Segeltörn im April 2014 – kroatische Adria

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Berichtsteil 1

Hinweis zum Stil meiner Segelberichte

Liebe Leserinnen und Leser meiner Internetseiten!
Meine Segelberichte enthalten viel Persönliches. Dazu möchte ich Folgendes sagen: Bevor ich mit dem Anfertigen von Internetseiten begann, habe ich nicht bebilderte Segelberichte auf Papier gedruckt und jedem Mitsegler ein Exemplar davon ausgehändigt. Durch das Einstellen der Segelberichte in das Internet kann nun das Ausdrucken auf Papier entfallen, da alle meine Mitsegler die Möglichkeit haben, zum Lesen der Berichte ins Internet zu gehen. Auch das umständliche Austauschen der Fotos kann damit entfallen. Außerdem leben zwei Sprösslinge meiner Mitsegler weit entfernt von zuhause in anderen Erdteilen und können auf diese Weise bequem und im Großen und Ganzen journalistisch unverfälscht erfahren, wie vorbildlich sich ihre Väter in den Urlaubsreisen verhalten. Gerade deshalb verwende ich oft auch sehr vorsichtig gehaltene Formulierungen. Ist jetzt alles klar?


Vorbereitung auf den Segeltörn und Anreise

2012 und 2013 mussten leider »törnfreie« Jahre bleiben. Grund dafür war nicht etwa eine aufgekommene Unlust am Segeln beim Skipper oder bei der Crew. Nein, das hatte verschiedene Gründe, deren Erörterung nicht hierher gehört.

Der nachstehende Bericht wurde wieder vom Betreiber dieser Internetseite, also von mir (Stefan), verfasst. Gleichzeitig hatte ich die Ehre, den Segeltörn organisieren und als Skipper fungieren zu dürfen. Die hier gezeigten Bilder, die – wie alle anderen Bilder auf meiner Internetseite – zur Verkürzung der Ladezeiten einen erheblichen »Pixelschrumpfungsprozess« über sich ergehen lassen mussten, stammen teils von den Crewmitgliedern und auch von mir selbst.

Jeder von mir hier beschriebene Segeltörn sollte eigentlich unter einem besonderen Motto stehen. »Regenwol–
kenausweichtörn«
wäre wohl der für diesen Törn zutreffendste Leitspruch.

Ausgangshafen für unseren Segeltörn vom 26. April bis zum 3. Mai 2014 ist die ACI Marina in Split (Kroatien). Bei der PITTER Yachtcharter GesmbH mit Sitz in Hartberg (Ősterreich) charterte ich im Januar dieses Jahres eine Bavaria 49 mit 5 Kabinen. Da wir heuer (für meine norddeutsche Leserschaft: das ist ein in Süddeutschland und in Ősterreich gebräuchlicher Ausdruck für »in diesem Jahr«) sieben Personen sind, muss es wieder einmal etwas Grőßeres sein. Dennoch müssen die zwei Achterkabinen mit je zwei Personen belegt werden, weil die beiden Seitenkabinen im Vorschiff mit ihren übereinander angebrachten Kojen relativ klein sind und aus diesem Grund jeweils nur von einer Person bewohnt werden sollen. Das wurde vor dem Tőrn auch so abgesprochen.

Vorstellung der Crew und unsere Übernachtungspension »SURINA«
Wer ist außer mir noch dabei? Herbert (Co–Skipper), Andreas, Lothar, Eberhard, Eugen und unser »Jüngster«, Heiko. Bei der Hinreise ist wieder eine Übernachtung in der netten und preisgünstigen Pension »SURINA« im kleinen Ort Rupa unmittelbar nach der Grenze von Slowenien zu Kroatien geplant. Einiges zu dieser Pension steht schon im Berichtsteil 1 über unseren Segeltőrn im Mai 2011. Die Betreiberin der Pension, Frau Željka Surina, spricht neben ihrer Muttersprache Kroatisch auch Italienisch, Englisch und Deutsch. Da der Ort Rupa unmittelbar an der slowenischen Grenze liegt, gehe ich einmal davon aus, dass sie auch Slowenisch beherrscht. Es gibt auch eine Präsentation im Internet (http://www.surina.hr/), allerdings stimmt die dort angegebene E–Mail–Adresse nicht mehr. Die neue E–Mail–Adresse lautet »pansionsurina@gmail.com« (Stand: April 2014). Hier bitte auf die richtige Schreibweise ...pansion... achten! Für Interessierte beschreibe ich mal kurz die Anreise nach Rupa: München, Salzburg (Ősterreich), Tauernautobahn, Villach, Karawankentunnel (Slowenien), Ljubljana, E61/E70 Richtung Triest/Koper, Ausfahrt Postojna Richtung Rijeka, Grenze Slowenien / Kroatien, etwa 500 Meter nach dieser Grenzstation die erste Ausfahrt nehmen und etwa 3 km bis Rupa. Im Ort an der Kreuzung (bei der Tankstelle) links und dann ist die Pension schon zu sehen.

Donnerstag, 24. April 2014

Eugen und sein fehlender Reisepass
Am Abend vor der Abreise erhalte ich um 1845 (das ist die navigatorische Schreibweise für die Uhrzeit) einen Anruf von Eugen. Er teilt mir mit, keinen Pass zu haben, denn dieser sei bei einem Reisebüro, welches für ihn ein Visa für die GUS–Staaten (ich nenne es »Russland«) besorgen soll. Da ich davon Kenntnis habe, dass Eugens Personalausweis vor etwa 18 Monaten abgelaufen ist, erkenne ich sofort den Ernst der Lage. Eugen ist zwar volksdeutscher Herkunft, aber in Krasnowodsk (Turkmenistan) geboren und lebte die ersten paar Jahrzehnte seines Lebens in dieser Stadt am Ostufer des Kaspischen Meeres. Dabei hat er sich wohl einiges an unguter Lebensart seiner russischen (Entschuldigung, ich unterscheide nicht zwischen Russen und Turkmenen) Mitbürger zu eigen gemacht. Obwohl er schon viele Jahre in Deutschland lebt, bemerkt man bei ihm immer wieder einen gewissen Hang zur Gleichgütigkeit, wenn es darum geht, am Ziel der Gruppe mitzuwirken. Und das Ziel unserer Gruppe ist nun einmal ein schőner, mőglichst reibungslos ablaufender Kurzurlaub. Aber Eugen ist trotz des fehlenden Reisedokuments die Gelassenheit in Person und sagt vermutlich zu sich selbst: »Irgend jemand von unserer Gruppe wird mir schon helfen, in den Besitz eines gültigen Reisedokuments zu gelangen und schließlich haben wir ja noch eine ganze Nacht lang Zeit bis zur Abreise!«

Mehr will und brauche ich wohl zu Eugens Mentalität nicht zu sagen. Wer Näheres über Eugen wissen mőchte, der soll bitte den Bericht über den im Mai 2011 gefahrenen Segeltőrn lesen. Ich bin stinksauer, denn ich habe bei den verschiedenen Seglertreffen immer wieder nach den Reisedokumenten meiner Mitsegler gefragt, damit ich die betreffenden Daten in die Crewliste eintragen kann. Stimmen diese Daten nicht mit den beim Eincheck in Split vorgelegten Dokumenten überein, gibt es Probleme. Ist aber gar kein oder kein gültiges Personaldokument vorhanden, braucht man die Reise erst gar nicht anzutreten. Also unterbreche ich das Einpacken meiner Sachen und recherchiere im Internet, wo und auf welche Weise ein Passersatzdokument zu bekommen ist. Eugen ruft dann noch einmal an und sagt, das Reisebüro würde morgen um 0900 őffnen und es befände sich hier in München in der Schwanthalerstraße, es läge also mehr oder weniger an unserem Anreiseweg. Wir sollten alle zusammen morgen zum Reisebüro fahren und er würde dann nachfragen, ob sein Pass mőglicherweise schon vom Visaantrag zurück ist. Was bleibt mir also anderes, dem zuzustimmen und meine Mitsegler anzurufen, dass sich die morgige Abfahrt um mindestens eine Stunde verspäten wird.

Freitag, 25. April 2014
Heute wollen wir uns um 0900 bei Heiko treffen, die Sachen auf Lothars und Eberhards Auto verteilen und dann soll es losgehen. Wie besprochen, habe ich einige Lebensmittel eingekauft, damit wir beim Frühstücken ordentlich reinhauen kőnnen und – falls wir in den kleineren kroatischen Inselorten keine Mőglichkeit zum Einkaufen haben sollten – zu Mittag oder am Abend von unseren Notvorräten zehren kőnnen. Lothar bringt noch zwei Brotlaibe von der Hofpfisterei und drei Gläser echt fränkische »Saure Zipfel« mit. Den Hungertod müssen wir jedenfalls nicht erleiden. Auch 10 Flaschen französischen Weißweins gehen mit auf die Reise nach Kroatien, weil es dort unten angeblich keinen trinkbaren Weißwein gibt, behaupten jedenfalls zwei Mitsegler. Das geht mir alles ein wenig gegen den Strich, denn einerseits werden die Autos randvoll bepackt und andererseits ich ziehe es wegen der erhőhten Bruchgefahr bei starkem Seegang vor, so wenig Glas wie mőglich an Bord zu haben. Aber als Skipper hat man heutzutage ja nichts mehr zu melden, es sind nur noch dessen Motor–, Segel– und Funkscheine gefragt.

Wir treffen uns bei Heiko
Nach und nach treffen wir bei Heiko ein. Wie gestern am Telefon besprochen, war Lothar schon bei der unweit unseres Treffpunkts bei Heiko befindlichen Bundespolizeidirekton München an der Infanteriestraße, um sich nach einem Passersatzdokument für Eugen zu erkundigen. Dort wurde ihm gesagt, dass wir uns an die Dienststelle der Polizei am Autobahngrenzübergang Walserberg wenden sollen.

Wie von mir erwartet, gibt es beim Einräumen unserer Sachen in die zwei Pkw Schwierigkeiten, weil wir – wie immer – viel zu viel dabei haben. Eugen, der nur ein paar hundert Meter von unserem Abfahrtsort entfernt wohnt, trifft frohen Mutes als Letzter ein. Nein, er hat immer noch kein gütiges Reisedokument, er ist eben nur gut gelaunt. Eugen meint, nachdem es mittlerweile schon weit nach 0900 ist, das russische Reisebüro werde jetzt sicher schon geőffnet haben und wir sollten dort vorbeifahren.

Eberhard hat seinen Audi A6 von Garching bei München bis zu meiner Wohnung in München–Moosach gesteuert, immerhin sind das etwa 15 km. Das reicht für Eberhard und er nimmt, nachdem ich meine Sachen in seinem Pkw verstaut habe, auf dem Beifahrersitz Platz. Unaufgefordert setze ich mich dann später, als wir bei Heiko abfahren, wieder ans Steuer, weil ich weiß, dass Eberhard auf einer ihm nicht bekannten Strecke nicht gern Auto fährt und steuere die Schwanthalerstraße in München an. Kurz bevor wir diese Straße erreichen frage ich Eugen, wo genau sich das Reisebüro befindet. Er sagt: »Hausnummer weiß ich nicht, aber wenn wir sind in Giesing, dann sage ich dir schon, wohin«. Ich frage: »Warum sollen wir nach Giesing fahren, die Schwanthalerstraße ist doch gleich hier um die Ecke?« Eugen, ganz die Ruhe selbst: »Ach, habe ich euch falsche Straße gesagt? Nein, ich meine doch Schwanseestraße in Giesing«. Nachdem das nun geklärt ist, steuere ich die Schwanseestraße an. Eugen lotst mich zum russischen Reisebüro, geht dort hinein und kommt mit winkender Hand, darin seinen Pass haltend, zu uns ins Auto. Sie hätten keine Zeit gehabt, ihn anzurufen, um ihm zu sagen, dass sein Pass schon vom Visaantrag zurück sei. Wer´s glaubt!

Wie vereinbart, ist Lothar dem Umweg zum Reisebüro nicht gefahren. Als Treffpunkt ist die Raststätte Samerberg an der Autobahn München–Salzburg vereinbart, wo wir die Vignetten für Ősterreich kaufen wollen. An diesem Rastplatz gibt es nur einen kurzen Halt. Die 10–Tages–Vignetten werden an die Windschutzscheiben unserer Pkw geklebt und es geht bei sehr ruhigem Verkehr weiter. Lediglich bei Salzburg ist der Verkehr stockend, aber schon vor dem Gollinger Tunnel geht es wieder zügig dahin.

An der Raststätte Samerberg kaufen wir die Vignetten für Ősterreich. Herbert (links), Andreas (rechts daneben), Heiko (Mitte), Lothar (Zweiter von rechts) und ganz rechts ich (Stefan):
Vignettenkauf an der Raststätte Samerberg

Herbert ist mal kurz eingenickt







Herbert schenkt dem Lenker des Kfz wohl sein vollstes Vertrauen und ist eingenickt:


Der nächste Halt ist an der Raststätte Feistritz im Drautal. Hier erwerben wir für Slowenien zwei Vignetten (Gültigkeit: 30 Tage) á 30,00 Euro. Vignetten mit einer kürzeren Gültigkeitsdauer und zu einem geringeren Preis gibt es nicht. Die slowenischen Straßenräuber lassen grüßen. Reibungslos geht es weiter, vorbei an Villach und dann durch den Karawankentunnel nach Slowenien. Der Tunnel in Ljubljana ist bereits fertig, man muss sich also nicht mehr durch die Stadt quälen, aber trotzdem gibt es nach dem Tunnel einen ewig langen Stau, der sich auf der A1 (E61/E70) etwa bis zur Ausfahrt Logatec hinzieht. Danach fließt der relativ dichte Verkehr wieder gut dahin. An der Ausfahrt Postojna verlassen wir die Autobahn und fahren auf der Straße Nr. 6 knappe 45 km bis zur Grenze zwischen Slowenien und Kroatien. Dort tauschen wir gegen 1715 Uhr bei einem Kurs von 7,045 (Provision wird hier nicht verlangt) für die Bordkasse und für uns persőnlich Euro gegen Kroatische Kuna ein. An der Grenze beginnt die nach Rijeka führende gebührenpflichtige kroatische Autobahn. Nach 500 Metern geht es bei der ersten Ausfahrt schon wieder herunter von der Autobahn und wenige Minuten später parken wir unsere Autos im Ort Rupa an der Pension »SURINA«.

Frau Zeljka Surina






Frau Željka Surina, in deren Pension wir uns immer sehr wohlfühlen:




Wir sind gegen 1730 wohlbehalten an der Pension »SURINA« angekommen. Eberhard trägt die heute angefallenen Ausgaben in das Bordkassenheft ein, zählt das Geld und trinkt dabei ein Glas kroatisches Wasser, wovon uns Frau Surina eine kleine Flasche bei unserer Ankunft geschenkt hat:
Eberhard mach in Rupa die Bordkasse

Eberhard soll die lästige Arbeit mit der Bordkatze nicht allein machen und wir wollen ihm deshalb dabei helfen. Herbert (links) und Heiko fangen schon einmal mit der Hilfe an. Wenn man das Bild grőßer macht, erkennt man an dem Etikett auf der Flasche, dass es sich um das kroatische Wasser der Marke »Jana« handelt, nur die kleinen Gläser passen nicht:
Herbert und Heiko trinken Jana–Wasser

Nachdem die für die Übernachtung notwendigen Sachen in die Pension getragen sind, machen wir uns auf den Weg und gehen zu dem etwa 200 Meter entfernten Restaurant »Euro–Grill«. Das ist nun schon unser üblicher Weg, denn all die Jahre wurde dort bei vernünftigen Preisen bestens für unser leibliches Wohl gesorgt und das sollte auch heuer wieder so sein.

Den italienischen Pensionsgästen sind wir wohl etwas zu laut
Vom Abendessen zurück in der Pension wird der Frühstücksraum im Haupthaus wieder zur Spielhőlle. Es wird geschafkopft, dass sich die Balken biegen. Frau Surina hat den Kühlschrank für uns aufgefüllt und wir wollen nicht unhőflich sein und sie die Arbeit umsonst tun haben lassen. Kurz vor Mitternacht erscheint sie und bittet uns, doch etwas leiser zu sein, denn die im Haupthaus wohnenden italienischen Gäste würden angeblich in ihrem Schlaf gestőrt. Obwohl wir das Gefühl haben, nicht laut zu sein, versprechen wir, den Geräuschpegel herunterzufahren und nach dem Leertrinken des Kühlschranks schnellstens unsere Schlafräume aufzusuchen. Nun sind ja 20 Flaschen B... für sieben Mann nicht eben viel, wobei allerdings die Fahrer in Anbetracht der in Kroatien geltenden Promillegrenze und der morgen bis zur ACI Marina in Split noch zurückzulegenden 440 km nur vorsichtig an diesem Getränk nippen und zwei Mitsegler das B... kategorisch ablehnen und stattdessen den in München besorgten franzősischen Weißwein genießen.

Ach ja, beim Schafkopfen habe ich – so wie eigentlich immer oder meistens oder manchmal – Geld verloren. Wie die grőßere Menge an Kleingeld dennoch in mein Portemonnaie gelangt ist, bleibt mir ein Rätsel. Gute Nacht!

Wie es weitergeht, steht im nächsten Berichtsteil.



 

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