Segeltörn im April 2008 – kroatische Adria
Von Vinišce nach Dubrovnik und zurück.

Segelseiten


Seitennavigation



Berichtsteil 1

Anreise nach Vinišce und Schiffsübernahme


Vorbemerkung

Da ich noch nicht über einen HTML–Zeichensatz für die speziellen kroatischen Schriftzeichen verfüge, sind viele Orts– und Inselnamen nicht korrekt geschrieben. Die Namen der Inseln schreibe ich immer in Großbuchstaben. Nach meinen Informationen (Stand: März 2012) dürfte die Marina Vinišce (der Konsonant «c» in diesem Orts–
namen wird mit einem nach rechts oben weisenden Akzent geschrieben) wieder geschlossen worden sein.


Dienstag, 22. April 2008

Wie in den letzten Jahren soll die Anreise auch heuer wieder schon einen Tag vor dem im Chartervertrag ver–
einbarten Übernahmetag erfolgen. Allerdings ist bei der Anreise nicht mehr eine Übernachtung in unserer schon zur Tradition gewordenen Zwischenstation, der «Pension Surina» im Ort Rupa an der Grenze zwischen Slowenien und Kroatien, geplant, sondern wir wollen diesmal bis zu unserem Ausgangs- und Zielhafen, dem Ort Vinišce, durchfahren und dort übernachten. Der Verpflegungs– und Getränkehaupteinkauf soll bei einem Zwischenstopp im neuen ATRIO-Einkaufszentrum in Villach erfolgen. Dort können wir dann auch das Frühstück einnehmen.

Bei der geplanten Abfahrtszeit in München dürften wir Vinišce so gegen 19 Uhr erreichen. Somit bliebe noch Zeit für die Quartiersuche, das Einnehmen des Abendessens und vielleicht auch noch für unser Lieblings–Kartenspiel, das Schafkopfen. Am Mittwochvormittag könnten wir dann den Resteinkauf (Mineralwasser, Brot, Wein, Prošek usw.) und den Geldumtausch in Vinišce erledigen. In meinen Planungen stelle ich mir vor, dass mit der Prozedur der Schiffsübernahme bereits am späteren Vormittag des Mittwoch begonnen werden und diese unbequeme Ar–
beit kurz nach Mittag abgeschlossen sein könnte. Grund für meine Überlegung ist, dass die Marina in Vinišce nicht sehr groß ist und deshalb nicht viele Yachten zur Übergabe anstehen, auch, weil es ein Mittwoch und kein Sams–
tag ist. Wenn alles gut läuft, könnten wir also schon am früheren Nachmittag unseren Törn mit der geplanten Nachtfahrt bis Dubrovnik in Angriff nehmen. So weit mein Vorhaben, doch die Wirklichkeit sieht anders aus.

So gegen drei Uhr in der Nacht rasselt der Wecker. Das kann doch nicht sein, ich bin doch gerade erst ins Bett gegangen. Bei viel zu wenig Schlaf wird das bestimmt ein harter Tag. Ich muss aber sofort raus aus den Federn, weil Eberhard mit Hilfe seines Navigationsgeräts den schnellsten Weg von G. nach München–Moosach nimmt und dann meine Frau und mich gnadenlos aus dem Bett klingelt. Sein Eintreffen bei meiner Wohnung ist für vier Uhr in der Frühe vereinbart.

Als Eberhard kommt, stehe ich schon an der Haustür. Dann heißt es, meine Sachen in’s Auto und schnell zu Heiko in P.–Dorf. Wie immer fragt Eberhard garnicht und setzt sich in seinem Auto gleich auf den Beifahrersitz. Er sieht nachts nicht besonders gut und bei Regen erst recht nicht. Verdammter Regen, da ist man schon bei 60 km/h zu schnell. Kurz vor der Ortseinfahrt von L. ist ein kleiner See auf der Straße, da sind wohl die Gullys ver–
stopft. Auf einmal blinkt und piepst es in den Armaturen, dass der Adrenalinspiegel steigt. Kurz denke ich, dass der Segeltörn jetzt schon endet. Aber, ich beruhige mich wieder, denn Aquaplaning ist ja auch so eine Art Was–
sersport. Die Ingenieure von Eberhards Automobil (ich will die Marke hier nicht nennen, aber es ist eines mit fünf Ringen am Kühler) haben gute Arbeit gemacht, denn die Karre schwimmt beinahe geradeaus über die riesige Pfütze. Dennoch gehe ich mit dem Tempo noch etwas herunter.

Heiko steht schon am Küchenfenster, sieht unser Kommen, nimmt einen intensiveren Abschied als sonst, denn es sind ja heuer zwölf Tage statt sonst nur neun. Hab ich da nicht eine Träne gesehen? Dann geht es wieder nach München, wo wir mit Herbert zusammentreffen und zu Eugen fahren. Eugen steht natürlich nicht – wie vereinbart – an der Kreuzung und ich muss die Treppen hoch zu seiner Wohnung, aber mittlerweile fährt er schon mit dem Aufzug nach unten. Wie immer hat Eugen nur Minimalgepäck, das meiste sind seine drei Kameras. Macht auch nichts, denn er hat ja gemeinsam mit Heiko eine Kabine und der hat wegen Eugen immer alles doppelt dabei.

Durch’s morgendlich leere München kommen wir ziemlich flott auf die Autobahn München–Salzburg. Es herrscht noch immer Dauerregen. Ich fahre viel mit Tempomat, eine in meinen Augen sehr angenehme technische Vor–
richtung, denn man kann die Beine immer wieder in eine andere Position bringen, natürlich nur, wenn wenig Ver–
kehr ist. Am ehemaligen Grenzübergang «Walserberg» wird kurz Rast gemacht. Nach dem Gollinger Tunnel geht es kurvig und ziemlich steil bergan und der Einsatz des Tempomaten ist – nicht zuletzt wegen der zahlreichen Tunnels – nicht von Vorteil. Vor dem Tauerntunnel bildet sich ein kleiner Stau und bedingt eine Wartezeit von etwa acht Minuten wegen Blockabfertigung. Um 0736 stehen wir vor der ASFiNAG-Mautstelle bei Sankt Michael zwischen dem Tauern– und dem Katschbergtunnel. Für jedes Auto berappen wir eine Tunnelgebühr in Höhe von EUR 9,50.

Zügig geht es weiter in Richtung Villach. Der Regen hört nach den Tunnels beinahe auf und am Millstätter See wird es wärmer. Bei der Ausfahrt «Villach–Faakersee» zeigt der Blinker nach rechts und wir steuern das ATRIO–
Einkaufszentrum in Villach an. Dort nehmen wir das Frühstück ein und besorgen uns ein paar Lebensmittel und Getränke für den Segeltörn. Das Einkaufszentrum hat erst wenige Minuten vor unserem Eintreffen seine Tore aufgemacht. Auf dem Kassenbeleg ist die Uhrzeit «0958» aufgedruckt. Wir betanken unsere Autos und ich nehme an der Tankstelle die falsche Ausfahrt. Der Weg endet direkt vor einem Beate Uhse–Geschäft und wir müssen dort wenden. Die Kommentare meiner Mitfahrer möchte ich hier nicht zum Besten geben, denn bis dahin habe ich garnicht gewußt, was es in so einem Laden zu kaufen gibt. Meine Leute haben mich dann aber aufgeklärt. Um meine liebe Ehefrau zu beruhigen, schwöre ich unter Seglereid, dass ich versucht habe, beim Wenden des Autos nicht in die Auslagen besagten Ladens zu blicken. Dann geht es weiter zum Karawankentunnel und nach Slowe–
nien.

Irgendwann setzt sich Eberhard auf den Fahrersitz, aber nicht lange, dann fahre ich wieder. Um 1506 Uhr sind wir auf der von Zagreb nach Split führenden Autobahn am Rastplatz bei Bosiljevo und tauschen hier für die Bordkasse EUR 300,00 in Kroatische Kuna (HRK). Das sind HRK 2.090,83, was nach Abzug der Gebühren nach meinen Rechenkünsten einem Netto–Gegenwert von HRK 6,969 für einen Euro entspricht.

Bei der Ausfahrt «Prgomet» geht es von der Autobahn runter und weiter in Richtung Trogir. Der Ort Vinišce liegt im Scheitel einer tief nach NW eingeschnittenen Bucht. Auf der Fahrt gen Süden biegt man etwa 14 km vor Trogir im Küstenort «Marina» von der kroatischen Küstenstraße, der Magistrale, nach Vinišce ab. Der Weg zur Marina führt über eine enge, bergige und kurvenreiche Straße, aber die Aussicht vom höchsten Punkt auf die Bucht ent–
schädigt für die fahrerische Anstrengung.

Toller Ausblick vom Scheitelpunkt der Paßstraße auf die Bucht von Vinišce. Links der Bildmitte ist ganz hinten im Dunst die Insel BRAC zu erkennen. Rechts daneben die Insel SOLTA und noch einmal rechts daneben die Insel VELI DRVENIK. Die Hügel rechts im Bild, welche die Bucht von Vinišce an ihrer Westseite begrenzen, gehören bereits zum Festland: Ausblick auf die Bucht von Vinišce
Den landschaftlichen Genuß wollen die Bewohner dieses Küstenstrichs wohl nicht mehr wahrnehmen, denn auf der Fahrt von Marina bergan rast – oder besser gesagt fliegt – uns ein beinahe gänzlich von der Fahrbahn abge–
hobener alter Fiat oder so etwas ähnliches, bestückt mit einem offenbar nicht mehr ganz nüchternen Fahrer, entgegen. Ich kann gerade noch ausweichen und wenig später kommen wir heil in unserem Ausgangs- und Zielhafen an. Im Büro von Nautika-Kufner – unserer Charterfirma – ist niemand anzutreffen, denn wir sind ja einen Tag vor dem Charterbeginn angereist. Aber die Wechselstube an der Marina ist mit einer sehr gut deutsch sprechenden Dame, die jedoch nichts mit der Chartergeschäft zu tun hat, besetzt.

Also sehen wir uns nach einer Bleibe für die Nacht und nach einem Restaurant um. Wir müssen uns aber nicht besonders bei unserer Suche anstrengen, denn der geschäftstüchtigste unter den nicht sehr zahlreich vorhande–
nen Ortswirten hat unser Ankommen schon bemerkt und ist uns von seinem Etablissement aus bis zur Marina nachgerannt, damit wir ja nicht auf den Gedanken kommen könnten, die Konkurrenz zu bereichern. Ich frage diesen freundlichen Herrn nach einer Nächtigungsmöglichkeit. Er hat auch gleich eine Lösung parat, denn, so sagt er, sein Cousin betreibe einer Zimmervermietung. In weiser Voraussicht habe er vorsichtshalber schon einmal bei seinem Cousin nach freien Zimmern gefragt. Und, wie es der Zufall so will, wären bei ihm noch Zimmer frei. Wir schauen uns die neu erbaute «Villa Albatros» an und erkundigen uns nach dem Preis für die Übernachtung. Die Villa steht unweit der Marina und wir räumen unsere für die Nacht benötigten Sachen ein. Auch unsere Autos können wir gegen eine geringe Gebühr für die Zeit während unseres Segeltörns im Hof der Villa abstellen.

In der noch nicht ganz fertiggestellten «Villa Albatros» können wir nächtigen: Villa Albatros in Vinišce
Die nicht übermäßig große Marina befindet sich unweit unserer Pension: die Marina in Vinišce
Eugen – wie immer in typisch turkmenischer Seglerbekleidung – kontrolliert schon einmal die Festigkeit des Pollers: Eugen kontrolliert die Festigkeit des Pollers
Nun geht es in das erste Restaurant am Platz, das «Mastrinka», das schon von der Namensgebung her die rich–
tige Wahl zu sein scheint, enthält es doch den Namensteil «trinka». Wir nehmen auf der sonnigen Terrasse des Gasthauses Platz und erhalten bald danach sehr gutes Essen und einen ebenfalls sehr gut trinkbaren Hauswein zu vernünftigen Preisen. Man merkt, dass man hier etwas abseits der Küstenstraße ist und das Chartergeschäft noch in den Kinderschuhen steckt.

Nach dem Abendessen gehen wir zum Haus «Albatros» und lassen uns vom Hauswirt noch vier Flaschen Rotwein auf’s Zimmer stellen, denn wir wollen noch etwas Schafkopfen. Aber der Rote ist im Vergleich zu dem, der uns im «Mastrinka» kredenzt wurde, ein Reinfall. Er ist beinahe nicht genießbar, irgendwie hat er einen abartigen Geschmack nach fauligem Holz. Zuvor hatte der Hauswirt seinen Wein noch sehr gelobt. Na ja, er fuhr mal für längere Zeit zur See und da kann sich vieles zurückbilden, auch die Geschmacksnerven. Beim anschließenden Pflichtschafkopf im Appartement Nr. 1 schaffen wir es tatsächlich nicht, alle vier Flaschen zu leeren. Allerdings muss irgend jemand die eigentlich für den Segeltörn gedachten Bierdosen aus dem Auto geholt haben, denn am nächsten Morgen stehen überall im Appartement leere Bierdosen herum. Merkwürdig ist nur, dass am nächsten Morgen auch die beiden übrig gebliebenen Flaschen des Rotweins leer sind. Heiko und Eugen, die wir noch lange Zeit nach unserem zu Bett gehen auf dem Balkon reden hören, behaupten, den Flascheninhalt «ausgegossen» zu haben, was immer man auch darunter zu verstehen hat.


Im nächsten Berichtsteil geht es weiter.



 

Homepage–
Startseite

 

im Bericht
vorwärts
nach oben
Impressum

Copyright © Stefan Prohaska (2014)
Alle Rechte beim Autor.