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Segeltörn im Mai 2015

Berichtsteil 6


Donnerstag, 7. Mai 2015


Der Wetterbericht des SWZ Split von 0600 sagt für die Mittel- und Südadria einen NW-Wind mit 6-16 kn (2-5 Bft) voraus. Das würde zum Segeln passen, doch ich traue der Sache mit dem guten Wind nicht.

In Molat: Blick nach Westen hinaus zum Prolaz Maknare
In Molat: Blick nach Westen hinaus zum Prolaz Maknare
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Bild links:
Tina und Andreas spazieren nach dem Frühstück noch ein wenig herum und machen ein paar Fotos. So blau wie auf dem Bild war der Himmel meiner Erinnerung nach nicht, da muss jemand mit irgend einem Filter herumprobiert haben. Auf jeden Fall ist auf dem Bild wieder einmal unsere Grey Panther zu sehen, es die Segelyacht links und sie hat den höchsten Mast. Der Blick geht nach Westen und zeigt die Lučina-Bucht und die Prolaz Maknare, das ist die Durchfahrt zur offenen Adria.

Relativ günstiger Übernachtungspreis

Wir bezahlen für die Übernachtung einschließlich Strom und Wasser HRK 375,00. Verglichen mit vielen anderen Marinapreisen muss man eigentlich sehr zufrieden sein, zumal die Sanitäranlagen hier in Molat wirklich ordentlich gepflegt sind.

In Molat: Tina füttert noch einmal die Katzen
In Molat: Tina füttert noch einmal die Katzen
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Bild links:
Damit die Katzen von Molat bis zu unserem nächsten Besuch nicht verhungern, werden sie von Tina mit den Resten unseres Frühstücks und vielleicht auch noch mit einem Teil unserer Lebensmittelvorräte gefüttert. Versprochen, das ist das letzte Katzenfoto in diesem Bericht.

Auf dem großen Bild (723 KB) ist am Horizont gerade noch (auch mit starkem Einsatz des Zooms) das sehr flache Felsenriff LAGNIĆI zu erkennen, in dessen Nähe sich im Jahr 1984 ein Schiffsunglück ereignet hat. Ein italienischer Frachter wollte damals etwas zu dicht um die NW-Huk von DUGI OTOK, das Rt Suha, herumschrammen und ist auf Grund gelaufen. Des einen Pech, des anderen Freud: Dieses Wrack diente mir in Zeiten, als die Charteryachten noch nicht mit GPS ausgerüstet waren, bei der Ansteuerung der Luka Solišćica und dann der Pantera-Bucht im NW von DUGI OTOK als grobe Orientierungshilfe.
 
Kurz nach dem Ablegen in Molat: Blick zurück
Kurz nach dem Ablegen: Blick zurück auf Molat mit Sicht auf das an der Festlandküste verlaufende Velebit-Massiv im Bildhintergrund

Um 0940 legt Thomas ab. Ich will der Crew das Wrack des im Jahr 1984 vor der NW-Küste von DUGO OTOK gestrandeten italienischen Frachters und die etwas knifflige Zufahrt zur Pantera-Bucht zeigen und deshalb steuern wir zunächst die mit einem Leuchtfeuer versehene kleine Insel GOLAC an. Doch beim Näherkommen an die Unglücksstelle ist kein Wrack mehr zu sehen. Es ist anzunehmen, dass Wind und Wellen im Lauf der Jahrzehnte kräftig an dessen Beseitigung gearbeitet haben.
Seekarte mit unserem Kurs von Molat bis SESTRUNJ
Seekarte mit unserem Kurs von Molat bis SESTRUNJ
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Seekarte links:
Auf der Seekarte ist unser ungefährer Kurs von Molat bis SESTRUNJ eingezeichnet.
10:04 Uhr: Blick zurück auf Molat
10:04 Uhr: Blick zurück auf Molat
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Bild rechts (um 1004):
Noch einmal geht der Blick zurück auf Molat. Es war wirklich sehr schön dort.


Wir steuern GOLAC an.
Wir steuern GOLAC an.
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Bild links:
Wir steuern GOLAC an, das ist die vor dem Mast unserer Bavaria Cruiser 50 zu sehende Insel. Das halb versunkene Wrack ist noch nicht auszumachen. Vom Wind gibt es ebenfalls keine Spur.

Bei LAGNIĆI ist kein Wrack zu sehen.
Bei LAGNIĆI ist kein Wrack mehr zu sehen.
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Bild rechts:
Bei LAGNIĆI ist kein Wrack mehr zu sehen, nur ein Schar Möwen streitet sich um den von einem Fischer über Bord geworfenen, nicht verwertbaren Fang. Da der Wind zum Segeln nicht reicht - es ist kaum einer vorhanden - besprechen wir kurz die Lage und geben unseren Plan, die Luka Solišćica und die Pantera-Bucht im NW von DUGI OTOK zu besuchen, kurzerhand auf, denn motoren werden wir heute noch genug müssen.
Passage zwischen GOLAC und BRŠĆAK.
1026: Passage zwischen GOLAC und BRŠĆAK
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Bild links (1026):
Bei der auf dem letzten Bild gezeigten Möwenfutterstelle haben wir den Kurs von W nach E geändert und sind nun kurz vor der Passage zwischen GOLAC und BRŠĆAK. Hier gibt es eine in der Seekarte mit 3 m gekennzeichnete untiefe Stelle, an der wir aber weit genug nördlich vorbeifahren. Also gibt es keinen Grund zur Beunruhigung, zumal Wind und Wellen gleich Null sind. Trotzdem steht der Gashebel auf Langsamfahrt.
 
Andreas genehmigt sich ein Radler
Andreas genehmigt sich ein Radler
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Bild rechts (1038):
Die unschwierige Passage zwischen TUN MALI und TUN VELI ist geschafft. Langsam wird es wärmer und Andreas genehmigt sich ein Radler.

Etwa 2 sm nach dieser Passage umrunden wir das Rt Kruž, also die Halbinsel am N-Ende von SESTRUNJ und steuern auf die Inselgruppe TRI SESTRICE (ich würde das mit drei Schwestern übersetzen) zu. Wir befinden uns jetzt am W-Rand des Virsko more und bemerken eine gekräuselte Wasseroberfläche, es gibt ihn also noch, den Wind.
Seekarte mit unserem Kurs von TRI SESTRICE bis Sutomišćica
Seekarte: Kurs von TRI SESTRICE bis Sutomišćica
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Seekarte links:
Kurs von TRI SESTRICE bis Sutomišćica auf UGLJAN
Im VIRSKO MORE mit Blick auf den Küstenabschnitt von Petrčane
Küste bei Petrčane im Virsko more
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Bild rechts:
Wir sind im Virsko more und blicken auf den Küstenabschnitt von Petrčane mit dem dahinter bis über 1.700 m aufragenden Velebit-Gebirge. Um 1143 probieren wir es mit dem Segeln, jedoch bereits um 1210 müssen wir die Lappen wieder einrollen, zumal wir bei dem Kurs quer über den Zadarski kanal hinüber an die Küste südlich von Petrčane gelangen würden und das verspricht bei dem schwachen Wind keinen besonderen seglerischen Reiz.
Die Fähre »Kornati« nimmt die Passage zwischen JIDULA und UGLJAN.
Fähre »Kornati« vor der Passage JIDULA - UGLJAN.
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Bild links (1300):
Laut Logbuch haben wir die Passage zwischen der kleinen Insel JIDULA und der Insel UGLJAN, genau gesagt der nördlichsten Landspitze dieser Insel, dem Sv Petar, um 1252 an Stb querab. Bb voraus bemerken wir schon seit ein paar Minuten eine auf uns zuhaltende Fähre, welche offenbar in diese Passage einfahren möchte. Deshalb drücken wir den Gashebel etwas nach vorne, denn seit der Strandung der Marco Polo auf der am S-Ende des Srednji kanal gelegenen Insel SIT lasse ich beim Näherkommen kroatischer Fähren noch etwas mehr Vorsicht walten, als ich es früher ohnehin schon getan habe.
zwischen den Orten Lukoran und und unserem heutigen Tagesziel Sutomišćica
Zwischen Lukoran und Sutomišćica
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Bild rechts:
In den Wochen vor unserem Törn hat es in Kroatien relativ viel geregnet und deshalb konnten wir uns schon bei der Herfahrt nach Biograd na moru an dem satten Grün der Pflanzen erfreuen. Auch der Vegetation auf den Inseln scheint der Regen gut getan zu haben, wie man auf diesem Bild sieht. Es ist kurz vor 1400 und wir fahren unter Motor an der E-Küste von UGLJAN entlang. In Höhe des Rt Marović, zwischen den Orten Lukoran und und unserem heutigen Tagesziel Sutomišćica, drückt Andreas auf den Auslöser.
Einfahrt in die Bucht von Sutomišćica
Einfahrt in die Bucht von Sutomišćica
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Bild links (1359):
Einfahrt in die Bucht von Sutomišćica

Ich avisiere unsere Ankunft beim Büro der Marina Olive Island in Sutomišćica über UKW Kanal 17 und bekomme den Liegeplatz am Ponton B Platz 24 zugewiesen. Der Wind hat etwas aufgefrischt und ich muss beim Anlegen aufpassen, dass die Yacht nicht driftet, obwohl die Fahrwasser im Hafen ausreichend breit sind. Um 1410 liegen wir fest mit Moorings und Achterleinen.
 
Marina Olive Island in Sutomišćica: Wir liegen am Ponton B
Marina Olive Island in Sutomišćica: Am Ponton B
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Bild rechts:
In der Marina Olive Island in Sutomišćica machen wir am Ponton B fest.

Rezeption und Restaurant der Olive Island-Marina in Sutomišćica
Rezeption und Restaurant der Olive Island-Marina
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Bild links:
Rezeption und Restaurant der Olive Island-Marina in Sutomišćica.

Die Ausstattung der Marina gehört natürlich zur Superlative. Die Duschen animieren mit den dort montierten Massage-Duschköpfen zum längeren Verweilen unter dem kostbaren Nass als unbedingt nötig und es stellt sich die Frage, ob hier in Anbetracht der auf den kroatischen Inseln stets zu beachtenden Wasserknappheit nicht zu viel des Guten getan wurde. Trotzdem, ich will nicht nörgeln, denn auf der anderen Seite wird gärtnerisch alles getan, um die hier heimische Vegetation zur Geltung zu bringen.
Sutomišćica: Blick von der Ortsstraße auf die innere Bucht
Sutomišćica: Blick auf die innere Bucht
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Bild rechts:
Sutomišćica: Blick von der Ortsstraße auf die innere Bucht

Es ist sehr warm und ich kenne im Ortskern ein nettes Café. Dort habe ich mir vor vielen Jahren, als ich das letzte Mal hier war, ein nach meiner Erinnerung sehr leckeres Eis gekauft. Mein Vorschlag, zuerst das gute Eis zu probieren und dann den Berg hinauf zu dem mir ebenfalls gut bekannten Restaurant Lantana zu wandern, wird nicht abgelehnt. Also gehen wir um das alte Hafenbecken herum in den Ort und entdecken was? Jawohl, wie der Deutsche sagt, es gibt kein Café mehr, sondern an dessen Stelle residiert ein Versicherungsbüro.

Das Restaurant Lantana

Unbeeist plagen wir uns die paar hundert Meter den Berg hinauf zum Restaurant Lantana und entdecken was? Jawohl, das Haus steht noch, aber das Restaurant ist nicht mehr in Betrieb. Der (ehemalige) Wirt, der lange in der Schweiz und in Deutschland gearbeitet hat und sehr gut deutsch spricht, hört uns, blickt vom Balkon herunter, kennt mich noch von früher und sagt, er genieße jetzt seine wohlverdiente Rente. Meine Frage nach dem ebenfalls geschlossenen Café beantwortet er mit einem in Kroatien allgemein festzustellenden starken Wegzug der Jugend von den Inseln, da sie sich von der Umsiedlung auf das Festland mehr verspreche. Kann man es ihnen verdenken? Einen Urlaub hier zu verbringen ist zwar ganz schön, aber immer auf die Fähre angewiesen sein, das wäre auch nicht meine Sache. Die Jugend möchte mit einem eigenen Pkw mobil sein und das geht auf den Insel nur begrenzt. Das Café im Ort habe den Weggang der Jugend als erstes zu spüren bekommen und es musste schließen. Ob er seinen Beruf im Hinblick auf die Erbauung der Olive Island-Marina aufgegeben habe, will oder kann er mir nicht sagen. Auf jeden Fall ist das sehr schade, denn bei ihm haben wir auf seiner schönen Terrasse gesessen und uns an den von ihm vorzüglich zubereiteten Köstlichkeiten gelabt. Ich wünsche ihm für die Zukunft alles Gute und er mir auch. Hungrig und durstig gehen wir zurück in die Marina und bewundern dabei das satte Grün in den Gärten. Der Regen der letzten Wochen hat den Pflanzen - meist ist es Gemüse - sichtlich gut getan. Im Marina-Restaurant genehmigen wir uns ein paar Vorspeisen. Man bedient uns mit aller Servierkunst und Freundlichkeit, auch die nett hergerichteten Speisen schmecken vortrefflich und der etwas gehobene Preis stimmt auch. Am späteren Abend wollen wir auf dem Schiff kochen, denn der Törn neigt sich dem Ende zu und wir haben noch viele Lebensmittel an Bord, die wir nicht zurück nach Hause schleppen wollen.

Gute Nacht!
 
Daten vom 7. Mai 2015
Seemeilen:20,1
Motorbetriebsstunden:4,4

Im nächsten Berichtsteil geht's weiter.

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