Segeltörn im Mai 2007 – kroatische Adria

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Berichtsteil 1

Anreise von München bis zur Marina Kastela Gomilica bei Split (Kroatien)

Vorbemerkung
Da ich noch nicht über einen HTML–Zeichensatz für die speziellen kroatischen Schriftzeichen verfüge, sind viele Orts– und Inselnamen nicht korrekt geschrieben. Die Namen der Inseln schreibe ich immer in Großbuchstaben.

Drei Wochen ist es erst her, da habe ich (der Betreiber dieser Homepage, der Verfasser dieser Zeilen und der Skipper) mit meiner Familie einen Segeltörn gemacht. Ausgangs– und Endpunkt bei diesem Törn war ebenfalls die Marina Kastela Gomilica. Der Bericht über diesen Törn ist bei meinen Segelseiten zu finden (zum Lesen die–
ses Berichts einfach den Link «Segelseiten Thema–Hauptseite» und dort den Link «Segeltörn April 2007 – Kro–
atien» anklicken. Und jetzt darf ich schon wieder für eine Woche nicht zur Arbeit gehen und muss mit meinen Freunden zum Segeln auf’s Meer. Das kommt mir sehr hart an, aber ich denke, ich werde es schon überstehen.

Ein Männertörn unterscheidet sich von einem Familientörn in mehrerlei Hinsicht. Der Schwerpunkt meiner Vor–
bereitungen liegt bei einem Männertörn in der Auswahl der Crewmitglieder. Ich habe die strikte Vorgabe zu be–
achten, dass mindestens fünf Crewmitglieder das Schafkopfspiel beherrschen. Nein, nicht nur beherrschen, sie müssen richtig «schafkopfgeil» und bereit sein, rund um die Uhr zu spielen. Und warum müssen es fünf sein, es reichen doch auch vier? Ganz einfach: Wenn einer kränkelt oder auf die Toilette muss, hat der Fünfte sofort und ohne jegliches Zögern einzuspringen. Ja, so sind halt die Regeln bei uns.
Der zweite Schwerpunkt der Vorbereitungen liegt in der Zusammenstellung der Lebensmittelliste, das heißt, eher der Getränkeliste. Mehr will ich hier nicht schreiben.

Freitag, 4. Mai 2007

Die Anfahrt erfolgt auf der selben Route wie bei meinem Segeltörn im April dieses Jahres mit dem kleinen Un–
terschied, dass wir bereits sehr zeitig am Morgen in München abfahren und in Villach einen Zwischenstopp zum Einnehmen des Frühstücks einlegen wollen. Zunächst hält meine Mannschaft das für eine gute Idee. Doch, als ich mich in Villach verfahre und in einen elenden Stau hineingerate, murren meine Leute auf und bedrängen mich, doch auf das Frühstück im Einkaufszentrum zu verzichten, denn frühstücken könnten wir doch auch anderswo. Wer mich kennt, der weiß, dass ich ganz schön stur sein und bleiben kann und ich ziehe die Sache durch.

In der Parkgarage des Einkaufszentrums gibt es noch reichlich freie Plätze, denn es ist erst Öffnungszeit. So nehmen wir in einem SB–Cafe das Frühstück ein und erledigen sonstige Dinge, die man gewöhnlich des morgens zu tun pflegt. Beim Aufbruch schlage ich vor, in einem Lebensmittel–Supermarkt des Einkaufszentrums doch ein wenig Bordverpflegung zu besorgen. Ich ernte breite Zustimmung. Vorbei an Wurst und Käse gehen meine Leute direkt zur Getränkeabteilung, denn Bierdosen haben wir in Deutschland wegen des Dosenpfands nicht gekauft. Wir wollen keine Halbliterdosen, sondern die kleinen handlichen 0,33er. Schön aufeinander gestapelt stehen sie da, nur keine 0,33er sind zu sehen. Da frage ich einen Mitarbeiter des Supermarkts, ob es denn kein 0,33er Gösser–Bier gäbe und er sagt mit österreichisch glaubhaft aufgesetzter Miene: «Nein, aber ich schau mal im Lager nach». Die Gesichter meiner Mitsegler hellen sich auf, doch gleich darauf blicken sie wieder enttäuscht drein, als besagter Mitarbeiter vom Lager zurückkommt und sagt, es seien keine 0,33er Dosen mehr vorrätig.

Jetzt kommt mein großer Auftritt und ich sage zu ihm: «Da kommen wir extra aus München nach Villach zum Bierkaufen und die Österreicher haben uns alles weggetrunken». Des Mitarbeiters Miene verzieht sich in ein Grinsen und er sagt: «Aha, ihr seit’s also die Bayern, die wo übers Internet (er meint: per E–Mail) das Gösser–Bier bestellt habt’s. Ja freilich is noch Bier da, ich fahr gleich ins Lager und bring die Paletten». Meine Crew verzeiht mir in diesem Augenblick die Irrfahrt in Villach. Jetzt, nachdem die Sache mit den Getränken unter Dach und Fach ist, können wir auch an den Einkauf der anderen Lebensmittel gehen. Vielen Dank noch einmal an die Mitarbeiter des Vertriebs von Gösser–Bier, dass die Sache mit meiner Bierbestellung geklappt hat. Es hat auch sehr gut geschmeckt.

Nachdem das Frühstück beendet und das Einkaufensprozedere in Villach endlich erledigt ist, fahren wir weiter. Die schweren Regenfälle, die uns in Kärnten ein höchst aufmerksames Fahren abverlangten, setzen sich in Slo–
wenien fort. Der geplante Grillabend in unserer Übernachtunspension «Surina» in Rupa (Näheres zu unserem Übernachtungsort und unserer Pension steht im Bericht über den Segeltörn im April 2007) fällt sicher aus. Der Abend dort endet – nachdem wir zuvor im «Euro–Grill» wieder einmal vorzüglich gespeist hatten – mit einem gepflegten Schafkopf in unserer Pension. Hat da nicht jemand ein Solo tout verloren?


Samstag, 5. Mai 2007

Auf der Fahrt zu unserer Marina in Kastela Gomilica sehen wir das, was auf dem folgenden Bild zu erkennen ist (für Nicht–Kenner: gegrilltes Lamm oder kroatisch «Janjetina». Da uns der Magen knurrt, gibt es keine andere Entscheidung als bei diesem Restaurant stehen zu bleiben. Das hat aber wieder einmal gut geschmeckt und man stinkt so schön nach Zwiebeln, die man einfach dazu essen muss: Janjetina am Grill
So gut es auch schmeckt, ich treibe zum Aufbruch, denn die leidige Schiffsübernahme ist heute noch zu erledi–
gen. Irgendwann am Nachmittag treffen wir in Kastela Gomilica ein, gehen sofort zum Einkaufen in den Super–
markt «GETRO», fahren dann zur Marina und melden uns beim Vercharterer «SCS» («Sailing Center Süd» oder auch «Sailing Center South» mit Firmensitz des Teilhabers in Wörgl/Österreich) und in der Marina–Rezeption.

Es wird Zeit, mal die Crew vorzustellen: Herbert Sch. (mein Co–Skipper), Eberhard D., Franz S., Eugen A. und Heiko U. (der sich immer beschwert, weil er stets am Ende der Aufzählung steht, aber er ist halt der Jüngste).
Mit dabei bin auch ich (der Skipper), Stefan P..

Unser Schiff ist eine Bavaria 50 mit dem Namen «Anita». Diese Segelyacht habe ich – wie schon so oft in den Jahren zuvor – über die Münchener Agentur «CHARTERWELT GmbH» angemietet und zwar schon im November des Vorjahres. Die Gesamt–Logge der Yacht zeigt 9.739,9 sm an und der Zähler für die Motorbetriebsstunden steht bei 634,1. Die erste Enttäuschung kommt gleich: der von mir georderte Spinnaker kann nicht bereitgestellt werden. Und ich habe mir in München noch allerhand an Ausrüstung zum Bedienen und Trimmen des Spi oder ersatzweise für einen Blister gekauft, denn bekanntwerweise wird bei diesem Punkt auf Charteryachten immer gespart.

Um 1700 beginnen wir mit der Schiffsübernahme und teilen uns wie immer auf, so dass jeder einen bestimmten Bereich beim Einchecken abdeckt und die Sache schneller von statten geht. Dreissig Minuten später sind wir fer–
tig. Es gibt nicht viel zu reklamieren, außer den doch etwas störenden Tatsachen, dass die Dichtung des Fensters in der achteren Bb–Koje leckt und eine der Matratzen deswegen bereits die Funktion eines Schwamms angenom–
men hat. Da schläft aber nur Eugen, aber der benötigt wenig Schlaf und er hat es auch gern nass. Man gibt uns den Rat, die undichte Stelle mit Plastiktüten.... Nein, meine Herren vom Stützpunktpersonal, mit uns nicht, denn die über den Bergen zwischen Trogir und Split hängenden, in tiefschwarzer Farbe drohenden Wolken lassen uns Schlimmes befürchten. Sie kommen dann mit Silikon und das Fenster leckt nicht mehr, es ist allerdings auch nicht mehr zu öffnen.

Die von uns gecharterte Bavaria 50 ist vermutlich von einer anderen Marina Kroatiens hierher gebracht worden und liegt deshalb längsseits an der Betonpier zwischen zwei Stegen. Beim Einräumen des Schiffes bedeutet das für uns eine enorme Erleichterung, denn man braucht nicht, mit Gepäck schwer beladen, über die wackelige Gangway zu balancieren. Nachdem alle Getränke, Lebensmittel, sonstige für den Törn mitgebrachten Dinge und die persönlichen Sachen ins Schiff eingeräumt sind und beinahe jeder beim Duschen war, gibt es das Abendes–
sen an Bord und ich mache die übliche Schiffs– und Sicherheitseinweisung.

Auf einmal hebt und senkt sich die Yacht und schlägt an die Betonpier, so dass ich – obwohl wir gut abgefendert sind – schon einen Schaden am Rumpf befürchte. Wir denken an die dunklen Wolken am Nachmittag und gehen davon aus, dass die heftigen Schiffsbewegungen von den sich in der Marina gebildeten Wellen herrühren. Doch, als wir nach draußen gehen, bemerken wir zwar in der Ferne Blitze am Himmel, aber außer einer Restdünung ist nur leicht gekräuseltes Wasser zu sehen. Am nächsten Morgen erfahren wir dann, dass zwei Schlauchboote mit vollem Tempo aus der Marina heraus gejagt sind, die mit «Gefundenem» (so sagt Eugen, der in Turkmenistan geboren ist, zu gestohlenen Sachen) voll beladen waren. Man hätte die Diebe beim «Finden» überrascht und deswegen seien sie mit einer Art Schnellboot abgehauen. «Abhauen» würde ich solchen Typen auch gerne etwas.

Nachdem ein unserem Bug gegenüber liegender Katamaran auslaufen will und wir ihm im Weg sind, verholen uns ein paar Marineros zuerst etwas nach achtern und dann in die frei gewordene Box am Steg. Keiner von uns, die wir schon heftig am Schafkopfen sind, bemerkt etwas, das ist auch eine schwache Leistung von mir. Doch unser guter Jan Maat Franz, der das erste Mal bei einem Segeltörn dabei ist, spurtet über den Niedergang nach draussen, so dass ich schon befürchte, er muss ob der zuvor erlebten heftigen Schiffsbewegungen zum Ko... Aber nein, Franz ist den Marineros beim Verholen unserer Yacht an den neuen Liegeplatz und beim Anbinden der Festmacher behilflich wie ein alter Salzbuckel. Er hat fleissig gelernt, Knoten zu binden und will jetzt seine see–
mannschaftlichen Kenntnisse in die Tat umsetzen. Respekt, Franz, du alter Mühlviertler, das geht schon sehr schön los.

Jetzt stört uns aber keiner mehr. Das nächste Bild ist der Beweis, dass wir fünf Schafkopfer sein müssen. Einer ist draussen beim Rauchen (bei uns wird im Schiffsinneren nicht geraucht, da haben wir schön demokratisch darüber abgestimmt) und der andere muss fotografieren: am ersten Abend: Schafkopf auf der Anita
Franz in guter Stimmung beim Schafkopfen



Weil Franz beim Verholen unserer Bavaria 50 und beim Anbinden der Festmacher so profihaft mitge–
arbeitet hat, darf er jetzt beim Schafkopfen eine Runde lang aufheben. Wir haben zwar in Villach überwiegend Gösser–Bier eingekauft, aber zur Sicherheit hat irgend jemand noch ein paar Dosen «Zipfer» für die Segelreise mitgenomen.
Herbert – schon ganz schön unscharf




Herbert beim Schafkopfen – schon ganz schön unscharf...
Eberhard beim Kassieren oder Zahlen




Ein Bordabend so richtig nach den Vorstellungen des überwiegenden Teils meiner Crew. Eberhard beim Kassieren – oder ist er beim Zahlen?




Im nächsten Berichtsteil geht es weiter.



 

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