahe an unsere Verhältnisse angepaßten Preisen das alles leisten können.

Anmerkung
Diesen Berichtsteil verfasse ich Anfang Februar 2012. Vor wenigen Tagen haben die Kroaten für einen EU–Beitritt ihres Landes gestimmt, allerdings war die Wahlbeteiligung bei 44% sehr gering. Ob sich die Befürworter wohl bewußt sind, was alles – nicht nur in preislicher Hinsicht – auf sie zukommt?


Dann beginnen die üblichen Formalitäten (Bezahlung der Parkgebühr für das Abstellen unseres Pkw innerhalb des Marinageländes: € 40; Endreinigung der Segelyacht und «Permit»: € 135; Kautionsversicherung: € 180) und die Schiffsübernahme. Da wir das nicht das erste Mal machen und es beinahe keine zu beseitigenden Mängel am Schiff gibt, ist dieses immer unschöne Prozedere bald überstanden und wir genehmigen uns im Salon der von uns gecharterten Yacht ein lecker schmeckendes, kühles Eis. Denn es ist für diese Jahreszeit außerwöhnlich warm und wir sind beim Einchecken ordentlich ins Schwitzen gekommen.

Vor ein paar Stunden sahen wir während der Fahrt auf der kroatischen Autobahn noch schneebedeckte Berge und dachten, auf der von uns gecharterten Segelyacht die Heizung in Betrieb nehmen zu müssen und nun er–
frischen wir uns im Salon unserer Yacht schon an leckerem Eis: Eisessen im Salon unserer Yacht

Sonntag, 8. April 2007

Törnverlauf
Marina «Kastela» bei Split, Sucuraj auf HVAR, Marina «Korcula» auf KORCULA, Veli Lago auf LASTOVO, Marina «Palmizana» auf SVETI KLEMENT, Supetar auf BRAC, Marina «Kastela»

Am Morgen ist es windstill und Andreas macht noch schnell ein paar Fotos bevor wir ablegen. Auch die von uns gecharterte DUFOUR 455 Grand’Large mit dem Namen «Vahine» liegt an diesem Steg: Windstille in der Marina Kastela Gomilica
Hat sie nicht ein schönes Achterteil, unsere «Vahine»? unsere «Vahine» von achtern
Für diesen Segeltörn habe ich mit bei «YACHT–POOL» einen Wetterbericht bestellt, der per SMS täglich zwei Mal auf mein Mobiltelefon geschickt wird. Dem Bericht zufolge sind heute nicht mehr als 1 Beaufort (Bft) zu erwarten. Tatsächlich waren es am späteren Nachmittag 3 Bft.

Um 0908 legen wir ab und üben in dem relativ breiten Seitenfahrwasser unseres Marinahafens das Rückwärts–
fahren und testen dabei gleichzeitig den Radeffekt, damit wir, wenn wir einmal in einem engen Fahrwasser achteraus fahren müssen, keine Überraschungen erleben. Außerhalb des Hafens fährt dann jeder unter Motor noch ein Boje–über–Bord–Manöver: absolute Windstille im Seitenfahrwasser
Der viel zu schwache Westwind reicht nicht für’s Segeln und wir müssen den Motor für das erste Teilstück durch den «Kasteljanski Zaljev» bemühen. Aber etwas weiter voraus ist das Meer leicht gekräuselt und das läßt uns auf Wind hoffen. Am Horizont ist die Insel BRAC im Dunst zu erkennen und rechts sieht man das «Rt. Ciova»: bei Windstille fahren wir durch den «Kasteljanski Zaljev»
Blick zurück auf unseren Kurs durch den «Kasteljanski Zaljev». An der Küstenlinie liegt unsere Marina Kastela Gomilica. Dahinter sieht man die sich von Trogir bis Split erstreckende Bergkette: Blick zurück auf den «Kasteljanski Zaljev»
Leider muss unsere Genua bei dem viel zu schwachen Wind eingerollt bleiben. Dafür haben wir herrlichstes Wetter und das im April: die Genua muss leider eingerollt bleiben
Mutter, Ehefrau, Bordfrau und Skipper: Angelika und Skipper Stefan am Ruder
Nach dem Passieren des Rt. Ciova wird der «Splitski Kanal» mit Kurs S gequert. Der Wind ist flau bis mäßig und wir müssen, um sicher durch die Engstelle «Splitska Vrata» zwischen den Inseln SOLTA und BRAC hindurch zu kommen, den Motor mitschieben lassen. Draußen, vor der SW–Küste der Insel BRAC, ist es mit dem Wind etwas besser bestellt.

Weil wir denken, Zeit genug zu haben, segeln wir um 1230 in die Bucht «Lucice» hinein. Eine reizvolle Bucht mit Festmachebojen für Yachten, aber daran festmachen oder gar ankern wollen wir nicht und 15 Minuten später geht es wieder aus der Bucht heraus. Der Wind kommt querab von Steuerbord, also könnten wir einen Halb–Wind–Kurs fahren, doch der ist mit 1 – 2 Bft derart schwach, dass wir öfters mal den Motor mitschieben lassen.

Vor der Bucht «Blaca» mit ihrer darüber liegenden Einsiedelei gleichen Namens werden die Segel eingerollt und die Bucht wird unter Motor besichtigt, damit wir über die Örtlichkeit bescheid wissen, falls wir wieder einmal hierher kommen. Dann geht es aus der engen und nicht tief eingeschnittenen Bucht wieder hinaus vor die SW–Küste der Insel BRAC und wir sichten um 1250 vor der «Uvala Maslinova» die ersten Tümmler.

Vor der SW– und S–Küste von BRAC gibt es Fischzuchtanlagen. Das lockt offenbar Delphine an, denn in diesem Gebiet habe ich schon des Öfteren welche gesichtet: Delphin gesichtet Der Wind legt etwas zu und die Segel können gesetzt werden. Es tut immer gut, wenn das Dieselgeräusch ver–
schwindet und der Abgasgestank aufhört. Jetzt entfernen wir uns von der SW– und S–Küste von BRAC und segeln etwa mit Kurs 110 Grad mehr in die Mitte des «Hvarski Kanal». Es ist angenehm warm, doch der Wind dürfte sich ein bißchen anstrengen.

Wir «segeln» noch immer zwischen den Inseln HVAR und BRAC mit Kurs SE. Unsere Söhne Andreas und Thomas stehen vorne am Bug und warten sehnsüchtig entweder auf etwas mehr Wind oder auf das erneute Auftauchen von Delphinen: warten auf Wind Beim Blick achteraus kann man an den vereinzelt sichtbaren kleinen Schaumkronen die Windzunahme erkennen, immerhin hat es auf 2 – 3 Bft aufgefrischt, so dass sich endlich einmal ein richtiges Segelgefühl einstellt. Wir befinden uns noch immer zwischen den Inseln HVAR und BRAC und laufen südöstlichen Kurs. Die soeben noch sichtbare Häuseransammlung in der Bildmitte ist der Ort «Bol» auf der Insel BRAC: Blick achteraus – aufkommender Wind Andreas genießt die Nachmittagssonne beim Segeln im Kanal zwischen den Inseln HVAR und BRAC: Andreas Auch Thomas will bei diesem schwachen Wind nicht unbedingt ans Ruder: Thomas Die beste aller Ehefrauen «Angelika» auf dem Abschnitt zwischen den Inseln HVAR und BRAC. Sie stört der schwache Wind weniger (aber sie verkraftet auch Starkwind ohne zu murren). Das Wichtigste für sie ist, dass sie mit ihren Söhnen (und vielleicht auch mit mir) einen schönen Urlaub verbringen kann: Angelika Dann will ich meiner Familie die Bucht «Pokrivenik» an der N–Küste von HVAR zeigen, in der mich die Bora beim Segeltörn im Mai 2003 arg erwischt hat. Wir lagen damals an einem kurzen Kai am Ostufer der Bucht. Meine Crew wollte unbedingt grillen und ich hatte eine sichere Stelle gesucht, denn der Verursacher eines Inselfeuers gedachte ich nicht zu werden. Den Kai in dieser Bucht beziehungsweise die zum Meer hinunterführende Beton–
treppe mit einer kleinen Plattform direkt am Wasser hielt ich für eine zum Grillen geeignete Stelle. Doch mir waren die für das Aufkommen einer Bora typischen Wolken über den Küstenbergen und der rasch fallende Luftdruck nicht entgangen und ich wollte meine Crew vom Grillen abhalten, da wir in dieser Bucht bei einer Bora praktisch in der Mausefalle sitzen. Dann hat es zu regnen begonnen und aus dem Grillen wurde ohnehin nichts. Statt dessen gab es Nudel mit Pesto, also Fleischloses. Nicht jedermanns Sache, doch mehr Kocherei war nicht, denn längsseits am Kai festgemacht begann es auch schon heftig zu schaukeln. Ein Anlegemanöver mit Bugan–
ker und Achterleinen wollte ich wegen der vom Kai weg sehr schnell abnehmenden Wassertiefe und des schlecht haltenden Ankergrundes dort nicht fahren.

Das Ausbringen von Vor– und Achtersprings verbesserte die Situation auch nicht und ich wollte weg aus dieser Bucht. Keiner aus meiner Mannschaft hat mir so richtig geglaubt, als ich vor der aufkommenden Bora warnte. Zu meiner Skipperschande muss ich auch gestehen, dass ich nicht ernsthaft den Versuch unternommen habe, mich durchzusetzen. Ich dachte wohl, die sollen es einmal am eigenen Leib verspüren. Dann habe ich mich hingelegt, denn ich hatte das bestimmte Gefühl, dass es noch eine lange Nacht werden würde und ich wollte körperlich auf der Höhe sein, falls wir ablegen müssten. Vorher wurden von mir noch Nachtwachen eingeteilt, die mich wecken sollten, wenn es schlimmer werden würde. Richtig geschlafen habe ich natürlich nicht und ich fragte öfters die draußen in der Plicht sitzende Nachtwache, ob der Wind zugelegt oder abgenommen hat. Doch die Herren taten meine besorgten Fragen stets mit relativ unbekümmerter Miene ab und sagten, der Wind hätte sich gelegt.

Erst als mein in der vorderen Seitenkabine schlafender Mitsegler Eberhard wegen der Schaukelei das zweite Mal aus seiner Koje herausfiel, war es mir genug. Ich weckte den Rest der Crew und machte eine Einteilung für das nächtliche Ablegen. Ich selbst hatte mich schon am Abend auf das Manöver vorbereitet und mir alle Gefahren–
stellen und die aus der Bucht herausführenden Kurse eingeprägt und sie auch im Logbuch notiert. Zu allem Übel war die Vorspring mit einem Palstek an einem großen Poller festgemacht, denn der Festmacher war zu kurz, um ihn auf Slip zu legen. Die Wellen brandeten derart an den Kai, dass ich befürchtete, die Segelyacht wird auf den Kai gehoben. Dann klemmte sich infolge der heftigen Auf– und Abwärtsbewegungen der Yacht auch schon der erste Fender zwischen Kai und Bordwand ein, worauf der Fender platzte und der erste Relingsdraht riss. Bald danach folgten Fender und Relingsdraht Nummer zwei.

Eine Verständigung in normaler Lautstärke war wegen des pfeiffenden Windes nicht mehr möglich. Ich schrie zu meinem auf dem Kai stehenden Mitsegler Lothar, er solle es lassen zu versuchen, den Knoten des Palstek zu lösen, denn bei dieser Spannung konnte das auch nicht funktionieren und er möge sofort auf das Schiff springen. Das war leichter gesagt als getan, denn es ging ständig hoch und runter. Aber endlich konnte Lothar an Bord springen und ich drückte den Bug sofort mit dem Bugstrahlruder nach Backbord, denn bei Vorausfahrt wären uns die Reste der versunkenen Mole im Weg gewesen und der Trip hätte bereits hier geendet.

So legten wir schließlich um 0215 bei fürchterlicher Bora und quer in die Bucht hereinrollenden Wellen ab. Ich habe gerade so viel Gas angelegt, dass wir uns vorwärts bewegten. Zu schnell wollte ich nicht sein, damit die Yacht nicht von dem Wellenberg praktisch ins Wellental springt. Ständig überschwemmte grünes Wasser von vorne kommend unsere Yacht. Das war auch gut so, denn die ersten mussten bereits der Seekrankheit Tribut zollen. Ans Segelsetzen war nicht zu denken, ich konnte nicht einmal mehr einen aus meiner Crew finden, der das mich stark blendende Licht zur Beleuchtung des Vorschiffs ausschaltet. Und ans Ruder wollte erst recht keiner gehen. Nach einer Weile sahen wir die Lichter des Orts «Bol» auf der gegenüber von HVAR liegenden Insel BRAC. Dorthin steuerte ich die Yacht, denn in Ufernähe war ich einigermaßen vor der Bora geschützt. Im frühen Morgengrauen kreisten wir dann im Windschatten von BRAC vor dem Ort «Bol», begutachteten unsere Schäden und behoben diese notdürftig.

Außer den gerissenen Relingsdrähten hatten wir den Verlust von drei Fendern, eines Festmachers und einen leichten Laminatschaden an der Steuerbordseiite des Rumpfs zu beklagen. Die Schadensmeldung habe ich am frühen Vormittag an mein Charterbüro gemacht und wir sind auch direkt zu unserem Stützpunkt nach Trogir gesegelt, damit die Reparaturarbeiten vor dem Beginn der nächsten Charter erledigt werden konnten. Den Törn haben wir einen Tag eher als geplant beendet. Allen – auch mir – war das eine Lehre! Nach Tagesanbruch konnten wir sogar die Segel setzen und es ging bei Borawind, der allerdings nicht mehr so stark war wie in der Nacht, der S–Küste von BRAC und der SW–Küste von SOLTA entlang bei anspruchsvoller, aber herrlichster Segelei in Richtung Heimathafen. Jedoch hat das nicht die gesamte Crew so gesehen, denn die Seekrankheit hatte so manchen noch nicht losgelassen. Das war ein Abstecher zum Segeltörn im Mai 2003.

Am Morgen und zur Mittagszeit haben wir arg getrödelt, jetzt wird es knapp mit dem Tageslicht. Wir sind noch ein gutes Stück vom Rt. Sucuraj, das wir vor der Hafeneinfahrt noch runden müssen, entfernt. Die über 67 km lange Insel HVAR scheint kein Ende zu nehmen. Die Sonne versinkt hinter uns im Westen und es gibt traumhaft schöne Bilder einer Abendstimmung. Das Schiff ist technisch in Ordnung und wir freuen uns schon auf die Nachtfahrt, zumal wir eine solche nicht das erste Mal machen.

Sehr schöne Abendstimmung zwischen den Inseln HVAR und BRAC. Unser heutiges Tagesziel «Sucuraj» am SE–lichsten Ende der Insel HVAR werden wir bei Tageslicht nicht mehr erreichen. Aber, alle Positionslichter unserer Segelyacht funktionieren und wird freuen uns schon auf die – wenn auch nur kurze – Nachtfahrt: Abendstimmung zwischen BRAC und HVAR Der selbe Sonnenuntergang noch einmal mit Andreas’ Kamera: Sonnenuntergang fotografiert von Andreas Es ist noch nicht völlig dunkel, als wir das östlichste Ende der Insel HVAR, das «Rt. Sucuraj», runden und wenige Minuten danach in den Hafen von Sucuraj, dessen Lichter auf diesem Bild schon zu erkennen sind, einfahren: wir runden das «Rt. Sucuraj» Weil wir wegen der späten Ankunftszeit befürchten mussten, kein Abendessen mehr zu bekommen, bin ich praktisch schon während des von einem meiner Söhne gefahrenen Anlegemanövers von der Segelyacht auf den Schwimmsteg gesprungen und um das äußere und innere Hafenbecken herum auf die andere Seite des Hafens bis zu dem mir bekannten Restaurant gerannt. Der Wirt wollte tatsächlich bereits schließen, war aber gern bereit, uns aufzunehmen. Wir durften sogar aus der Speisekarte frei wählen und haben wegen unseres doch schon etwas größeren Hungers wahrlich zugeschlagen. Es gab: 1 Liter Rotwein, 1 Flasche Mineralwasser, 1 Mar–
tini, 3 x Salat, 2 x Makrele, 1 Scampi Buzzara, 1 gemischte Fleischplatte, 1 Spaghetti Bolognese, 3 x Pommes frites, 3 x Pfannkuchen (das ist nicht gelogen und wir waren nur zu viert!). Mit Trinkgeld haben wir HRK 570 (€‍ ‍78) bezahlt, also für jeden nicht einmal € 20. Das geht doch, oder? Und noch dazu hat alles ausgezeichnet geschmeckt und wir wurden sehr aufmerksam und nett bedient.

Das nächste, am folgenden Morgen aufgenommene Bild des Hafens von Sucuraj auf der Insel HVAR soll bewei–
sen, dass wir trotz Dunkelheit hierher gefunden haben. Das GPS macht die Navigation natürlich um vieles leichter, wenngleich wir immer noch auf der guten alten Seekarte mitnavigieren. Auf der linken Bildseite sieht man «unsere» an ihrer Steuerbordseite längsseits festgemachte Segelyacht. Die in einigen Hafenbeschrei–
bungen erwähnten Murings waren noch nicht vorhanden. So liege ich nicht gern in Sucuraj, denn, wenn die Bora kommt, wird es bei dem nach SE hin offenen Hafen sehr ungemütlich und ich habe deswegen den Hafen bereits einmal in den frühesten Morgenstunden verlassen müssen. Aber es gibt Strom und Wasser, ein sehr gutes Restaurant (an der E–Seite der Hafeneinfahrt), man kann in Sucuraj das gute, von «Stjepan» beziehungsweise seiner Frau selbst hergestellte Olivenöl kaufen und deshalb laufe ich diesen Hafen gern an, obwohl die Strecke nach Süden zwischen den Inseln BRAC und HVAR hindurch und dann durch den «Neretvanski Kanal» bis zum «Peljeski Kanal» um einiges länger ist, als wenn es direkt der W–Küste der Insel HVAR entlang nach S geht.

im Hafen von Sucuraj auf HVAR Hier sieht man es noch einmal und besser, wie unsere «Vahine» in Sucuraj längsseits festgemacht ist. Das Bild hat Andreas am nächsten Morgen aufgenommen: unsere «Vahine» liegt in Sucuraj längsseits am Steg
Konoba «Gusarska Luka»>; in Sucuraj




Die Konoba «Gusarska Luka» in Sucuraj.

Nur zur Info: Das ist nicht das Restaurant, in dem wir zu Abend gegessen haben. Ob es hier überhaupt etwas zu essen gibt, kann ich nicht sagen, denn ich habe dort bisher nur etwas getrunken. Ich mag allerdings behaupten, dass man dort sehr schön sitzt. Unser Speiserestaurant befindet sich, wie weiter oben schon gesagt, an der Ostseite der Hafeneinfahrt.
Mandarinen in Sucuraj




Mandarinen in Sucuraj. Die Ortsbewohner sagten uns, dass es heuer schon sehr früh im Jahr besonders warm wurde und die Früchte deshalb schon jetzt im April beinahe reif sind.



Im nächsten Berichtsteil geht es weiter.



 

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