Segeltörn im Mai 2011 – kroatische Adria

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Berichtsteil 1:
Vorstellung der Mannschaft und Anreise

Der folgende Bericht wurde vom Skipper «Stefan» auf der Grundlage der Logbucheintragungen und in großen Teilen auch aus dessen Gedächtnis zusammengeschrieben. Das Motto des Berichts lautet: «Nicht alles ist wahr, aber vieles stimmt nicht».

Bitte nicht erschrecken: Nicht alle Berichte sind oder werden so lang. Dieser ist es nur deswegen, weil ich ein an meine Crew gegebenes Geschenkversprechen (ich sage nur «Weißbiergläser») bisher noch nicht eingelöst habe. Sozusagen zu meiner Entschuldigung habe ich diesen Bericht etwas länger werden lassen und hoffe, die Entschuldigung wird angenommen. Meine Crew soll und darf aber bitte nicht erwarten, dass von nun an nach jedem Törn ein längerer Bericht von mir geschrieben wird und es darf von meiner Crew nicht einmal mit dem leisesten Gedanken die Hoffnung gehegt werden, dass der Umfang des Berichts im Verhältnis zur zeitlichen Dauer des Segeltörns stehen muss. Denn in meinem in Bälde anstehenden «Renterdasein» kann es durchaus sein, dass die Törns mehr als nur eine Woche dauern werden!

An Bord herrschte immer eine heitere Stimmung und es gab so gut wie keine Langeweile. Das Wetter könnte nicht besser gewesen sein und wir genossen tagsüber jede Sekunde des Sonnenscheins. Deswegen wurde auch nur nachts geschlafen, um ja nichts zu verpassen.

An Bord herrschte immer eine heitere Stimmung. Das folgende Bild unterstreicht den Wahrheitsgehalt dieser Worte (links: Eberhard, rechts: Lothar):

Bordstimmung

Es gab auch solche Tage (links Herbert und rechts Heiko):
mit Kurs von der Insel VIS zur Insel ŠOLTA

Ich denke mal, besser ist es, wenn ich von vorne beginne:

Freitag, 6. Mai 2011
Wieder einmal konnte ich der Versuchung nicht widerstehen und habe bei der «CHARTERWELT»–Agentur mit Firmensitz in München–Pasing eine Segelyacht gechartert. Nun «müssen» wir leider schon wieder zum Segeln fahren. Aus Zeit– und Finanzgründen blieb mir diese «Quälerei» in den Jahren 2009 und 2010 erspart. Etwas unwillig wird sich heute sehr früh aufgestanden. Am Arbeitsplatz lassen wir den Computer oder die Werkzeuge jetzt einmal für eine Woche allein. Einige von uns sind schon Rentner, da braucht man wegen der immer knapp bemessenen Urlaubstage nicht so mit sich zu hadern, weil man ja praktisch unbegrenzt Urlaub hat. Diese Tatsache wird natürlich von den Rentnern vehement bestritten, angeblich haben sie zu Hause keine Minute freie Zeit mehr.

Die weiteste Anreise hat mein Cousin Hans. Er wohnt SSW–lich (jetzt beginnt schon die Segeltheorie, weil «SSW» ^ eine gebräuchliche Abkürzung von «Südsüdwest» ist) von X–Stadt in X–Ort und muss zu Lothar nach X–Stadt kommen. Beide fahren dann mit Lothars Auto nach München zur Werkstatt von Heiko. Dort wollen wir alle zusammentreffen und dann das Gepäck auf die Autos verteilen. Von X–Ort bei München steuert Eberhard seinen Audi A6 über die A99 zur A–Straße in München, wo Stefan, der Verfasser dieser Zeilen, wohnt.

Obwohl ich als Skipper immer darum bitte, wegen der begrenzten Platzverhältnisse an Bord nicht zu viel Gepäck mitzunehmen, schleppe ich selbst – wie bereits bei den früheren Segeltörns – das meiste an. Weil ich mir für diesen Segeltörn etwas Besonderes ausgedacht habe, ist so allerhand Zeug an Büchern, Schoten, Tampen, Taljen und Blöcken in meinen Taschen. Und auch ein großer Sack mit Euromünzen ist in meinen Taschen versteckt, da ich aufgrund jahrelanger, leidvoll erlittener Erfahrungen einen besonders großen Vorrat an Kleingeld benötige, weil mir das Glück beim Kartenspiel leider nicht besonders hold ist und ich beim Schafkopfen immer einen erheblichen Geldbetrag in die Geldsäckel der Mitspieler transferiere. Von meiner Wohnung ist es nicht weit zu Herbert, unserem Co–Skipper, der praktisch schon vor der Haustür wartet, weil Stefan bei der Verabschiedung von seiner Frau Angelika zu viel Zeit gebraucht hat (Bussi, Bussi, Tränen und so...).


Zu den nachfolgend gezeigten Bildern meiner Seglermannschaft (für Nichtsegler: Fachausdruck «Crew») gebe ich mal ein paar Kurzbeschreibungen, wie sie mir gerade so einfallen:
Hans und Herbert


Herbert (steht am Ruder), unser guter Co–Skipper, der sooo... viel Geduld mit dem Skipper aufbringt. Er ist ein ausgesprochener Cola–Spezial–Liebhaber und würde am liebsten das ganze Jahr über segeln und rund um die Uhr Schafkopf spielen.

Im Bildvordergrund ist Hans zu sehen.


Hans



Hans, unser neuer Motor– und Getriebewart, der leider nicht mehr rauchen darf und den so schnell nichts aus der Ruhe bringen kann.


Heiko

Heiko, unser allround–Technik–Genie, der – wie es den Anschein hat – seit dem letzten Segeltörn unter einer «Ruderallergie» leidet (für Nichtsegler: Ruder ist das Steuerrad) und deshalb immer erst ein wenig überredet werden muss, das runde Steuergerät anzufassen. Sozusagen als Ausgleich dafür sorgt er aber für eine nahezu lückenlose fotografische Dokumentaion aller Geschehnisse an Bord und außer Bords.
Auf dem Bild weiter unten sieht man Heikos Antlitz deutlicher, wenn man sich beim Betrachten des Bildes auf sein Gesicht und nicht auf das Poster im Hintergrund konzentriert!


Hans und Eberhard


Hans (links) und Eberhard. Eugen hat Eberhards Vornamen aus bestimmten Gründen in «ÄÄber» verändert. Eberhard ist unser demokratisch gewählter Säckel–, Lebensmittel– und Getränkewart und im Übrigen ein überzeugter Anhänger des TSV 1860 sowie ein Liebhaber des Augustinerbiers. Im Notfall trinkt er auch andere Biere!


Lothar


Lothar, unser mit maler– und zeichnerischen Begabungen geradezu gesegneter Lebenskünstler, stets perfekt mit Seglerklamotten ausgestattet. Die Getränke – insbesondere die Bierdosen – sind ihm immer zu kalt und er benutzt beim Trinken daher gern die Seglerhandschuhe.


Skipper Stefan


Stefan, der Skipper. Manchmal ein wenig hektisch, jedoch können ihn seine Mitsegler immer wieder abbremsen. Er hat das Motto ausgegeben: «Nie mehr ohne Spinnaker segeln!».


Eugen im Kerker



Eugen wurde bereits in Sowjetzeiten als Maschinist bei der Versorgung der Öl– und Gasbohrinseln im Kaspischen Meer auf die kommunistisch–christliche Seefahrt getrimmt. Leider kann er dieses Jahr nicht dabei sein, weil er eingekerkert ist. Der Grund: Er hat uns bei den letzten Segeltörns beim Schafkopfspiel immer wieder ausgeraubt!
Damit man sieht, wie so ein Schurke in Nahaufnahme aussieht, gibt es gleich im Anschluss noch ein Bild von ihm. Auch hier gilt: Nur auf Eugens (und Heikos) Gesicht und nicht auf das Poster schauen!


Heiko (links) und Eugen



Nicht auf das Poster im Hintergrund schauen!

Heiko (links) und Eugen, mit heißem, gierigem Blick, weil er schon auf seinen Gewinn beim nächsten Schafkopf wartet. Die Crew hat mir strikt verboten, zu schreiben, wer das Poster an die Wand im Salon der Segelyacht geklebt hat. Gegen eine entsprechende Gegenleistung in Geld werde ich vorerst nicht sagen, wer der Tapezierer war.

Anmerkung an die männlichen Leser:
Ihr braucht nicht zu versuchen, diese Yacht zu chartern, denn sie wurde von uns bei Törnende neutralisiert, das heißt, das Poster wurde entfernt!


Bordschwalbe


Eines hab’ ich beinahe vergessen: Einmal hat sich eine Bordschwalbe auf unserem Schiff niedergelassen, aber die haben wir dann sofort vom Schiff verjagt und sie musste sich – sozusagen zur Strafe – auf einen Wellenbrecher stellen. Bei den Schotten rätselt man ja immer, ob sie etwas unter ihrem Rock tragen. Ob die Bordschwalbe was drunter anhatte, das weiß nur der Fotograf. Eines verrate ich noch: die Schwalbe zwitscherte in fränkischem Dialekt.



Nicht dabei ist auch Manfred, von dem ich kein Bild habe. Er hat allerdings wegen beruflicher Probleme von vornherein nur vorsorglich angefragt, ob er eventuell mitsegeln kann und niemals eine feste Zusage gegeben.

Nach der Entlassung aus dem Kerker (nun ist Schluss mit dem Spaß: das drittletzte Bild wurde während eines früheren Segelttörns beim Rundgang auf der Stadtmauer von Dubrovnik aufgenommen) zieht es Eugen zwei Tage vor unserer Abreise vor, sich – statt mit uns mitzusegeln – in ein Münchner Krankenhaus zu legen. Ersatz konnten wir in der kurzen Zeit nicht mehr auftreiben, so dass die Vereinbarungen im Crewvertrag zum Tragen kamen und die Reiserücktrittskostenversicherung zur Kasse gebeten werden musste. Trotz der in angemessener Höhe vereinbarten Versicherungssumme konnte die von Eugen an die Bordkasse geleistete Anzahlung nicht in vollem Umfang von der Versicherung ausgeglichen werden. Darüber waren wir alle sehr traurig, jedenfalls ein paar Sekunden lang, weil jeder von uns allgegenwärtig das an Eugen beim Schafkopfspiel verlorene Geld im Gedächtnis hat. Das Schlimme daran ist eigentlich nicht die Tatsache, dass man Geld verliert, sondern, dass wir allesamt aus bayrischen Gefilden stammenden Schafkopfer Eugen das Spiel zuerst beigebracht haben und er uns dann – sozusagen als Dank dafür – gnadenlos abzockt. Und das Schlimmste überhaupt ist, dass Eugen aus Turkmenistan stammt, er seine Heimat erst in relativ fortgeschrittenem Alter verlassen und dann erst das Schafkopfspiel erlernt hat. Schande über uns!

Aber, es gibt noch etwas Erwähnenswertes im Fall Eugen zu sagen. Eugens Geburtsort liegt am Kaspischen Meer. Den Leuten dort sagt man eine gewisse lockere Mentalität nach, was ich nicht anzweifle. Jeder, der einen Segeltörn – oder auch eine andere Reise – mit mehreren Teilnehmern organisiert, der weiß, wie hektisch es in den Tagen vor der Abreise wird. Auch ich hatte genug zu tun und die Zeit lief mir davon. Damit Eugen keine Schwierigkeiten von der Versicherung gemacht werden, will ich seine Reiseunfähigkeit noch vor Reiseantritt der Versicherung melden. Ich erkläre Eugen am Telefon, was in der ärztlichen Bescheinigung alles stehen muss und dass ich gleich ins Krankenhaus kommen werde, um besagtes Attest abzuholen. Eugen hört mir garnicht richtig zu und sagt zu mir: «ja, ja, die schreiben schon wie du sagst« und fragt mich auch gleich so nebenbei «kannst du mir noch die Iswestija von Bahnhof mitbringen». Natürlich kann ich das, mein Guthaben bei der gleitenden Arbeitszeit hat ein üppiges Polster, denn ich habe wegen der Pflegebedürftigkeit meiner Eltern zurzeit so gut wie gar nichts Privates zu erledigen und deshalb fallen bei mir so gut wie keine Arbeitsstunden aus (???). Deshalb sitze ich auch beinahe jeden Tag bis 2000 (das ist die Schreibweise für die Uhrzeit auf Seekarten und in nautischen Aufzeichnungen und deshalb verwende ich diese Form in diesem Bericht, damit dieser einen eher seemännischen Charakter annimmt) im Büro, damit mein Zeitminus nicht noch größer wird. Aber was tut man nicht alles für einen alten Freund. Ich frage mich noch, ob er mir wohl mein Fahrrad zahlen wird, wenn es am Hauptbahnhof von jemand anderem, der es noch dringender als ich braucht, gefunden («gefunden» ist ein von Eugen gebrauchter Ausdruck, wenn sich die Eigentumsverhältnisse bei rechtlicher Betrachtung unkorrekt und für den bisherigen Eigentümer stets zu dessen Nachteil verändern) wird? Dennoch suche ich mir vor dem Haupt–
bahnhof einen so weit wie möglich sicheren Abstellplatz für mein Fahrrad und gehe zum Zeitschriftenstand im Bahnhof, wo es natürlich überhaupt keine Iswestija gibt. Da fällt mir ein, dass mir Eugen am Telefon beschrieben hat, wo genau der Zeitungsstand im Hauptbahnhof ist und ich gehe nun dort hin. Eine Unmenge an Zeitungen und sonstiger Literatur ist dort aufgelegt, nur eine nicht: die Iswestija.

Heute sei sie angeblich nicht geliefert worden. Ja, so sind sie halt, die Russen. Natürlich nimmt mir Eugen die Sache mit der Nichtlieferung nicht ab, als ich es ihm kurze Zeit später im Krankenhaus erkläre. Er denkt wohl, ich sei gar nicht am Zeitschriftenstand für die Internationale Presse gewesen und zeigt auch nicht im Geringsten eine Regung, als ich ihm (zum Schein) sage, mein am Hauptbahnhof abgestelltes Fahrrad sei von dort gestohlen worden (pardon, in seiner ehemaligen Heimat Turkmenistan sagt man ja «gefunden»). Ich sage Eugen noch mit tieftraurigem und ernstem Blick, dass er mir die 1.700 Euronen, die mein Fahrrad gekostet hat, auf mein Konto überweisen soll und er meint nur kurz und trocken, ohne sich im Entferntesten mit meinem materiellen Verlust wenigstens in Gedanken zu befassen, er verstehe es gar nicht, sonst gäbe es die Iswestija beinahe jeden Tag. Aber trotzdem freuen wir uns alle, wenn Eugen beim nächsten Segeltörn wieder mit von der Partie ist.

Unmittelbar vor der Abreise sauge ich mir am Morgen des 6. Mai 2011 noch schnell die aktuellsten Wetter–
daten für Kroatien aus dem Internet und bringe sie auf einem Farbdrucker zu Papier. Die Besetzung der Autos bleibt unverändert. Lothar, Hans und Heiko im Seat und Eberhard, Herbert und Stefan im Audi. Keiner schaut auf die Uhr, wann wir genau am Freitag bei schönstem Wetter mit Loggestand «Null» von Heikos Werkstatt aufbrechen. Eberhard hat mich schon bei den Vorbesprechungen zum Segeltörn darum gebeten, ihm einen größeren Teil der Fahrstrecke abzunehmen, da ich in seinen Augen ein mit den Tücken einer Automatik vertrauter Fahrer sei. Die wenigen Kilometer von X–Ort bei München bis zu meiner Wohnung hat er noch selbst geschafft, dann hat er sich aber gleich auf den Beifahrersitz verzogen. Aber, wer mich kennt, der weiß ja, dass ich gern Auto fahre und mir war es nur recht so.

An der Raststätte Samerberg–Süd dann die erste Rast. Wir haben ja mit Heiko einen Raucher dabei und einen ebensolchen halben. Wer das ist, wird nicht verraten. An der Raststätte wurde für Lothars Auto auch gleich das «Pickerl» für die österreichischen Straßenräuber gekauft (10 Tage gültig, Pkw Klasse 11, EUR 7,90). Eberhard hatte das in vorbildlicher Weise bereits Tage zuvor in X–Ort erledigt. Aber so eine Pause tut ja nicht nur den Rauchern gut. Bei der Weiterfahrt läuft verkehrsmäßig alles gut, lediglich um Salzburg herum ist es etwas dichter. Für die nächste Rast werden Blinkzeichen verabredet und so geht es kurz vor dem Tauerntunnel gegen 1300 noch einmal raus. An der relativ kleinen BP–Großtankstelle bei Flachau werden gleich zwei 7–Tages–Vignetten für Slowenien besorgt (Pkw, 7 Tage, EUR 15,00 pro Vignette). Leider gibt es keine 10–Tages–Vignetten. Deshalb müssen wir bei der Rückreise am 14. Mai noch einmal für zwei Vignetten löhnen. Die slowenischen Straßenräuber lassen grüßen. Das nächste Mal reisen wir mit dem Fahrrad an oder unser aller und alter Spezl «Werner» bringt uns auf seine Kosten zum Schiff und holt uns von dort wieder ab, falls er nicht gleich mit uns mitsegelt! Wenn Werner das jemals lesen sollte, trifft ihn der Schlag, denn er gilt als sehr sparsam. Den anderen Ausdruck für «sehr sparsam» möchte ich hier nicht verwenden.

Bei einer engen Linkskurve in der Ausfahrt aus der Raststätte bemerke ich in den Armaturen von Eberhards Audi das Aufleuchten der Warnlampe für den Ölstand. Öl fehle nicht, meint Eberhard, weil ihm der Werkstattmeister vor ein paar Tagen ausdrücklich versichert habe, der Ölstand sei in Ordnung. Eigenartigerweise verlässt sich Eberhard hier auf das Wort eines Fremden. Wenn wir auf dem Schiff zu ihm sagen, der Biervorrat sei noch ausreichend groß, kontrolliert er aber lieber selbst. Aber so prävaliert jeder nach seinem eigenen Gusto. Die Öl–Warnanzeige geht auch bei der Weiterfahrt auf ebener und gerader Strecke nicht aus. Bis zu unserem Reiseziel, der Marina Hramina auf der Insel MURTER in Kroatien und zurück nach X–Ort sind es über 1.700 km. Das Risiko, mit zu wenig Öl zu fahren, wäre für diese lange Strecke – besonders im Hinblick auf das relativ schwer beladene Auto – doch etwas zu hoch. Und so einigen wir uns, dass wir nach dem Katschbergtunnel bei Spittal–Ost die Autobahn verlassen und nach dem Öl schauen. Dort sollen auch Lebensmittel besorgt werden, da jetzt, nachdem Eugen und Manfred nicht mit dabei sind, etwas mehr Platz in den Autos ist.

Der Einkauf bei SPAR in Spittal–Ost kurz vor 1500 ist überschattet von Panikattacken. Gösser, Schwechater und Puntigamer Biere und Unmengen von Wurst und Käse werden im Einkaufswagen abgelegt. Heiko erwischt aus Versehen statt Mineralwasser ein anderes klares Getränk. Erst auf dem Schiff bemerken wir, dass es Marillen–
schnaps ist. Wer soll denn das alles essen, und vor allem trinken? Jeder muss die Verkäuferin mit dem Piercing–Ring im Ohr und dem tief ausgeschnittenen weißen Arbeitskittel noch fragen, wo eine bestimmte Ware in den Regalen zu finden ist.

Tatsächlich fehlt dann bei Eberhards Audi mindestens ein Liter Öl, aber wir füllen zur Sicherheit nur einen halben Liter nach, damit der Ölstand nicht zu hoch ist. Eberhard zeigt sich erstaunt, dass wir die technischen Fähigkeiten besitzen, das Öl ohne die Hilfe eines Fachmannes nachzufüllen. Vor Beginn des Nachfüllens frage ich Eberhard, damit das Auto nicht versehentlich wegrollt: «Wo ist die Handbremse? Des Auto hod koane.»

Weiter geht’s, wir wollen doch heute noch bei Tageslicht in Rupa, das liegt unmittelbar nach der Grenze von Slowenien zu Kroatien, ankommen und verabreden, nicht mehr – wie ursprünglich geplant – bei Paternion von der Autobahn abzufahren, da der Aufenthalt in Spittal–Ost schon zu viel Zeit gekostet hat.

Die Tickets für den Tunnel unter den Karawanken hindurch für EUR 6,50 je Auto kaufen wir gegen 1540. Auf der österreichischen Autobahn ist nach Villach und im Karawankentunnel so gut wie nichts los. Schlimm wird es kurz vor der slowenischen Hauptstadt Lubljana. Dort herrscht – wie eigentlich immer – sehr dichter Verkehr. Das in diesem Gebiet gepflegte riskante und aggressive Fahrverhalten der Slowenen ist uns von früheren Fahrten her schon bekannt. Aber jetzt ist der Tunnel bei der Stadteinfahrt fertig, so dass man sich nicht mehr eine ¾–Stunde lang durch die Stadt quälen muss. Nach der Stadt – schon auf dem Autobahnteilstück in Richtung Rijeka und Triest – gibt es wieder einen elenden Stau, weil die Kassenhäuschen an der nicht mehr in Betrieb befindlichen Mautstelle noch dort stehen und sich alle Fahrzeuge in langsamer Fahrt durch die Engstellen zwängen müssen. Aber vielleicht kann man ja einmal die slowenische Vignettengebühr und zusätzlich eine Autobahngebühr...? Und dann würde man die Kassenhäuschen wieder brauchen. Aber wer wird denn einem Verkehrspolitiker solch ein Ansinnen zutrauen?

Alles geht einmal zu Ende, auch das Fahren auf der ziemlich dichten Autobahn in Richtung Koper und Triest an der slowenischen beziehungsweise italienischen Adriaküste. Noch schnell die etwa 44 kurvenreichen Kilometer von der Ausfahrt «Postojna» bis nach Rupa in Kroatien abspulen, wo wir in der Pension «Surina» – wie schon so häufig – Zimmer für die Übernachtung reserviert haben.

Gleich nach der Grenze von Slowenien zu Kroatien werden für die Bordkatze und teils auch für privat Euro in die Kuna «verwandelt», wie Eugen es früher einmal im Bordkassenbuch festgehalten hat. Für EUR 100 bekommt man nach Abzug der Spesen ungefähr 719 Kroatische Kuna (HRK). Knappe EUR 14 sind also 100 HRK. Heiko und Herbert planen keine Privatausgaben oder sie haben noch einen kleinen Geldvorrat in HRK und wechseln kein Geld um.

Wir räumen die Autos aus, das heißt, eigentlich nur die Sachen, die wir für die Übernachtung brauchen. Da es am Autoparkplatz etwas abschüssig ist, frage ich Eberhard, wo die Handbremse ist, weil ich sie anziehen will. Antwort von Eberhard: «Des Auto hod koane».

In Rupa kaufen wir gleich etwas kaltes Bier an der Tankstelle gegenüber unserer Pension und trinken es dann bei schönster Abendsonne an der überdachten Grillstelle der Familie Surina. Frau Surina hat zu unserer Verwunderung nicht für einen Getränkevorrat gesorgt. Sie meint, uns zu kennen und geht davon aus, dass wir meistens keinen Durst haben. Nebenbei erzählt sie uns als stolze Mutter, auch keine Zeit für einen Einkauf gehabt zu haben, weil sie ihrem Sohn «Carlo» bei den Vorbereitungen für ein an diesem Wochenende stattfindendes Tennisturnier helfen musste. Sie entschuldigt sich auch vielmals dafür, dass im Zimmer von Hans und mir das Deckenlicht nicht brennt und will uns deswegen ins Haupthaus umquartieren. Aber so schnell kann Frau Surina gar nicht schauen, wie jemand von uns eine Leiter aus der Werkstatt zerrt und die defekte Lampe heraus– und eine neue hineinschraubt. Ein Segler hat halt meistens ein gutes Herz und er ist auch ein guter Techniker, die meisten jedenfalls.
Ankunftsbier in der Pension «Surina» in Rupa


In der Abendsonne sitzen wir im sehr schönen, überdachten Grillplatz der Pension «Surina». Mit diesem Bild werden unsere Fähigkeiten zur Selbsthilfe unter Beweis gestellt: Wir können ohne Unterstützung anderer im Ausland Bier kaufen und es auch ohne fremde Hilfe trinken!

Frau Surina fährt mit uns zum kleinen Supermarkt im Ort, damit wir dort noch schnell ein paar Flaschen Wein besorgen können, denn einige von uns haben einen stark ausgeprägten Drang, nach dem Abendessen im Restaurant «Euro–Grill» den Tag mit einem gepflegten Schafkopf ausklingen zu lassen. Dazu brauche man unbedingt Wein. Der mit «Einheimischenrabatt» erworbene und umgerechnet nur EUR 10,24 teure Rotwein «Vino stolo crno» und «Vino veli Joze» mundet uns allerdings später nicht so, vermutlich deswegen, weil wir zuvor im Restaurant «Euro–Grill» einen ziemlich guten roten Hauswein erwischt haben. Im «Euro–Grill» sitzen wir übrigens wieder einmal auf der geräumigen, überdachten Terrasse. Die Tische stehen dort relativ weit auseinander und deshalb ist es nicht beengt. Bei der Bestellung wundern wir uns, dass die junge, weibliche Bedienung sich nichts notiert. Obwohl beinahe jeder von uns etwas anderes essen will, geht das zaundürre Mädel davon aus, sich alles merken zu können. Ein paar Minuten später kommt sie dann doch mit einer Entschuldigung auf den Lippen an unseren Tisch und fragt nach. Jetzt macht sie sich auch Notizen.

Es ist aber auch schwierig mit uns: Es wird versucht, das Speisenangebot abzuändern, wo es nur geht und das teilweise in tiefstem Bayrisch: «Pommes frites mog i ned, ham’s koane Katoffeln? Wann’s koane Bratkatoffeln ham, nehm i a Soizkattoffeln! San die Kattoffeln gloa oda groß g’schnittn? Mangoid mog i ned, ham’s koan Spinod? Gibt’s an Djuvec–Reis? Is Knofi drin oda ned? Gibt’s a Lammhirn? Ham’s an Guakensalod? Wos is’n do ois drin? Ham’s Pepperoni? Aba scharfe und rot miassn’s sei! Ham’s a Weißbia? Sto Gramm Grappa, aber nur vor die Essen! Haben Sie dunkle Franziskaner Weißbier? Ham’s an Aschnbecha?»

Übrigens, beim Djuvec scheiden sich die Geister. Seit dem Bürgerkrieg beharren manche der auf dem Balkan lebenden Volksstämme darauf, die Erfinder bestimmter Rezepte oder Erzeugnisse, wie zum Beispiel des Djuvec–Reis’, der Bohnensuppe oder des Pflaumenschnapses zu sein. Bei Bestellungen im Restaurant sollte man daher stets Bedacht walten lassen. Darüber habe ich schon des öfteren mit meiner Mannschaft gesprochen.

Zurück zum Restaurant «Euro–Grill». Die Getränke werden ziemlich schnell an den Tisch gebracht, jedoch besteht bei uns immer die Gefahr, dass es auch bei prompter Versorgung zu spät sein könnte. «Auf’s Haus» geht noch eine leckere Pastete als Vorspeise und kurz danach wird schon das Essen serviert. Es wird aber auch Zeit, denn tagsüber haben wir nicht viel gegessen, manch einer auch gar nichts. Die Rechnung stimmt auch, es sind aber nicht mehr die Billigpreise früherer Jahre.

Zurück in der Pension «Surina» wird die Wohnküche des Appartements im Erdgeschoß in eine Spielhölle verwandelt. Weiter oben im Bericht ist schon erwähnt, dass der Wein nicht besonders schmeckt, aber man kriegt ihn gerade noch so hinunter. Wie immer verliere ich beim Schafkopf enorme Summen. Von den Mitspielern auf den großen Geldhaufen an meiner Tischecke angesprochen, erkläre ich unter Seglereid, eine große Menge Geldes, das heißt, relativ viel, auf jeden Fall nicht zu wenig oder zumindest etwas davon bereits vor Spielbeginn herausgelegt zu haben. Der große Berg mit Münzen an meiner Ecke des Tisches täuscht nur einen Gewinn vor. Warum glaubt mir denn keiner?

Eine halbe Flasche gekauften Weines bleibt beim Schafkopfen unausgetrunken, so dass sie jemand mit ins Zimmer nehmen muss. Ob
a) erstens Heiko den Wein weggeschüttet hat, ist nicht geklärt und
b) zweitens Hans schnarcht, bekomme ich nicht mehr mit.
Hundemüde falle ich in die Koje und penne durch bis kurz vor 0600 am nächsten Morgen.

Weiter geht es im nächsten Berichtsteil.



 

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