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Segeltörn im Mai 2015

Berichtsteil 7


Freitag, 8. Mai 2015


Der Wetterbericht des SWZ Split von 0600 verkündet, der Wind würde im Verlauf des Morgens ganz nachlassen. Gegen Mittag sagt er einen auf der N-Adria und der Mitteladria, teils auch auf der S-Adria, auf SW drehenden Wind von 4-12 kn (2-4Bft) voraus. Abgesehen davon, dass es am Morgen gar keinen Wind geben soll, wäre das für unseren Kurs in Richtung Biograd na moru ganz gut. Um 1000 beobachte ich einen wolkenlosen Himmel und einen Wind der Stärke 0-1 Bft, der natürlich nur einen geringe Kräuselung der Wasseroberfläche und keinen Seegang bewirken kann.

Sutomišćica: alte Villa beim Restaurant Lantana
Sutomišćica: alte Villa beim Restaurant Lantana
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Bild links:
An das Restaurant Lantana in Sutomišćica verbinden mich viele gute, teils sehr lustige Erinnerungen. Deshalb möchte ich in diesen Bericht ein Bild einbauen, welches zwar nicht das Restaurant selbst, aber die alte Villa oberhalb der Lokalität zeigt (mit der alten Villa meine ich das Haus in der Bildmitte unterhalb der Pinien - oder Zypressen?). Der Eigentümer des Restaurants, also der im letzten Berichtsteil von mir beschriebene ehemalige Wirt, der im Wegzug der Jugend von der Insel ein großes Problem sieht, hat sich wohl mit der von ihm selbst gestellten Aufgabe, die alte Villa zu restaurieren, übernommen. Seit meinem letzten Besuch hat sich der äußere Zustand des sicher erhaltenswerten Hauses nicht viel verändert. Vielleicht ist dem Eigentümer neben seiner Tatkraft auch das Geld für die Restauration ausgegangen, auf jeden Fall ist es schade.

Sutomišćica, auf Wiedersehen

Carola entrichtet die Liegegebühr. Der Preis für diese schon als luxuriös zu bezeichnende Marina ist mit EUR 80,00 angemessen. Nach einem ruhigen und ausgiebigen Frühstück starte ich den Motor und lege um 1030 ab. In der Bucht von Sutomišćica ist nur eine schwache Wasserkräuselung zu sehen, also wird es zunächst wieder einmal nichts mit dem Segeln. Bei der Ausfahrt aus der Bucht wird zunächst das an Stb liegenden Rt Sv Grgur umrundet. Im Zadarski kanal geht es dann dicht der E-Küste von UGLJAN entlang. Nach etwas über einer Seemeile liegt das Rt Sv Petar an Stb querab und dann sehen wir schon in von mir geschätzten sieben Kabellängen an Stb die unweit NE-lich von Preko liegende kleine Insel GALOVAC. Die SE-lich von Preko liegende, etwas größere Insel OŠLJAK ist ebenfalls in Sicht.

Nicht erst am Charterstützpunkt tanken

Da wir die Segelyacht voll aufgetankt zurückgeben müssen, ist es mein Plan, die Tankstelle in Preko auf UGLJAN anzusteuern, dort zu tanken und den Reservekanister zu befüllen, damit wir in Biograd den Schiffstank wieder voll auffüllen können. Am Ende einer Charterwoche müssen nämlich alle Charterer die Tanks ihrer Schiffe befüllen und das nervige Warten und Kreisen vor den Tankstellen bei den Charterstützpunkten ist überall gleich. In dem zumeist sehr dichten, oft rücksichtslosen Gedränge gibt es dann so manche Kollision. Da tanke ich - wenn möglich - lieber schon vorher und lasse dabei den Reservekanister befüllen.
 

Der unaufmerksame Tankwart in Preko/UGLJAN

In meinen nautischen Unterlagen und in verschiedenen Segel-Foren ist die Rede davon, dass der Tankwart in Preko sich gern und immer zum Nachteil seiner Kunden vertut. Ich sage das also meiner Crew, damit wir alle ein Auge - besser alle unsere Augen - auf die Tankuhr und das Bargeld werfen. Zirka eine Stunde nach dem Ablegen in Sutomišćica sind wir an der Tankstelle in Preko, wo gerade ein Fischer seine Tanks befüllt und wir deswegen etwa 10 Minuten kreisen müssen. Kein Problem, weil ohnehin nur ein schwacher Wind weht. Als wir dann an der Reihe sind und bezahlen, ist der Tankwart etwas unaufmerksam und gibt deutlich zu wenig Kuna zurück. Doch Caro, unsere Bordkassenverwalterin, behält in finanziellen Dingen mit Ruhe den guten Überblick und bemerkt das Versehen. Thomas, der Caro beim Bezahlen begleitet, unterstützt sie bei ihrer Forderung nach monetärer Gerechtigkeit. Beide sind halt Juristen und ein hohes Maß an Ehrlichkeit und Gerechtigkeit wird diesen Menschen wohl schon bei ihrer Geburt mitgegeben. Der Tankwart murrt etwas Unverständliches in Kroatisch und rückt schließlich das zu Unrecht einbehaltene Geld heraus. Liebe Leute, ihr werdet für eure Arbeit ja entlohnt und bekommt normalerweise gutes Trinkgeld, gewöhnt euch diese Unaufmerksamkeiten schnellstens ab, zumal sich solche Dinge - zu denen auch das vergessene Zurückstellen des Tankzählwerks gehört - häufen, wie es an verschiedenen Stellen zu nachzulesen ist.

Und noch etwas: Mir ist bekannt, dass der Treibstoff auf den Inseln mancherorts etwas teurer ist als bei den Tankstellen auf dem Festland. Aber, wenn ich schon ein paar Tausend Euro für den nicht ganz billigen Segelsport ausgebe, dann soll es mir auf ein paar Euro Mehrkosten für den Treibstoff nicht ankommen, das nehme ich für eine geringere und vor allem stressfreie Wartezeit gern in Kauf. Das Zählwerk der Zapfsäule bleibt bei knapp 62 Litern stehen, unser Schiffsmotor hat also wenig verbraucht, wobei wir uns mit der Motordrehzahl immer zurückgehalten haben. Bei den knapp 62 Litern ist der mit etwa 15 Litern Diesel befüllte Reservekanister mit eingerechnet. Der Literpreis beträgt HRK 9,49. Übrigens tanken wir unsere Autos bei der Heimfahrt bei der INA in Biograd auf und dort wird exakt derselbe Literpreis verlangt.
Seekarte mit unserem Kurs von Sutomišćica bis zur Ždrelac-Passage
Seekarte mit unserem Kurs von Sutomišćica bis Ždrelac
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Seekarte links:
Unser Kurs von Sutomišćica bis ein Stück weit nach der Ždrelac-Passage.

Nach dem Tanken in Preko steuern wir hinaus in die Durchfahrt zwischen UGLJAN und der herrlich begrünten Insel OŠLJAK. Die Kaps Rt Rahovača vor dem Ort Kali, das Rt Otrić, die Uvala (dt.: Bucht) Gnojišća vor dem Ort Kukljica bleiben alle an Stb und die kleine Insel MIŠNJAK an Bb. Die Neulinge unter uns sollen die Ždrelac-Passage mit der Brücke zwischen PAŠMAN und UGLJAN zu Gesicht bekommen, denn von dieser nur für kleinere Segelyachten befahrbaren Passage habe ich ihnen schon viele Geschichten erzählt. Wir biegen um das an Stb liegende Rt Zaglav und schon kommen die Ždrelac-Passage und die Brücke mit einer Durchfahrtshöhe von 16,5 m in Sicht (nächstes Bild).

Brücke zwischen PAŠMAN und UGLJAN
Brücke zwischen PAŠMAN und UGLJAN (Prolaz Ždrelac)
 
Seekarte mit unserem Kurs von der Ždrelac-Passage bis Biograd na moru
Kurs von der Ždrelac-Passage bis Biograd na moru
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Seekarte links:
Unser Kurs von der Ždrelac-Passage bis Biograd na moru

Blick in die Uvala Polača bei Ždrelac/PAŠMAN
Blick in die Uvala Polača bei Ždrelac/PAŠMAN
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Bild rechts (1237):
In der Bucht an der E-Seite der Prolaz M Ždrelac drehen wir langsam einen Kreis, um die Durchfahrt betrachten zu können und fahren dann hinaus in den Pašmanski kanal. Hier stellen wir fest, dass der Wetterbericht heute einmal Recht behalten hat. Gegen Mittag sollte der Wind aus SW kommen. Jetzt bläst über die Berge von PAŠMAN und das bedeutet für uns einen angenehmen und schnell zu fahrenden Halbwind-Kurs. Die Segel werden gesetzt und der Motor ausgeschaltet und schon geht es im Pašmanski kanal flott SE-wärts.

Im Pašmanski kanal: Skipper im Schatten
Im Pašmanski kanal: Skipper im Schatten
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Bild links (1312):
Dieser Skipper stellt alles in den Schatten, sogar sich selbst. Im Pašmanski kanal genieße ich am Ruder stehend den Halbwind-Kurs. Um uns vor der stechend heißen Sonne etwas zu schützen, haben wir das Bimini-Top aufgeklappt.
im Pašmanski kanal: unser Kielwasser beim Halbwindkurs
im Pašmanski kanal: Kielwasser
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Bild rechts (1324):
Im Pašmanski kanal lässt es sich bei dem halben-Wind-Kurs vortrefflich segeln, wie an dem geraden Kielwasser zu erkennen.

im <i>Pašmanski kanal</i> werden die Schoten dichter geholt
im Pašmanski kanal: Schoten dicht
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Bild links:
Damit wir nicht zu weit an die E-Seite des Pašmanski kanal kommen, haben wir die Schoten etwas dichter geholt, wir haben also etwas angeluvt (für Nichtsegler: der Kurs wurde mehr in die Richtung verändert, aus welcher der Wind herkommt). Außerdem naht die relativ enge Passage zwischen dem Ort Pašman und der Insel BABAC. Da möchte ich bei dem dichten Verkehr nicht schräg vor dieser Passage herumkreuzen, sondern - wie es sich gehört - auf der rechten Seite der Engstelle segeln.
Der Hafen von Pašman auf der Insel PAŠMAN ist an Stb voraus.
Stb voraus: der Hafen von Pašman
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Bild rechts (1350):
Der Hafen von Pašman auf der Insel PAŠMAN ist an Stb voraus. Schade, jetzt, wo wir den besten Wind und das schönste Wetter der ganzen Woche haben, ist der Törn bald zu Ende.
 
Engstelle bei Pašman
Engstelle bei Pašman
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Bild links (1355):
In der Engstelle bei Pašman dreht plötzlich der Wind und kommt nun von Bb. Damit haben wir gegenüber den Segelyachten, die den Wind von Stb haben, kein Vorfahrtsrecht mehr und müssen jetzt bei dem dichten Verkehr besonders aufpassen. Die uns voraus segelnde Yacht werden wir aber noch schnell überholen. Die kleinen Inseln MUNTAN, DUŽAC MALI und VELI bleiben an Stb. Vor der mit einem Leuchtfeuer versehenen Insel ČAVATUL ändern wir unseren Kurs nach E in Richtung Biograd na moru. In Höhe von PLANAC wird der Motor gestartet, dann werden die Segel eingerollt und wir reihen uns in die Schlange der in die Marina drängenden Boote ein. Über das Mobiltelefon melden wir unser Kommen bei Robert, unserem Stützpunktleiter und ich lege um 1430 in der Marina Biograd am Steg 12 an. Die letzten Stunden waren wieder einmal segeln pur. Zeitweise ging es mit über acht Knoten Fahrt dahin.

Problemloses Ausschecken

Wie immer bei den von mir gefahrenen Segeltörns notiere ich mir bereits während des Törns alle aufgetretenen Mängel auf einem Blatt Papier, das ich dann bei der Rückgabe der Yacht dem Stützpunktpersonal aushändigen kann. Wir hatten in dieser Woche weder Grund- noch Rumpfberührung und so steht auf der Mängelliste nur der manchmal klemmende Verklicker (das erste Mal in Molat aufgetreten) und die an zwei Stellen im Bugbereich beginnende Aufspleissung des Relingsdrahts. Sonst war und ist die Grey Panther in einem technisch perfekten Zustand. Auch der Taucher kann am Unterwasserschiff keinen Schaden entdecken, so dass die Schiffsrückgabe auch in vertraglicher Hinsicht bald erledigt ist.

Kreisende Yachten vor der Tankstelle in Biograd

Schon vor dem Auschecken haben wir damit begonnen, unsere Sachen, die wir nicht mehr benötigen, in unsere Pkw zu schaffen und leeren jetzt das Schiff bis auf die Dinge, die wir für die heutige Übernachtung noch benötigen, weiter. Dabei sehen wir gegenüber unseres Parkplatzes eine Vielzahl wartender, vor der Tankstelle in Biograd na moru kreisender Yachten. Das Volltanken unserer Grey Panther haben wir ja glücklicherweise bereits heute Mittag erledigt, aber irgendjemand wird sich an dem mit Diesel gut befüllten Reservekanister erfreuen, denn in nicht allzu vielen Minuten nach dem Tanken konnten wir den Motor ausschalten und bis Biograd segeln. Der Schiffstank ist daher nahezu voll und wir weisen unseren Stützpunktleiter darauf hin, dass wir uns das Einfüllen von etwa einem Liter Diesel ersparen.

Zur Einnahme des Abendessens wollen wir wieder in das mir namentlich nicht mehr bekannte Restaurant in der Altstadt von Biograd gehen (siehe Berichtsteil 1) und schlendern gemütlich der mit einer Unzahl von Restaurants und allerhand sonstigen Geschäften bestückten Wasserfront entlang dorthin. Der Ober erkennt uns sofort wieder und wir suchen uns heute einen Platz im windgeschützten Innenhof aus, denn am Abend unserer Ankunft saßen wir an der auf der Altstadtstraße aufgestellten Tisch- und Bankreihe, wo es insbesondere Angelika und mir einfach zu zugig und zu kalt war. Uns allen schmeckt es auch heute wieder vorzüglich und die Freundlichkeit und Aufmerksamkeit unseres Obers tragen zu einem sehr gelungenen Abschlussabend bei.

Gute Nacht!

Daten vom 8. Mai 2015
Seemeilen heute:17,1
Seemeilen während dieses Törns insgesamt:161,9
Motorbetriebsstunden heute:2,5
Motorbetriebsstunden während dieses Törns insgesamt:22,6

Im nächsten Berichtsteil geht's weiter.

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