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Segeltörn im Mai 2015

Berichtsteil 4


Dienstag, 5. Mai 2015


Stefans (mangelndes) Umweltbewusstsein

Der Wetterbericht des Seewetterzentrums Split von 0600 sagt für heute SE-Wind mit 6-16 kn (2-5 Bft) voraus. Das wäre für unser heute ins Auge gefasstes Tagesziel, die ACI Marina Žut am nordöstlichen Ende der Insel ŽUT eigentlich ideal. Also beeilen wir uns etwas mit dem Frühstück und dem Abwasch, den Tina und Andreas nur ungern auf dem Schiff erledigen wollen, den sie haben Bedenken wegen des nach aussen abgeleiteten Abwassers. Ich, als ein nur dem Grunde nach umweltbewusster Mensch habe mir darüber eigentlich noch nie viele Gedanken gemacht und entsorge die auf dem Schiff anfallenden Abwässer unter strenger Beachtung des MARPOL-Abkommens so, wie ich es bei meiner Segelausbildung gelernt habe und wie es die anderen zehntausend Bootssportler in diesem Segelrevier eben auch tun. Schließlich müssen seit einigen Jahren auch Sportboote mit Abwassertanks ausgerüstet sein.

Skradin: vom Cockpit unserer Grey Panther aus gesehen
Skradin: vom Cockpit unserer Grey Panther aus gesehen
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Bild links:
Andreas steht im Niedergang unserer Grey Panther und hält die Gebäude an der Wasserfront von Skradin in einem Foto fest.

Nachdem wir die Liegegebühr für die ACI Marina Skradin entrichtet haben, hat Carola, unsere Bordkassenverwalterin, HRK 681,00 weniger mit sich herumzuschleppen. Gegen 1015 besprechen wir das Ablegemanöver und Thomas klemmt sich hinter das Ruder. Die Fender lassen wir noch außerbords hängen, weil wir bei dem wenigen Wind noch schnell das Anlegen achteraus am Stegkopf simulieren wollen, denn es gilt auch deim Segeln der Spruch, dass nur Übung den Meister macht.
Thomas beim Ablegen in Skradin
Thomas beim Ablegen in Skradin
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Bild links:
Nachdem Thomas den Stegkopf beim simulierten Anlegemanöver unbeschädigt gelassen hat, verabschieden wir uns von diesem hübschen Nest und steuern zunächst den Prokljansko jezero an.
 
Blick zurück auf Skradin
Blick zurück auf Skradin
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Bild links:
Blick zurück auf Skradin.


Nach dem Ablegen in Skradin: Tina läßt die Brückendurchfahrt kalt
Skradin: Tina läßt die Brückendurchfahrt kalt
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Bild rechts:
Obwohl schon wieder eine Brückendurchfahrt ansteht, sitzt Tina vollkommen unbekümmert auf dem Vorschiff. Ihre an den Tag gelegte Ruhe ist ja eigentlich logisch, denn die Durchfahrtshöhe wird sich seit gestern nicht wesentlich geändert haben, es sei denn, es hat wieder eine geologische Absenkung des Untergrunds stattgefunden. Aber, solchen Barawitzka-Sprüchen des Skippers glaubt jetzt niemand mehr.

11:00 Uhr: Einfahrt in den Prokljansko jezero
11:00 Uhr: Einfahrt in den Prokljansko jezero
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Bild links:
Um 1100 fahren wir in den spiegelglatten Prokljansko jezero ein, queren dieses Binnenmeer mit 183° und fahren dann weiter auf dem Krka-Fluss in Richtung Šibenik, wo wir dann in den Kanal Sveti Ante einbiegen werden.

11:12 Uhr: Die Ausfahrt aus dem Prokljansko jezero kommt in Sicht.
1112: Die Ausfahrt aus dem Prokljansko jezero kommt in Sicht.
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Bild rechts:
12 Minuten nach der Einfahrt in dieses Binnenmeer kommt die Ausfahrt aus dem Prokljansko jezero in Sicht, allerdings muss man da schon genau hinsehen oder nach Kompass fahren, was besonders bei unsichtigem Wetter zu empfehlen ist. Die Steuerung nach GPS geht natürlich auch.

12:20 Uhr: Einfahrt in den Kanal Sv. Ante
12:20 Uhr: Einfahrt in den Kanal Sv. Ante
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Bild links:
Nachdem wir vor wenigen Minuten wieder unter der Stromleitung und der Šibenski most durchgefahren sind (allerdings heute ohne die geringste Aufregung - siehe Berichtsteil 3) biegen wir um 1220 in Höhe der Stadt Šibenik nach Stb in den Kanal Sveti Ante ab. Bald uns das richtige Meer wieder haben, denn der Fluss Krka ist ja bis Skradin lediglich Salzwasser.
Im Kanal Sv. Ante: Blick zurück auf Šibenik
Im Kanal Sv. Ante: Blick zurück auf Šibenik
 

Guter Wind zum Segeln

Die Festung Sveti Nikola am westlichen Eingang des Kanal Sv. Ante liegt um 1230 an Bb querab. Gleich nach dem Ende dieses Kanals werden die Segel gesetzt, denn der Wind bläst jetzt mit 3 Bft beinahe aus der richtigen Richtung. Unter
Karte von ZLARIN bis CAVLIN
Karte von ZLARIN bis CAVLIN
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Segeln wollen wir auf die Passage zwischen ZMAJAN und OBONJAN zuhalten, doch der SW-Wind drückt uns zu nahe an die östliche Begrenzung des mit kardinalen Seezeichen markierten Untiefengebiets Plič Roženik und wir müssen wenden. Mit voller Fahrt geht geht es auf die N-Huk von ZLARIN zu und beim Erreichen der 5-Meter Wassertiefenlinie wenden wir erneut. Jetzt geht es in einem Strich hinüber zur Insel TIJAT, genau gesagt zur S-Huk dieser Insel, dem Rt Tijašćica. Die Passage zwischen ZMAJAN und OBONJAN können wir leider nicht direkt ansteuern. Thomas steht am Ruder und Andreas hält den am-Wind-Kurs in einem kurzen Videoclip (32.264 KB) fest.

Auf dem Video-Poster ist gerade noch die Küstenlinie an der Ausfahrt vom Kanal Sv. Ante zu erkennen. Dahinter ragen die Berge bei der Stadt Šibenik auf. Die bewaldete Landzunge bei Thomas' rechtem Bein gehört zur Insel ZLARIN.


Bei ZLARIN: Thomas steht am Ruder bei 3 Bft
Bei ZLARIN: Thomas steht am Ruder bei 3 Bft
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Bild rechts:
Für diejenigen Leser, die das Video nicht betrachten können (veralteter Browser?), zeige ich hier ersatzweise ein bei der Insel ZLARIN zeitgleich mit dem Video aufgenommenes Bild und erwähne nur kurz, dass die folgenden Minuten das wahre Segeln bedeuten. Unsere Grey Panther zischt wieder einmal mit 7 - 8 Knoten dahin. Eine weit vor uns fahrende Segelyacht ist schnell eingeholt. Wir sind schon sehr dicht an ihr dran, als sie vor der kleinen Insel KAMENICA (vor der SE-Küste von TIJAT) plötzlich wendet. Nun hat sie den Wind von Stb und damit Vorfahrtsrecht, was uns zu einem schnellen Wendemanöver zwingt. Mit einem nun SE-lichen Kurs lassen wir die Yacht bald hinter uns, die Inseln OBONJAN und SESTRICA VELI an Stb, sehen an Bb das Seezeichen der Einzelgefahrenstelle Plič Sestre und wenden dann bei SESTRICA MALI. Teile der Crew beginnen eine Mini-Meuterei und drängen mich zum Reffen, was ich im Schutz der letztgenannten Insel dann auch mache. Ich stelle mich schon darauf ein, SOKOL an Bb zu lassen, dann wären uns MIŠNJAK MALI und VELI im Weg und es müsste vor diesen Inseln wieder eine Wende gemacht werden. Doch Thomas holt das letzte an Höhe heraus und SOKOL bleibt an Stb. Tina ist sichtlich erleichtert, dass wir das Wendemanöver vermeiden können.

Der Bullenstander

Jetzt können wir etwas abfallen und auf die SE-Huk von KAPRIJE, dem Rt Lemeš, zuhalten und wenige Minuten später beim Rt Kakan mit beinahe achterlichem Wind in die Passage zwischen KAKAN und KAPRIJE einfahren. Damit keine Patenthalse passiert, kommt der Bullenstander zum Einsatz. Leider hat niemand in dieser reizvollen Durchfahrt fotografiert. Um 1500 kommen wir der SW-Küste von KAPRIJE zu nahe und müssen halsen. Dabei hält Andreas die ausrauschende Großschot zu fest und verbrennt sich die Handinnenseiten. Ja, mein lieber Andreas, auf deiner Jolle wirken halt viel geringere Kräfte!
 
Karte vom Seegebiet MURTERSKO MORE, KORNAT und ŽZUT
Seegebiet MURTERSKO MORE, KORNAT und ŽUT
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Wieder einmal im MURTERSKO MORE

Ich weiß nicht, wie oft ich im MURTERSKO MORE schon gekreuzt bin und jetzt schon tue ich das schon wieder. Die Inseln DUŽAC und ČERUGIL bleiben heute an Bb, am Sonntag passierten wir sie an unserer Stb-Seite. Der Wind schläft mehr und mehr ein und um 1550, nach heute seit dem Ablegen in Skradin zurückgelegten 27 sm verrichtet die eiserne Genua (Motor) ihren Dienst. Das Groß lassen wir als Stützsegel gesetzt, damit sich die Schaukelei ein wenig erträglicher gestaltet. Bald haben wir die Untiefe Plič Čavlin an Bb und der Autopilot klemmt sich geht ans Ruder. Die Karte rechts zeigt den ungefähren Kurse durch das MURTERSKO MORE in Richtung unseres heutigen Tagesziels, der ACI Marina Žut.

Irgend jemand (es dürfte Tina gewesen sein) nützt die Abendstimmung für ein nettes Video (28.043 KB). Die am Beginn des Videos Bb voraus zu sehende Insel ist ŽUT, später sieht man Stb voraus PAŠMAN und deren vorgelagerte Inseln GANGARO, ŽIŽANJ und KOŠARA. Beim Schwenk achteraus ist gerade noch die Insel KORNAT zu erkennen.


Abendstimmung: Ansteuerung von ŽUT
Abendstimmung: Ansteuerung von ŽUT
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Bild links:
Wenn der Browser das HTML5-video-Element nicht unterstützt, dann gibt es hier wenigstens ein Foto von der Ansteuerung von ŽUT mit der tollen Abendstimmung.

An Stb kommt das Seezeichen Hr Galijolica in Sicht, dann halten wir uns dicht an BABULJAŠI VELI und MALI, denn ich möchte nicht über die Untiefe Gr Miši schrammen, wenig später umrunden wir das Rt Strunac auf ŽUT und die vor der Buchteinfahrt gelegene kleine Insel MASLINJAK (diese Insel könnte man bei der Einfahrt auch an Stb lassen). Ein Segler läuft von NE kommend in die weite Luka-Bucht, an deren westlichem Ende die ACI Marina Žut liegt, ein und ist vor uns mit dem Anlegen dran. Allerdings fährt er das Manöver mit dem Bug zum Wind, der mittlerweile auf 4 Bft zugelegt hat und er benötigt drei Anläufe, bis er sicher an den Moorings festgemacht ist. Ich bevorzuge beim Anlegen achteraus immer mit dem zum Wind zeigenden Heck zu fahren, denn dann ist die Gefahr, dass der Bug bei starkem Wind ausbricht, relativ gering. Langsam ziehe ich in genügender Entfernung zum Steg ein paar Kreise und warte, bis der polnische Segler vor uns mit dem Anlegen fertig ist. Dann gibt mir der Marinero ein Zeichen zum Anlegen und ich bin um 1910 ohne Probleme fest vor Moorings.

Welches Restaurant hätten Sie denn gern?

Die Sache mit den Restaurants in der Luka Žut ist ja in den verschiedenen Quellen hinreichend beschrieben. Ich erzähle der Crew davon und Caro recherchiert gleich im Netz nach einer für unsere Gaumen und Bordkasse ebenso geeigneten Lokalität. Doch wo nichts ist, kann auch das Internet nichts herbeizaubern. Schon bei der Einfahrt in die Bucht bemerken wir einen am Ufer rennenden Mann, eine große Fahne mit der Aufschrift Fešta schwenkend. Uns ist nicht danach, übers Ohr gehauen zu werden und deshalb wählen wir den kurzen Weg zum Restaurant der ACI-Marina Žut.

Schon praktisch, so eine mittels Fernbedienung hochzuklappende bzw. abzusenkende Heckklappe. Das ist natürlich ein Spielzeug für den Skipper und Andreas muss das unbedingt in einem Video-Clip festhalten (16.077 KB). Hungrig und durstig machen wir uns auf den Weg zum Marina-Restaurant.

 
ACI-Marina Žut: Blumenfeld und Marina-Restaurant
ACI-Marina Žut: Marina-Restaurant
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Bild rechts:
Kurz vor 2000 peilen wir das Restaurant der ACI-Marina Žut an. Andreas fotografiert noch schnell das Blumenfeld unterhalb des Restaurants. Es wird das einzig Positive an diesem Restaurantbesuch bleiben.


Blick von der Treppe zum Restaurant auf die Luka Žut
Blick auf die Luka Žut
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Bild links:
Beim Hinaufsteigen des zum Restaurant führenden Treppenwegs gibt es noch ein Foto von der Luka Žut mit unserer am Steg festgemachten Grey Panther. Mittlerweile ist noch eine andere Yacht dazugekommmen.

Es gibt nichts Gutes über das Marina-Restaurant Žut zu berichten

Die Rechnung:
2 x marinierte Sardinen (sehr kleine Portion, Sardinen wirkten irgendwie unsachgemäß zerlegt): HRK 120,00
3 x gemischter Salat (zerfallen, lieblos): HRK 105,00
1 x Brot (alt, 4 trockene Scheiben): HRK 10,00
2 x Doraden (kleine Portionen, rochen nicht frisch): HRK 240,00
3 x gemischtes Grillfleisch (lieblos gegrillt, das noch nicht vollständig aufgetaute Steak war blutig roh): HRK 330,00
1 x Risotto (vegetarisch, alte Gemüsereste untergemischt): HRK 60,00
5 x Radler (Alsterwasser): HRK 150,00
4 x Aperol Spritz (bestand beinahe nur aus Mineralwasser): HRK 140,00
1 x Mineralwasser (Flasche, keine Beanstandung): HRK 25,00

Rechnungsendbetrag: HRK 1.180,00

Damit ist beinahe alles gesagt, bis auf die Tatsache, dass uns der Koch bei unseren verabschiedenden Grüßen hämisch nachgrinste mit dem deutlich erkennbaren Gesichtsausdruck, uns nie mehr wiedersehen zu wollen. Der Grund: Wir hatten nämlich unsere innen noch gefrorenen Steaks mit der Bitte zurückgegeben, sie doch noch etwas zu braten. Der Koch hat sich zunächst geweigert, auf Zureden des Servicepersonals dies dann aber doch getan und uns 10 Minuten auf die nachgebratenen Fleischstücke warten lassen. Die Steaks waren dann zwar durchgebraten, aber eben auch von der Marke Schuhsohle. Wenn es möglich ist, werde ich um die ACI-Marina Žut künftig einen großen Bogen machen.

Gute Nacht!

Daten vom 5. Mai 2015
Seemeilen:43,8
Motorbetriebsstunden:5,8
Maximal-Geschwindigkeit in Knoten laut GPS:8,6


Im nächsten Berichtsteil geht's weiter.

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