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Segeltörn im Mai 2015

Berichtsteil 1

Planung und Vorbereitung

Vorbemerkung zu diesem Bericht

Dieser Bericht leidet unter einem Mangel an Bildern. Das soll nicht bedeuten, dass während des Segeltörns keine Fotos gemacht wurden, nein, es gibt derer sogar so viele, dass ich mich beim Anfertigen des Berichts schwer tue, aus der Masse die geeigneten herauszusuchen. Nur besteht ein absoluter Mangel an Bildern zum Thema Segeln. Deshalb enthält dieser Bericht auch zahlreiche anderweitige Illustrationen, wie zum Beispiel solche über die landestypische Fauna und Flora (ich sage nur: Frösche und Blumen). Die Fotografen, die ich mit diesem Hinweis ansprechen will, wissen schon, wer und was gemeint ist.

Die Familie muckt auf

So um Weihnachten 2014 herum muckt die Familie auf, weil sie sich von mir vernachlässigt fühlt, denn ich hätte in letzter Zeit nur mit meinen Freunden Segeltörns gefahren. Ein kurzer Blick in meine Logbuchaufzeichnungen erstickt den bei mir aufkommenden Widerspruch im Keim. Bei einer gerechten finanziellen Beteiligung wäre ich selbstverständlich gern bereit, wieder einmal die Organisation des Törns zu übernehmen und den Skipper zu spielen. Mein älterer Sohn Andreas, der zwischenzeitlich die amtlichen Dokumente Sportbootführerschein See (zumeist kurz Motorbootführerschein genannt), den Sportküstenschifferschein (kurz SKS oder Küstenschifferschein) und die Lizenz zum Betreiben des Funkgeräts an Bord erworben hat, verzichtet gern auf dieses Amt, welches bekanntlich nicht nur mit seemännischen Ehren, sondern auch mit gewissen Haftungsrisiken verbunden ist. Aber, innerhalb der mit jungen, ehrgeizigen Volljuristen gut bestückten Familie dürfte die Haftungsregelung im Schadensfall doch kein Problem sein, oder?

Charter und Anreise

Wie beim letzten Segeltörn im April/Mai 2014 und in ebenso in vielen Jahren zuvor miete ich bei der PITTER GesmbH mit Sitz im österreichischen Hartberg eine Bavaria 46 Cruiser, Baujahr 2007, mit Übergabe- und Rückgabehafen Biograd na moru (Kroatien) an, denn mit diesem Charterunternehmen gab es in der Vergangenheit sowohl hinsichtlich der Vertragsabwicklung als auch der bereitgestellten Segelyachten keinerlei Probleme.

Am dritten Tag vor der geplanten Abreise erhalte ich von PITTER die Information, dass die von mir gecharterte Bavaria 46 Cruiser Grundberührung hatte und für einige Wochen nicht zur Verfügung stehen werde. Als Ersatzschiff wird mir eine Bavaria Cruiser 50, Baujahr 2012, angeboten, selbstverständlich ohne Aufpreis. Des einen Pech (oder war es Leichtsinn?), des anderen Glück: Schnell fülle ich den neuen Chartervertrag aus, schreibe eine neue Crewliste (da war lediglich der Schiffsname zu änderen, aber das ließ sich online nicht machen, schade) und unterschreibe den auf das neue Schiff lautenden Vertrag über die Kautionsversicherung. Alle Unterlagen gehen per Fax bzw. per E-Mail an PITTER und damit hat sich die Sache. Meine Herren Söhne und ihre lieben Lebensgefährtinnen werden von der Schiffsänderung nicht informiert, denn sie sollen am Steg in Biograd na moru ein wenig Spaß bei Suchen nach der ursprünglich angemieteten Segelyacht haben.

Da wir bei der Hinfahrt wieder einmal in der Pension Surina übernachten wollen, erfolgt die Anreise über den kleinen Ort Rupa an der Grenze von Slowenien zu Kroatien. Wer Details über diese Pension wissen möchte, der mag bitte in den Berichten über die Segeltörns im Mai 2011 und April 2014 (jeweils im Berichtsteil 1) nachlesen.
 

Törnverlauf

In den nächsten beiden Bildern ist der ungefähre Verlauf des Segeltörns eingezeichnet. Zum Einzeichnen der Kurse habe ich meine DELIUS-KLASING Sportbootkarte 732/830 (Norddalmatien, Zadar - Kornaten - Šibenik), berichtigt bis zur Woche 01/2008, verwendet.
Karte von BIOGRAD bis SKRADIN
Verlauf des Törns - Teil I
Karte groß (1.085 KB): Hier klicken
Karte von MOLAT bis BIOGRAD
Verlauf des Törns - Teil II
Karte groß (673 KB): Hier klicken

Freitag, 1. Mai 2015

Nachdem Thomas am Vormittag noch seinen beruflichen Verpflichtungen bei der Maikundgebung auf dem Münchner Marienplatz nachgekommen ist, brechen wir gegen 1300 (navigatorische Schreibweise der Uhrzeit) mit zwei voll beladenen Pkw auf. Für Thomas und Carola sind einige Dinge mit eingepackt, vor allem für dem kleinen Hunger und das Naschen zwischendurch. Tina ist eine Vertreterin der fleischlosen Fraktion und sie will sichergehen, in Kroatien nicht von ihren Ernährungsgewohnheiten abweichen zu müssen. Deshalb wird in den Pkw schon mal die eine oder andere Dose oder Verpackung verstaut, die bei meinen bisher gefahrenen Männertörns nur ungläubiges Kopfschütteln hervorgerufen hätte, denn derartiger Ballast bestand bei unseren Segeltörns mit maskulin geprägten Crewlisten ausschließlich aus einer angenehm trinkbaren Flüssigkeit. Bei Andreas gibt es in ernährungstechnischer Hinsicht keine Probleme, er ißt rot und grün und freut sich schon auf den in Kroatien angebotenen gegrillten oder in der Salzkruste gebackenen Fisch. Angelika, meine liebste Ehefrau, benötigt keine Sonderrationen, denn sie hat ja mich und ihr genügt es, wenn sie wieder einmal zusammen mit den Kindern einen Urlaub verbringen kann. Und ich, Stefan, habe ebenfalls keine Sonderwünsche, für die noch besonderer Stauraum in den beiden Pkw freizuhalten wäre, allein der Spaß am Segeln soll in Kroatien meinen Hunger und Durst stillen.

Ankunft und Übernachtung in Rupa

Bei relativ wenig Verkehr auf der deutschen und noch weniger auf der österreichischen Autobahn lösen wir um 1515 an der Mautstelle St. Michael die Tickets für die Benutzung des Tauern- und des Katschbergtunnels (pro Pkw bis 3,5t = EUR 11,00). Die 10-Tages-Vignetten für Österreich (pro Pkw = EUR 8,70) kleben bereits an den Windschutzscheiben, ebenso die für Slowenien (hier kam nur die Monats-Vignette á EUR 30,00 in Frage, da die 7-Tages-Vignette nicht ausreichte). Kurz vor 1600 geht es ab von der AB und rein nach Spittal an der Drau zum Tanken. Für den Karawankentunnel zwischen Österreich und Slowenien werden pro Pkw EUR 7,00 fällig. Bei Lubljana wird der Verkehr - wie eigentlich immer - dichter, obwohl der Tunnel, bei dessen Benutzung die Stadtdurchfahrung vermieden wird, bereits fertig ist. Nun beginnt es ziemlich heftig zu regnen, doch beim Verlassen der nach Koper/Triest führenden Autobahn an der Ausfahrt Postojna trocknet die Straße bereits wieder ab. 15 Minuten vor 2000 wechseln wir an der Grenze von Slowenien zu Kroatien zu einem Kurs von 7,0455 für die Bordkasse und unseren Privatverbrauch Euro in Kroatische Kuna (HRK). Später werden wir in Skradin für einen Euro 7,292 HRK und in Biograd na moru 7,340 HRK erhalten. Von der Grenze bis zur Pension Surina sind es jetzt Luftlinie nur ein paar hundert Meter, über die Autobahn, die wir bis Rupa noch benutzen müssen, sind es wenige hundert Meter mehr. Gegen 2000 treffen wir an unserem Nächtigungsquartier ein und werden wie immer auf's herzlichste willkommen geheißen. Schnell sind die für das Übernachten benötigten Dinge in die Zimmer gebracht und es geht zu Fuß in das benachbarte Restaurant Euro Grill. Bei zuvorkommender Bedienung genießen wir das sehr feine Abendessen und stimmen uns auf den Segelurlaub ein.
 

Samstag, 2. Mai 2015

Nach einem sehr reichhaltigen Frühstück machen wir uns an die Weiterreise und es geht bei Rupa auf die Autobahn. An der bald erreichten Zahlstelle werden für das Stück bis Rijeka pro Pkw 8,00 HRK fällig. Etwa 10 Minuten später zeigt sich im Dunst des Vormittags weit unten in der Bucht von Rijeka die Adria. Nun geht es stetig bergab, bis die Straße wieder anzusteigen beginnt und zwischen die gebirgigen Erhebungen des Gorski Katar und des Velika Kapela hinauf führt. An der nach dem Flughafen und Auto-Motodrom Rijeka folgenden Mautstelle ziehen wir die Tickets und verlassen die A6/E65 bei Vrbovsko wieder, wo pro Pkw 31,00 HRK zu entrichten sind. Ich will wieder einmal die Abkürzung nach Ogulin nehmen und dort wieder auf die nach Split führende Autobahn auffahren. Das war jetzt garantiert das letzte Mal, denn die Straße ist im ersten Teilstück sehr kurvenreich und in einem erbärmlichen Zustand, so dass Carola schon an Land beinahe seekrank wird. Kurz vor Ogulin ist die Straße wieder in Ordnung und nach dem Ort erfolgt die Weiterreise auf der A1/E71 mit wenigen und kurzen Pausen bis zur Ausfahrt Maslenica. Dort entrichten wir für die Strecke von Ogulin bis hierher 72,00 HRK je Pkw. Ich möchte den Neulingen unter uns den Ort Obrovac am Zrmanja-Flusstal zeigen, was wegen der noch immer zu sehenden hässslichen Zerstörungen als Folge des Balkankonflikts gegen Ende des 20. Jahrhunderts, der wiederum kurvenreichen Straße und eines schon seit geraumer Zeit aufgekommenen Toilettenbedürfnis bei einer Törnteilnehmerin nicht gut ankommt. Aber schließlich kommen wir doch heil in Biograd na moru an, finden dort aber den PITTER-Steg nicht auf Anhieb, denn wir suchen den Steg im alten Teil der Marina. Doch dann klappt es, die Zufahrt zum PITTER-Steg befindet sich direkt an der Fährpier. Man muss nur eine Lücke in der Schlange der auf die Fähre nach PAŠMAN oder UGLJAN auffahrenden Pkw erwischen und den Mut haben, zwischen diesen Autos schnell hindurchzufahren und dann stark vor der Schranke am Marinaparkplatz abbremsen. Andreas, der hinter uns herfährt, hat die etwas brenzlige Situation erkannt und wartet mit dem Durchqueren der Autoschlange, bis unser Auto schon sicher auf dem Parkplatz steht. Irgendwie kommt mir die ganze Verkehrssituation orientalisch vor.

Am Steg 12 ist unsere Bavaria 46 Cruiser nicht zu entdecken

Nach der Anmeldung im PITTER-Büro gehen wir alle zum Steg 12, an welchem unsere Segelyacht liegen soll. Meine Frau und ich lassen uns etwas zurückfallen und meine Herren Söhne und ihre Begleiterinnen vorgehen, damit sie die Bavaria 46 Cruiser suchen können. Natürlich können sie diese Segelyacht wegen der eingangs beschriebenen Umstände nicht finden. Deshalb sind auch Überraschung und Freude besonders groß, als ich
Unsere Bavaria Cruiser 50 Grey Panther
Unsere Bavaria Cruiser 50 Grey Panther
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bei der Grey Panther stehen bleibe und erkläre, dass wir mit diesem etwas größeren und neueren Schiff Vorlieb nehmen müssen (kleine Anmerkung: das hier gezeigte Bild von der Grey Panther wurde am nächsten Tag in der Marina Tribunj aufgenommen). Jetzt gibt es nur noch ungläubiges Staunen. Wir betreten die Yacht und es folgen das übliche erste Kennenlernen sowie einige kurze Erklärungen insbesondere für Tina und Carola, die noch nie an einem Segeltörn teilgenommen haben. Sodann beschließen wir, vor dem etwas anstrengenden Einchecken noch schnell in den Ort zu gehen, um etwas zu essen. Vor Jahren habe ich in der Altstadt eine sehr leckere Pizza verspeist, dorthin will ich meine Familie führen, jedoch ist mir der Name des Restaurants entfallen. Nach kurzem Schlendern in den Altstadtgassen stehen wir vor dem Lokal, dessen Aussehen sich in der Zwischenzeit gewaltig verändert hat und nehmen im Freien Platz. Der Ober spricht perfekt Deutsch, er bedient uns zügig und das Essen schmeckt prima. Tina lobt ihre vegetarische Pizza, was will man mehr? Leider habe ich mir den Namen des kleinen Restaurants nicht notiert, es liegt schräg gegenüber der etwas bekannteren Pizzeria Mamma Mia in der ulica Grgura Ninskog an der Ecke zur ulica kraljice Jelene und ist durchaus eine Empfehlung wert. Unverschämterweise versperrt uns auf dem Rückweg zur Marina eine Eisdiele den Weg und wir müssen uns mit dem Erwerb von ein paar Kugeln köstlichen Eises praktisch freikaufen.

Einchecken, Auslosung der Vorschiffskabine und Einräumen

Wie es schon bei den letztjährigen Segeltörns der Fall war, erhalten wir auch diesmal wieder von Robert, seines Zeichens Angehöriger der PITTER-staff, eine Checkliste, welche wir - zunächst ohne ihn - durchgehen und die Positionen der von uns nicht gefundenen Dinge offen lassen sollen. Robert arbeitet anschließend vorwiegend mit mir, also dem Skipper, die Liste der von uns nicht gefundenen Ausrüstungsgegenstände durch und wickelt dann den technischen Teil ab. Nach etwas mehr als 60 Minuten ist diese lästige, aber notwendige Arbeit des Eincheckens getan.
 
Blick in die Vorschiffskabine der Grey Panther
Blick in die Vorschiffskabine der Grey Panther
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Dann losen Andreas und Thomas mit Schnick-Schnack-Schnuck die Vorschiffskabine aus, wobei Thomas, der ansonsten alle Spiele jeglicher Art gewinnt, gerade diese für Caro so wichtige Auslosung verliert und zusammen mit ihr mit der kleinere Stb-Achterkabine Vorlieb nehmen mus. Ich will Carola, die wegen ihrer nicht gerade kurz geratenen Beine gern bei den Wahlsiegern gewesen wäre, mit einem Freibier zu Lasten der Bordkasse trösten, worauf sie mich ob dieses nicht ganz geglückten Trostversuchs nicht unbedingt freundlich anblickt. Doch der Schmerz über die verlorene Wahl ist bald verkraftet und wir besorgen uns einen Tansportwagen, karren unsere Sachen vom Parkplatz auf den Steg und balancieren mit den schweren Taschen über die Gangway auf das Schiff. Stauraum gibt es mehr als genügend, zumal die Bb-Seitenkabine für die Bewohner der Achterkabinen zum Unterbringen der Taschen reserviert ist, denn die Kabine im Vorschiff gleicht einem Tanzsaal und hat Platz genug zum Verstauen.

Schiffs-Sicherheitsweinweisung, Technisches, erste Nacht an Bord

Nach dem Einräumen unserer Sachen folgt die obligatorische Schiffs-Sicherheitseinweisung und die Zuteilung der schon zuhause besprochenen Rollen für den Notfall. Jetzt erkläre ich etwas ausführlicher als beim ersten Betreten der Segelyacht die technischen Einrichtungen. Jeder muss in der Lage sein, die Toilette und die Seeventile richtig zu bedienen und den Motor in Betrieb zu setzen.
Schild: Daten der Grey Panther
Schild mit den Daten der Grey Panther
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Der Stand des Motor-Betriebsstundenzählers wird von mir im Logbuch mit 1.917,1 Stunden notiert und es wird kontrolliert, ob der von der Vorgänger-Crew stammende, auf der Logge angezeigte Tages-Trip auf Null gesetzt ist. Für alle, die es interessiert, zeige ich mal das über dem Niedergang angebrachte Schild mit den wichtigsten technischen Daten der Grey Panther.

Langsam wird es Zeit für den Nachschub an Nahrung und Getränken. Ein Teil der Crew geht derweil zum Duschen, der andere Teil richtet inzwischen im Salon das Abendessen her. Heute wollen wir ohnehin nicht mehr auslaufen und wir freuen uns auf einen gemütlichen Abend an Bord. Als die Bäuche gefüllt sind, wird schnell noch der Abwasch erledigt. Wer noch nicht beim Duschen war, der sucht die jetzt zu sehr später Stunde noch immer überlasteten Sanitäranlagen auf. Es ist halt Samstag und da herrscht dort in jeder Marina voller Betrieb.

Gute Nacht!

Anreise: Distanzen, Mautgebühren
Distanzenkm
München bis Rupa (Kroatien):505
Distanz (Anreise):847
MautgebührenEURO
10-Tages-Vignetten für Österreich - pro Pkw = EUR 8,70 (2 Pkw):17,40
Tauern- und Katschbergtunnel - pro Pkw bis 3,5t = EUR 11,00 (2 Pkw):22,00
Karawankentunnel - pro Pkw = EUR 7,00 (2 Pkw):14,00
Monats-Vignetten für Slowenien - á EUR 30,00 (2 Pkw):60,00

Im nächsten Berichtsteil geht's weiter.

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